Dienstag, 13. August 2013

IT'S ON // MOST DEFINITELY



Anstatt hier zu schreiben, was die letzten Monate ja ohnehin recht unregelmäßig passiert ist, werde ich in nächster Zukunft für Most Definitely schreiben. Ein gemeinsames Projekt von Steve Morris, Matt Morris und mir. Wir werden über Kaffee- und Musikgeschehen im herrlichen Berlin berichten.

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Montag, 3. Juni 2013

WEDDING PALE ALE // FRITZ ALE IPA // FLYING DOG CLASSIC PALE ALE

Also - wie versprochen, folgt eine kurze geschmackliche Besprechung der feinen Craftbiere, die ich dem Unwetter trotzend aus Moabit beschafft habe. Der erste Kandidat, der sich dem Gaumen stellen musste, war das Wedding Pale Ale. Wie der Name bereits vermuten lässt, stammt das Gebräu aus dem Stadtteil Wedding. Dort, um genauer zu sein, in der Arminiushalle bei BrewBaker brauen zwei junge Studenten der Brauerei- und Getränketechnolgie seit 2011 unter dem Namen Beer4Wedding handwerklich Bier. Was die beiden aktuell in die Flasche bringen, ist ein recht frei interpretiertes India Pale Ale - eben ein Wedding Pale Ale, mit dem charmanten Projektnamen "Halt die Fresse, das muss so schmecken". Hell yeah!
Kurze Illustration: So oder ähnlich liest sich die Zutatenliste eines Craftbieres.
Und genau so garstig, wie der Schmuckname klingt, schmeckt das Bier. Ungestüm schäumt sich das Bier durch den Mundraum und verteilt explosionsartig seine grasig ztironigen Hopfenaromen, umgeben von einer prickelnd fruchtigen Säure. Was dann kommt, ist einfach nur geil: eine satte Bitterkeit, die sich innerhalb der grünen Aromen weich und samtig aber extrem bestimmend über die Zunge legt, wie ich es zuvor noch nicht erlebt habe. Holy f****** Hop! Ein eigenwilliges Biererlebnis, das seinesgleichen sucht!

Auf das atem- und worteraubende W.P.A. folgte am selben Abend das India Pale Ale von Fritz Ale, das zunächst durch sein, nennen wir es mal, unprätentiöses Etikett auffällt. Der DIY-Stil wird belächelnd als charmant eingeordnet. Aber wen interessiert schon Papier auf einer braunen Flasche.
Bereits beim Einschänken des Fritz Ale ist an der karamelligen Färbung unschwer zu erkennen, dass es etwas malzbetonter ausfallen wird. So ist es. Die Malznoten sind etwas weiter vorne als beim W.P.A. und färben das Geschmacksbild eher ins Orangene mit etwas saftigeren, süß-fruchtigeren Noten, klarem Malzgeschmack und einer deutlich sanfteren Bitterkeit. Ganz anders, aber auch eine Bombe!
Das dritte und bis dato letzte, verköstigte Craft-Bier ist das Classic Pale Ale aus der amerikanischen Flying Dog Brewery. Allerdings muss ich gestehen, dass ich kaum analytische Worte zum Bier parat habe, da es zu fortgeschrittener Stunde geköpft wurde. Ich kann aber mit absoluter Sicherheit sagen, dass es ebenfalls für Begeisterung bei mir und meinem Mittrinker gesorgt hat. Zwischen dem bedächtigen Schweigen in die Nacht wurden Worte wie "incredible" und "awesome" leise dahergestammelt.

Donnerstag, 30. Mai 2013

BIERVIELFALT // BERLIN

Ok, wenn ich jetzt schreibe: "Berlin ist so toll, bla bla bla..." Dann sage ich zwar die Wahrheit, die ist allerdings sowas von abgedroschen und ohne eine stattliche Begründung ziemlich redundant. Ich komme jedoch nicht drumherum ein Loblied auf diese fantastische Stadt zu singen und habe dazu auch noch einen triftigen Grund und zwar den Grund aller Gründe, nämlich Bier.
Ich spreche von richtigem, kräftig hopfigen Bier. Es darf ruhig eine gute Portion von Aromen ummantelte Bitterkeit mitbringen. Aus geschmacklichen, aber um ehrlich zu sein, doch vor allem aus lokalpatriotischen Gründen habe ich mein Leben lang bevorzugt Flens getrunken. Viele Alternativen hatte ich allerdings auch nicht. Die Biere der großen deutschen Brauereien bestechen primär durch ihre Reinheit oder anders ausgedrückt durch ihre Einfalt.

Seit ich nun in Berlin lebe, eröffnet sich mir eine neue, ungeahnte Biervielfalt. Wie auch beim Kaffee gibt es hier in Berlin eine kleine Bewegung von Pionieren, die sich der Wiederbelebung der Bierkultur verschrieben hat und dem durch die Industrie bedingten Verfall des Geschmacks mit aller Kraft entgegenwirkt. Dabei bewegen sich die Braukünstler meist sogar innerhalb des schwer in die Jahre gekommenen und nicht sonderlich zeitgemäßen Reinheitsgebots und beweisen, dass auch innerhalb dessen vielschichtige Geschmackserlebnisse allein durch die akribische Auswahl der beschränkten Zutaten Malz, Hopfen und Hefe möglich sind. Von sich Reden machen insbesondere die Aromahopfen mit ihren schmucken Namen à la Herkules, Smaragd, Hallertauer Comet oder Taurus.
Einen festen Platz in meinem Bierherzen hat inzwischen das Rollberg. Ob das fruchtige Rote oder das grasig-zitronige Helle - beides hervorragende Berliner Biere. Noch etwas spannender sind die Biere vom Heidenpeter in der Markthalle Neun. Egal ob der Standard, das Pale Ale oder saisonale Attraktionen wie das Winter Ale oder das Maibock nach belgischer Art.
Einziges Problem bei all der erheiternden Bierdiversität ist die Tatsache, dass in Berlin die meisten Mikro-Brauereien nicht in Flaschen abfüllen und der allabendliche heimische Genuss von Hopfen und Malz aus der Flasche doch relativ beschränkt ist. Die Wahl fällt dabei in der letzten Zeit entweder auf Pilsner Urquell oder Schneider Weisse TAP 1.
Aktuell der einzig wahre Hoffnungsschimmer in Sachen Flaschenbier ist der Berlin Bier Shop in Moabit (ok, für den Freund des Online-Handels gibt es auch noch die Bier Post). Dort gibt es Flaschenbiere von kleinen handwerklichen Brauereien aus aller Welt, die das gemeinsame, globale Ziel verfolgen dem Bier seine grandiose, grenzenlosen, gustatorische Diversität zurückzugeben.
Bei meinem ersten Besuch im Berlin Bier Shop habe ich mal eine kleine aber feine Auswahl an IPA's (India Pale Ale) und Pale Ales mitgenommen. In den kommenden Tagen werde ich mich daran machen, die feinen Hopfentropfen mal mit Freunden zu verkosten und anschließend berichten.

Sonntag, 14. April 2013

IT'S ABOUT TIME...


Montag, 8. April 2013

FRÜHLING // BÄRLAUCH // GEIL

Endlich ist es soweit. Der sch*** Winter ist fort und der Bärlauch ist da. Mit dem Bärlauch beginnt für mich jedes Jahr mein kulinarisches Jahr. Ab jetzt wird es bis zum weit in der Ferne liegenden Winter nur noch geiler. Der heute geschnibbelte Bärlauch hat die Messlatte der Geilhaftigkeit schon mal ordentlich hoch angesetzt. Weil ich im Moment voll auf Reis, Hülsenfrüchte, Bulgur und Konsorten abfahre, habe ich heute mal eine tendenziell verwegene Vermischung von Zutaten und Aromen provoziert.
Und zwar Folgende:
Tomaten, Bärlauch, Olivenöl und Rosinen, gewürzt mit scharfem Paprika, einer Prise englischem Curry, Salz, Pfeffer und Apfelessig. Dazu bissfester Vollkornreis und Bulgur. Der finale Twist: selbstgemachte, gesalzene Röstzwiebeln.
Das geschmackliche Wagnis ist eine geschmackliche Bombe, die an Facettenreichtum kaum zu schlagen ist. Der Reis und der Bulgur bringen den nötigen Biss und transportieren die Schärfe von Paprika und Curry, geschmeidig, aber bestimmend untermalt durch den herzhaften Bärlauch, dazwischen die fleischig, fruchtigen Tomaten, die süßen, saftigen Rosinen und immer wieder die knusprigen, salzigen und aromakonzentrierten Zwiebeln. In Textur und Aroma ein wahnsinnig spannender, komplexer Salat, dem es an nichts fehlt.

Samstag, 30. März 2013

REMINISZENZ AN KIEL // LAPULAPU UND NO.52


Die Bohnen sind zwar schon längst aufgebraucht, aber nichtsdestotrotz will ich retrospektiv noch kurz Bericht erstatten. Seit ich im November Kiel verlassen habe, habe ich voll Vorfreude darauf gewartet, dass der Microlot-Kaffee den Kira und Axel aus Brasilien importiert haben im Hamburger Hafen angelandet wird und ab in den Röster bei Quijote Kaffee wandert. Ende Februar war es dann endlich soweit. Und wenige Tage später wartete bei einem meiner Nachbarn ein unscheinbares Paket auf mich. Neben 250g des Microlot No. 52 habe ich mir natürlich auch noch 250g des Lapulapu Blend mitschicken lassen.

Der No. 52 ist wirklich ein toller Kaffee. Da er so hell ("City") geröstet wurde, ist er als Espresso und gleichermaßen als Filterkaffee eine Wucht. Als Espresso zeigt der 52er sich mit kraftvoller, aber geschmeidiger Süße und gleichermaßen eher charakteristisch süßen Aromen. Die von vielen so verhasste Säure ist trotz der hellen Röstung sehr mild und hält sich vornehm zurück. Der eher leichte Körper zusammen mit dem besonderen Süße/Säure-Verhältnis macht den No. 52 zu einem wirklich spannenden und nicht alltäglichen Espresso. Als Filterkaffee ist der No. 52 fast mild wie ein süßer Fruchtsaft.

Trotz der Vorfreude und der geschmacklichen Freude die mir der No. 52 bereitet hat, war das, was mich wirklich sprachlos gemacht hat, wieder einmal der Lapulapu. Durch den Lapulapu habe ich quasi erst begonnen Espresso und Kaffee lieben zu lernen. Für mich sozusagen der Standard und Ausgangspunkt für alles was danach kam. Mit Kiel habe ich auch den Lapulapu zurückgelassen. Für circa vier Monate war er nur noch eine Erinnerung. Eine geschmackliche und sentimentale Erinnerung an mein Leben in Kiel.
Den Lapulapu hier in Berlin zu schmecken, stellte tatsächlich einen emotionalen und aufrüttelnden Moment dar. Dieser Geschmack ist für mich absolut unverkennbar und rein. Er spiegelt auf gewisse Weise die letzten drei bis vier Jahre in Kiel wieder. Plötzlich sitze ich wieder in der offenen Küchentür meines verrückten Ateliers und stütze meine Füße auf den rostigen Stahlträger und schlürfe friedlich meinen abgekühlten Espresso. Das ist geschmackliche Nostalgie oder gar Romantik.

Donnerstag, 14. März 2013

ERSTER BERLINER RINGBRUNCH // VIDEO

Unser erster Ringbrunch liegt zwar schon ein paar Monate zurück, wenn man allerdings so aus dem Fenster schaut, könnte man meinen, es wäre immer noch Mitte Dezember.

Erfreulicherweise ist nach langem Warten das kurze Video zum Ringbrunch endlich im Kasten. Schön war's...



Der Eindruck trügt übrigens: Die Leute haben nach anfänglicher Skepsis sehr wohl Snacks von den Tabletts angenommen und verköstigt!

Dienstag, 12. März 2013

FOTOGRAFISCHER TROST

Da ich ja unfähig war, Bildmaterial zu dem letzten Artikel zu liefern, hat die erwähnte Freundin mir freundlicherweise heute Fotos aus Äthiopien geschickt.

Also gibt es als Trost statt der versäumten Espressobilder einige Eindrücke aus Äthiopien und der dort zelebrierten Kaffeezeremonie.





Sonntag, 10. März 2013

ESPRESSO MIT BUTTER UND SALZ

 Au weia! Dieser Post sollte schon vor etlichen Wochen online gehen. Der Post an sich ist auch seit Wochen quasi fertig. Allerdings wollte ich unbedingt noch ein paar Bilder und ein kleines Video dazu schießen. Dem extrem dunklen Winter und meinen derzeitigen Arbeitszeiten geschuldet, war es jedoch einfach nicht möglich, brauchbare Bilder hinzubekommen. Wenn ich dann einmal in den Genuss von Tageslicht und Freizeit kam, habe ich natürlich prompt mein Vorhaben über Bord geworfen und Besseres zu tun gewusst.
Nun muss der Post also raus; ohne das ersehnte Bildmaterial. Wat mut, dat mut!

Also es geht malwieder um Kaffee/Espresso.
Eine gute Freundin, die einige Zeit in Äthiopien verbracht hat, erzählte mir vor Kurzem (inzwischen vor einigen Wochen), dass es in Ätiopien Brauch sei, Kaffee mit Butter und Salz zu trinken. Hört sich verrückt an, ist aber so.
Und wenn jemand was von Kaffee weiß, dann sind es wohl die Äthiopier, denn schließlich geht man davon aus, dass Äthiopien das Ursprungsland aller heute bekannten Arabica-Varietäten ist. Trotz der vorhandenen Skepsis blieb mir also nichts anderes übrig, als die haarstreubende Verfeinerung anzuerkennen.
Bei genauerem Nachdenken wurde mir allerdings bewusst, dass in Kulturen im Orient und in Teilen Afrikas Salzigkeit durchaus anders wahrgenommen und genutzt wird als hierzulande. Man denke nur an Ayran oder eingelegte Salzzitronen. Die Kombination von Säure und Salzigkeit ist in diesen Fällen vollkommen anders kontextualisiert als in Europa. Für hiesige Gaumen eher ungewöhnlich und verwirrend.
Da ich mich für einen durchaus liberalen Schmecker halte, wollte ich diese Kombination natürlich schnellstmöglich Zuhause ausprobieren.
Einzige Vorbereitung dafür: einen kleinen Stift Butter ins Shot-Glas und eine wohldosierte Prise Salz darüber. Dann einen doppelten Espresso direkt darauf fließen lassen. In diesem Fall den Wild at Heart von Tres Cabezas, ein runder klassischer Espresso mit ordentlichem Körper, wenig Säure und eher dunkelbraunem Charakter.

In dem Moment, in dem der feine Espressostrahl sich aus dem bodenlosen Siebträger in das Glas ergießt und auf die Butter trifft, schmilzt diese zart dahin und das Salz löst sich augenblicklich. Um eine wirklich homogene Butter- und Salzverteilung sicherzuzustellen, einfach noch einmal mit dem Löffel durchrühren.
Und wie schmeckt das Ganze?
Um ehrlich zu sein: erstaunlich - erstaunlich gut. Ich habe bereits beim ersten Versuch eine sehr harmonische Dosierung getroffen. Beim ersten Zungenkontakt spürt man sofort, dass irgendetwas anders ist. Wobei nicht zwangsläufig die Salzigkeit an sich auffällt, sondern eher eine ungewöhnliche Verschiebung der Säure wahrgenommen werden kann. Der Wild at Heart ist an sich eher säurearm und etwas schwerer bzw. kräftiger. Das Salz geht aber eine Paarung mit der Säure ein und hebt diese deutlich. Das Salz unterwirft sich dabei der Säure und ist nur leicht und eher sekundär schmeckbar. Die Butter verleiht dem Espresso eine angenehme Art schmelzige, kühle Cremgkeit. Beide neuen Komponenten zusammen, führen dazu, dass der Espresso einen erfrischenden, fast mineralischen Eindruck hinterlässt und kaum mehr den üblichen etwas matten Nachgeschmack den viele Espressi hinterlassen.
Ich denke insbesondere für den Sommer ist der "Ethiopian Style" durchaus eine feine Alternative zum herkömmlichen Espresso.

Montag, 28. Januar 2013

EIN WENIG FRÜHER FRÜHLING

Eigentlich ist ja Montag. Und Montage sind meistens nicht unbedingt gelobte Tage. Aber heute ist das anders. Denn heute ist es seit einer gefühlten Ewigkeit zum ersten Mal wieder "warm". Nach Unmengen Schnee und gefühlten -20°C eine willkommene Abwechslung für das Gemüt.
Ja, heute ist alles anders. Der Mantel bleibt heute auch draußen aufgeknöpft. Der Schnee schmilzt. Die Sonne scheint. Spazieren im Kiez ist das Highlight des Tages. Das Graubrot mit Butter riecht und schmeckt anders. Der Apfelsaft riecht anders. Der Espresso schmeckt besser. Das Schreiben geht einfach so von der Hand. Der Blick aus dem auf Kipp geöffneten Fenster macht Laune. Die Heizung ist zum ersten Mal seit Wochen wieder ausgestellt. Die Sehnsucht nach dem eigenen Schrebergarten manifestiert sich. Ideen aller Art sprudeln durch den Kopf...
Das ist klasse und das macht mir richtig Spaß. Ich bin bereit für meinen ersten Berliner Frühling! Das kann was werden.
Ich geh raus...

Mittwoch, 23. Januar 2013

BUCHBESPRECHUNG / DIE STADT KOCHT - DAS BERLIN-KOCHBUCH

 Ja, eine Momentaufnahme ist es. Eine Momentaufnahme der kulinarisch treibenden Größen in Berlin. Denn das Berlin-Kochbuch summiert all die Persönlichkeiten, die zum jetztigen Zeitpunkt den Ton in der gehobenen kulinarischen Szene angeben. Formell sieht das Ganze dann folgendermaßen aus: Zunächst wird eine bestimmte urbane Stilrichtung definiert (Der Kiez kocht, Hot & Urban, Berlin Classics, Sweet Dreams etc.). Diese bilden sozusagen die Kapitel des Buchs ab. Anschließend werden die Protagonisten (wirklich) kurz porträtiert, gefolgt von meist zwei Rezepten, inklusive Fotos. Soviel zur Form.

Nun zum Inhalt. Die Rezepte gehen von schlicht und für jedermann nachkochbar, bis äußerst arbeitsaufwendig und selbst für geübte Hobbyköche herausfordernd. Aber ich denke, das ist vollkommen ok. Was alle Rezepte gemein haben, ist die klare Linie in Sachen Qualität und Kreativität. Entweder man kocht eben die Rezepte oder Teile davon Zuhause nach oder man nimmt das Buch ganz einfach als kulinarischen Reiseführer und besucht eins der vorgestellten Restaurants.
Was das Buch besonders hervorhebt, ist die extraordinäre fotografische Umsetzung (und Food-Fotografie ist ein heikles Thema, das eigentlich einige eigenständige Blog-Posts verdienen würde). Die Fotos unterstreichen klar die Stimmung jedes Gerichts. So wird der Beelitzer Landgockel mit Zitrone und Uckermärker Papiotte Gemüse auf weißem zerknitterten Crepe ganz rustikal und scheinbar unordentlich angerichtet (genauso das Kotelett vom Havelländer Apfelschwein auf Kräuterfleckerl in Rauchsalz-Biersauce).

Die beiden Gerichte schreien geradezu nach solch einer Art des Anrichtens. Jeder Fotograf der anfangen würde, bei solchen Gerichten akurate Saucenpünktchen und symetrische Anordnungen zu inszenieren, hätte das Gericht vollkommen missinterpretiert oder würde schlichtweg versuchen einen gängigen Stil an falscher Stelle zu kopieren. Die Varianten von Butternusskürbis und Teltower Rübchen angerichtet auf der steinig-erdig wirkenden Platte - Genial. Eindrucksvoll akurat und von unfassbarer Präzision sind die beiden Teller von Sonja Frühsammer; "Wolfsbarsch, Rote Paprika, Artischockensauce, schwarze Olive" und "Latte Macchiato".

 Meine absolute Lieblingsfotografie (und eins meiner Lieblingsrezepte) ist aber zweifelsohne der Gewürzlachs mit Rote Bete und Meerretticheis. Beim Anblick des Bildes habe ich das Gefühl das Gericht augenblicklich zu verstehen und fast schmecken zu können. Lecker!

Wie unschwer zu lesen ist, macht das Buch einfach richtig Spaß und Hunger auf Berlin. Was das Buch in meinen Augen noch besser machen würde, wären etwas umfangreichere Poträts der Köche, sprich, mehr Text. Aber wer genau das sucht, kann sich ansonsten auch einfach die Le Schicken kaufen, in der die Texte und vor allem Interviews mit den Köchen überwiegen und nur am Rande Rezepte gezeigt oder erläutert werden.

Wer Berlin mag, wer Gastronomie mag, wer (Food-) Fotografie mag, wer gerne gut isst und kocht - der wird viel Gefallen an diesem feinen Buch finden.

Sonntag, 20. Januar 2013

DOKUMENTATION PIG BUSINESS: FOOD FROM FARMS NOT FACTORIES

Bei der Schnippeldisko wurde ich von der charismatischen Tracy Worcster angesprochen, ob ich mich kurz interviewen lassen würde zum Thema Fleischkonsum, im Speziellen Schweinefleisch. Tracy und ihr Team drehen in vielen verschiedenen Ländern der Welt für eine Kampagne die Aufklärungsarbeit leistet zum Thema Pig Business. So heißt auch die bereits erschienene Dokumentation; die eine Momentaufnahme der Industrialisierung der Massentierhaltung von Schweinen, insbesondere in Polen und die weitreichenden Auswirkungen für Umwelt, Gesellschaft und selbstverständlich die Tiere selbst zeigt. Die Dokumentation ist auf der Website frei zugänglich und in, sage und schreibe, 24 unterschiedlichen Sprachen untertitelt vefügbar.
Außerdem gibt es eine 13-minütige Kurzversion, sowie einen Trailer und einen "Celebrity Trailer".
Ich habe den heutigen Sonntag dazu genutzt, mir die Doku mal anzuschauen und bin teilweise selbst fast vom Glauben abgefallen. Auch mir war nicht in diesem Maße bewusst; auf welch perfide Weise multinationale Konzerne in strukturschwächere Länder wie Polen eindringen und einem Parasit gleich die Menschen und das Land seiner Ressourcen berauben. Besonders die Umweltverschmutzung nimmt bei der "Fabrikation" von Schweinefleisch in diesem Stil absolut groteske Formen an, ganz zu schweigen vom Tierschutz.
Der Goliath in Sachen Schweineproduktion ist Smithfield Foods, ein multinationaler Konzern, der sich selbst mit dem Slogan "Good Food. Responsibly" schmückt. Angesichts der im Film gezeigten Bilder ist das ganz bittere Ironie.
Den Höhepunkt der Doku stellt das Interview mit dem Umweltbeauftragten von Smithfield Foods dar, in dem dieser unter anderem vollkommen offen und ehrlich zugibt die Politik zu "beeinflussen".
"Gelder an die Politik sind nicht üblich, sondern so funktioniert die amerikanische Regierung. Im amerikanischen System kennt man seinen Regierungsvertreter, sorgt dafür, dass er nicht nur Sie und ihre Familie, sondern auch Ihr Unternehmen kennt, damit man bei der Entscheidungsfindung, weiß welche Auswirkungen die Entscheidungen auf die Firma, Gemeinschaft oder Person haben können. Ich glaube, es wäre... Wenn sie hier irgendeinen Politiker fragen würden, ob er von Smithfield Foods gekauft wurde, wäre seine Antwort nein."
Die Frage die sich mir im Laufe der Doku aufdrängt ist, wie lange die externen Kosten der Agrarindustrie und der Massentierhaltung (die inzwischen zweifelsohne in die Billionen gehen, wenn idiotischerweise in Geldwert bemessen) noch abgewälzt werden können und mehr noch wann und wer sie bezahlen wird. Denn genau wie unser lieber Atommüll, haben diese Kosten eine verdammt hohe Halbwertszeit. Eine unbequeme Sache.

Dienstag, 8. Januar 2013

WIR HABEN ES SATT!-DEMO // SCHNIPPELDIKSO

Vom 18. - 27. Januar findet hier in Berlin die Internationale Grüne Woche statt, auf der sich u.a. Wirtschaft und Politik aus den Bereichen Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau treffen und sich über die Entscheidungen von morgen beratschlagen und fleißig Lobbyarbeit für die Industrialiserung der Landwirtschaft leisten.
Zu diesem Anlass finden vom 17.-19. Januar die Grünen Tage der nachhaltigen Lebensmittelkultur statt, die zum Ziel haben, ein Zeichen zu setzen FÜR bäuerliche Landwirtschaft, eine nachhaltige Lebensmittelerzeugung und ein genussvolles Bewusstsein für Ernährung. Hört sich bis hierhin alles ein wenig dröch an...
Tatsächlich wird es aber ein spannendes Wochenende, an dem tolle Aktionen stattfinden, die Spaß bringen, lecker und ungemein kommunikativ sind und sich auf diese dynamische Weise mit den ernsthaften Inhalten auseinandersetzen.
Am Donnerstag um 19 Uhr findet zunächst in der Markthalle Neun ein Gespräch zum Thema "Landgrabbing in Rumänien statt". Am Freitag (von 12-19 Uhr) geht es dann so richtig los mit dem "Markt für nachhaltige Lebensmittelkultur", auf dem regionale Erzeuger und Initiativen aus dem Berliner Umland sich mit ihren Produkten präsentieren und zum gemeinsamen genießen einladen.
Ab 18Uhr dann das absolute Highlight - Die Schnippeldisko (organisiert vom Slow Food Youth Network) mit lässigen Beats (von der Green Music Initiative) und Unmengen von Gemüse (letztes Jahr war es über 1t). Zum Schnippeln ist jeder eingeladen, der des Sparschälers und des Gemüsemessers mächtig ist oder den dringenden Drang verspürt, sich zur Musik zu schütteln. Geschnippelt wird aber nicht für die Tonne, für die ein Großteil der zu schnippelnden Lebensmittel wegen mangelnder Konformität oder anderer "Fehler" bestimmt war. Sondern ganz im Gegenteil, für die große Demo am nächsten Tag.

Denn anlässlich der grünen Woche findet in Berlin u.a. der Internationale Agrarministergipfel statt, bei dem es um die zukünftige Gemeinsame EU-Agrarpoltik geht, die entscheidenden Einfluss haben wird auf die Entwicklungen im Bereich Landwirtschaft und Ernährung. Da die von Politik und Wirtschaft angestrebte Richtung hin zur globalen, auf einen "freien" Markt hin ausgerichteten Industrialisierung für Mensch und Umwelt fatale Folgen haben wird, stehen wir gemeinsam auf und möchten mit der Demonstration ein Zeichen setzen und uns Gehör verschaffen.
Angeführt wird die Demo von einem Traktoren-Zug, gefolgt von etlichen tausend EU-Bürger, die "Nein!" sagen zur Agrarindutrie. Demo-Koch Wam Kat wird mit seiner Fläming Kitchen und dem Slow Food Youth Network das gemeinschaftlich geschnippelte Gemüse zu leckerer Suppe verarbeiten und unter das demonstrierende und nicht demonstrierende Volk bringen. Also Freunde von Speis und Trank - fühlt euch ermuntert und eingeladen an den Aktionen in der kommenden Woche zu partiziperen.

Sonntag, 9. Dezember 2012

ERSTER BERLINER RINGBRUNCH

Die Bahn wird ja in Berlin gerne und viel für allerhand Zwecke missbraucht. Der eine will etwas verkaufen, der andere will für musikalische Darbietungen jeglicher Art entlohnt werden und der nächste bittet einfach nur freundlich, einen ganzen Zugwagon ansprechend, um eine kleine Spende. Alles schön und gut, aber wollen wir unseren (halbwegs) öffentlichen Raum nur so genutzt sehen? Warum bringen wir nicht ein wenig Leben in die tristen Wagons? Und das ohne dem lieben Mammon zu huldigen. Genau das haben wir heute versucht und erreicht! Wir haben den ersten Berliner Ringbrunch veranstaltet. Ringbrunch? Das heißt ganz einfach treffen am Ostkreuz, zusteigen in die Ringbahn, Buffet aufbauen, Tabletts in die Hand und feine, selbstgemachte Leckereien an die Leute verteilen.
Nicht des Geldes halber, sondern einfach des Genusses halber!
Einige waren skeptisch, andere neugierig, wieder andere konnten gar nicht genug bekommen und haben sich komplett satt gefuttert. Da wir (ca. 20 junge Foodies) reichlich gekocht und gebacken haben, war das auch kein Problem, sondern nur gern gesehen. Die Begeisterung stand allen Probierenden ins Gesicht geschrieben.
Ob jung...
...oder alt; allen schmeckt es!

Das kleine improvisierte Buffet.


Die Ringbrunch-Truppe
Auch für uns war es eine tolle Pilot-Aktion und wir werden zweifelsohne schon sehr bald zum zweiten Ringbrunch antreten und das bahnfahrende Volk mit regionalem, saisonalem, selbstgemachtem Essen beschenken.

(Mein Beitrag zum Ringbrunch waren übrigens einerseits überbackene Rosmarin-Rosinen-Brötchen mit Rosenkohl und karamellisierten Haselnüssen und andererseits schön blättrige Mürbeteig-Creme-Schnecken gefüllt mit Birne, Vanille und Kardamom.)

Samstag, 8. Dezember 2012

TEASER / RINGBRUNCH



Donnerstag, 22. November 2012

AKTION EI CARE

Da direkt um die Ecke gelegen, bin ich am Samstag mal über den Heldenmarkt, die Messe für nachhaltigen Konsum, gelaufen. Über den Heldenmarkt selbst möchte ich aber gar nicht berichten. Sondern lediglich über das Regionalprojekt Zweinutzungshuhn - Ei Care, das auf dem Markt mit einem winzigen, unauffällgen Stand vertreten war.
Bei dem Projekt geht es darum, eine Hühnerhaltung zu realisieren und zu etablieren, die nicht, wie es vom Markt gefordert wird, auf extreme Legeleistung bzw. Mastleistung mithilfe von "High-End"-Hybridrassen fixiert ist, sondern versucht eben Eierproduktion und Fleischproduktion unter einen Hut zu bringen. Das heißt männliche sowie weibliche Küken der selben Rasse werden gemeinsam aufgezogen.
Für dieses kühne Vorhaben wird eine blaufüßige, französische Hühnerrasse, mit dem Namen "Les Bleus" (unter Feinschmeckern auch bekannt als Bresse-Huhn) genutzt. Die Hühner werden in kleinen Herden, selbstverständlich ökologisch, im Berliner Umland gehalten und sollen kleineren landwirtschaftlichen Betrieben eine Möglichkeit geben, sich gegenüber konventioneller Eier- und Hühnerproduktion abzugrenzen. Ich hatte leider noch nicht die Gelegenheit, das Fleisch zu probieren (die Eier nehme ich beim nächsten Einkauf auf jeden Fall mal mit), aber es soll einen deutlich prägnanteren Geschmack haben und durch eine dunklere Fleischfarbe überzeugen, als konventionelles (geschmacklich neutrales) Hühnerfleisch.
Die Eier und das Fleisch sind in ausgewählten Bio-Märkten in Berlin und Brandenburg zu haben. Preislich liegen die Produkte etwas über dem "Bio-Standard", was nachvollziehbar und sicherlich vollkommen berechtigt ist. Wer rückverfolgen will, woher seine Eier oder sein Fleisch stammen, der erfährt dies auf Bio-mit-Gesicht. Alle Stufen von der Futtermittelerzeugung, über die Haltung, bis zur Schlachtung sind regional organisiert und vollkommen transparent.
Das Projekt wurde initiiert von Naturland und wird unterstützt von Terra Naturkost.
Danke an Paulina für das tolle Gespräch und die Informationen.
(Für Freunde der bewegten Bilder)

Freitag, 16. November 2012

ZUHAUSE ANGEKOMMEN . . . IN BERLIN / TRES CABEZAS

Seit gut einer Woche wohne ich jetzt in Berlin und seit gestern Abend kann ich sagen: Ich bin angekommen! Der Stress des Umzugs hat sich gelegt, Zimmer und Küche sind eingerichtet und ich beginne mich in meinem neuen Kiez so langsam zu orientieren. Bei meinem alltäglichen Kiezerkundungs-Spaziergang habe ich gestern am frühen Abend das Tres Cabezas ausfindig gemacht, wo es geilsten Kaffee und aufgemotzte Maschinen gibt. Nach bisher eher mittelmäßigen Espressi von Blaue Bohnen in der eigenen Mühle und einem geschmacklich unterdurchschnittlichen aber preislich überdurchschnittlichen (freche 2,20€) Espresso im Barcomi's, habe ich endlich eine unmittelbare Anlaufstation für sämtliche Espresso- und Kaffee-Themen direkt um die Ecke im eigenen Kiez gefunden. Denn jedesmal wenn ich ne Bohne brauche, extra nach Prenzlauer Berg oder Mitte fahren, ist ja nicht das Gelbe.
Zurück zu Tres Cabezas: Vor Ort habe ich einen Berlin Gold getrunken. Der war echt verdammt gut. So richtig 1A. Zarte Säure, wenig Frucht aber ordentlich Bums. Die junge Dame hinterm Tresen war etwas schroff, aber stets kompetent und zuvorkommend. Für Zuhause habe ich mir noch 250g von einem Single Origin aus Honduras mitgenommen. 5,90€  bei Fairtrade und Bio-Qualität sind echt ein feiner Preis - ach und der Espresso-Shot hat sage und schreibe einen lächerlichen Euro gekostet.
Der Honduras (geröstet am 11.11 - perfekt) überzeugt Zuhause durch feine Süße und etwas eigenwillige Säure, die (bei etwas zu starker Extraktion) einen Drang zur Dominanz besitzt.
Wie auch immer...will sagen: ich fühle mich hier pudelwohl und bin gekommen, um zu bleiben!

Sonntag, 28. Oktober 2012

SO MUSS APFEL - TOPAZ

Dass Topaz mit Abstand mein Lieblingsapfel ist, das steht schon seit einigen Jahren fest, aber vor ein paar Tagen wurde genau das abermals bestätigt. Der jahreszeitliche Sommer ist ja nun endlich vorbei und macht dem "kulinarischen Sommer" Platz. Denn jetzt ist die Zeit, zu der es die großartigsten Dinge gibt - Äpfel, Pflaumen, Kohl, Kohl, Kohl, Bohnen, Bete, Kohl, Kürbis, Schwarzwurzeln etc. und alles aus der direkten Umgebung. Heute soll es hier aber nur um den hiesigen Apfel gehen. Um genauer zu sein, um die Sorte Topaz. Den ganzen Sommer über esse ich Erdbeeren, Mispeln, Himbeeren, Kirschen etc., um die apfelfreie Zeit zu überstehen. Hin und wieder gibt es unter Umständen auch einen gelagerten Apfel, der aber meist nur eine Karikatur seiner Selbst ist und wieder zum Warten animiert.

Die Zeit der meist etwas eigenwilligen Frühäpfel ist jetzt überstanden und es gibt inzwischen wieder die richtigen, geilen Äpfel aus dem Umland. Für mich hat der "kulinarische Sommer" imposant mit dem Biss in einen Topaz vom Obsthof Mehrens begonnen. Äußerlich überzeugt der Apfel mit einem authentischen Chic: ehrliche Färbung, schorfige Zeichen der harten Witterung und teilweise relativ freie Formen, ganz im Stile des Obsthofs Mehrens einfach. Nicht ansatzweise so Hochglanz-Bio-Models wie beim Biohof Großholz. Understatement ist hier Phase - es kommt schließlich auf die inneren Werte an.
Im Moment des ersten Bisses oder Schnitts kann man sofort Spüren, wie prall und fest das Fleisch des Apfels ist. Es strotzt nur so vor Saft und droht fast zu zerbersten. Ich wage zu behaupten, es handelt sich um die Perfektion der Sorte Topaz.

Kräftige, schon fast moussiernde Säure, die die Süße elegant in den Schatten stellt, aber keineswegs dominert. Unter den Augen beginnt man säurebedingt ganz leicht zu Schwitzen. Wie sinnlich und sexy! Tolle klare Aromen die wirklich eindrucksvoll intensiv "apfelig" und "ananasig"sind. Das Fleisch zerkaut sich wunderbar und wird nicht mehlig oder faserig, sondern zerfließt einfach und zeigt sich geschmacklich äußerst zurückhaltend. Was bleibt, ist der herbe Geschmack der Schale, der subtil an den Duft von frischem, herbstlichem Laub und Waldpilzen erinnert, aber ebenso schnell verschwindet, wie er sich ausgebreitet hat.
So muss Apfel...