Donnerstag, 30. Dezember 2010

PLASTIKSACKERLVERBOT NUN AUCH IN ITALIEN

"Wer nächstes Jahr nach Italien fährt, um einzukaufen, bekommt kein Plastiksackerl mehr. Ab 1. Jänner gilt ein Gesetz, das die Herstellung und den Verkauf verbietet. Nur noch Umweltfreundliches ist erlaubt.
"Basta buste" - aus mit dem Plastiksackerl - titeln derzeit die italienischen Zeitungen. Ab 1. Jänner verbietet ein italienisches Gesetz die Herstellung und den Gebrauch von "buste di plastica". 200.000 Tonnen - etwa 20 Milliarden Sackerln - werden davon jährlich in Italien produziert, besser gesagt: Sie wurden produziert.
Das Plastiksackerl-Verbot wurde bereits 2006 beschlossen und tritt jetzt in Kraft. Anlass dafür war unter anderem das Müllchaos in Neapel und natürlich die Umweltbelastung. Italien ohne kleine weisse Plastiksäcke ist zwar vorerst für viele - auch für die Italiener selbst - unvorstellbar, das Gesetz macht aber Sinn: Bis ein Plastiksack verrottet ist, dauert es nämlich bis zu 400 Jahre.
"Erfunden" haben die Italiener das Verbot der Plastiksackerl nicht: In Frankreich sind diese bereits verboten und auch in Australien, San Francisco und in China gilt ein Plastiksackerl-Verbot."
Quelle

OB KIEL ODER FLENSBURG - ICH MAG DEN WINTER

Ich bin wieder zurück in Kiel und morgen abend um null Uhr werden wir uns alle vom Jahr 2010 verabschieden; der Abschied vom Winter und dem Schnee liegt wohl noch einige Wochen in der Zukunft. Deswegen will ich die Zeit nutzen, um meine Sichtweise der Wetterlage darzulegen.
Zweifellos, es ist, gerade die letzten Tage, schweinekalt draußen. Und überall, ja wirklich überall, liegt Schnee. Aber wer sagt denn, dass das schlecht ist, oder ungewöhnlich. Es ist Winter, da fällt schonmal Schnee und kalt kann es auch werden - das sollte nicht verwundern. Es ist gerade mal 10 Monate her, da hatten wir fast genauso viel Schnee, wie wir jetzt haben. Aber es scheint so, als würde sich keiner mehr daran erinnern. Ich erinner mich. Und ich erinner mich auch daran, dass, als ich klein war, es jedes Jahr Schnee gab - mal mehr mal weniger.
Kann das sein? Jedes Jahr Schnee und Kälte? Steckt da eine Art System hinter. Wer weiß, vielleicht kommen irgendwann in ferner Zukunft einige ausgefuchste Wissenschaftlwer hinter das Mysterium, warum im Winter Schnee fällt und es kalt wird.
Bis dahin bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als es einfach so hinzunehmen und uns damit zu arrangieren. Ich finde, es ist "doof" den gesamten Winter über schlechte Laune zu haben, übers Wetter zu schimpfen und sich den Frühling und den Sommer herbei zu wünschen. Davon geht die Zeit auch nicht schneller vorüber, im Gegenteil. Man müsste jedes Jahr 2-4 Monate erdulden, die von übler Laune geprägt sind. Das muss doch nicht sein. Versteifen wir uns doch nicht auf die negativen Seiten des Winters, (die einem ja leider auch von den Medien rund um die Uhr ins Geischt gerieben werden) sondern erfreuen uns an seinen positiven Seiten.
Wenn es draußen fröstelt, kann es drinnen umso schöner sein: Kamin, Kerzen oder Heizung an, ab unter die warme Decke, einen heißen Tee, Kaffee, Kakao, Punsch oder Glühwein schlürfen, ein Buch lesen, Suppe, Eintopf, Kohl kochen, basteln, Weihnachtsvorbereitungen, etc - in der Wohnung fühlt man sich doch sau wohl, wenn es draußen wintert.
Und wenn man dann mal raus muss, bedarf es auch nur ein paar grundlegende Dinge zu beachten, um den Winter in voller Nähe genießen zu können: viele warme Schichten Klamotten, festes Schuhwerk, Wollmütze, Handschuhe und los kanns gehen. Und wenn man sich dann mal die Ruhe und die Zeit nimmt, nicht nur die matschigen viel befahrenen Straßen auf dem Fußgängerweg zu begleiten, sondern mal abschweift von den herkömmlichen Routen, dann bietet einem der Winter eine ungeahnte Schönheit. Denn der Winter kann, genau wie jede andere Jahreszeit, auf seine ganz eigene Art und Weise glänzen. Und das tut er dieses Jahr ganz besonders. Hier nur eine klitze kleine Auswahl an Impressionen aus Flensburg.
Also - geht raus und genießt den Winter in all seiner Pracht, die er uns gerade bietet.

Dienstag, 28. Dezember 2010

M-Ü-L-L: FRISCH AUF DEN MÜLL TEIL 2

So heute folgt dann der zweite Post zum Thema Müll, im Fokus diesmal Lebensmittelabfälle.
Als komfortablen Einstieg in die Thematik habe ich die Dokumentation "Frisch auf den Müll" in drei appetitlichen Häppchen à 15 Minuten verlinkt. In der Dokumentation geht es um den Umgang mit unseren Lebensmitteln und den anfallenden Lebensmittelabfällen. Es zeigt den absurden IST-Zustand auf, aber ebenso Möglichkeiten in Richtung SOLL-Zustand.
Besonders prägnant fand ich folgende kurze Wortschnipsel:
"Das (eine Packung Bohnen) kommt aus Kenia. 10.000km um die Welt gereist um im Müll zu landen. Das ist die Welt"
"Alle deutschen Haushalte schmeißen hochgerechnet Lebensmittel (die noch nicht verdorben, sondern genießebar sind) im Wert von 20 Mrd. Euro weg, das entspricht dem Jahresumsatz von ALDI."
"500.000 Tonnen Brot werden jedes Jahr in Deutschland weggeschmissen."
"Die Lebensmittel der Welt würden reichen, um alle Hungernden der Welt dreimal zu helfen."


Der Film führt ein weiteres Mal vor Augen, dass unser gesamtes System in dem wir im Moment leben und an das wir glauben, an sich selbst erkrankt ist und das wir es dringend therapieren müssen. In allen Bereichen müssen wir an der Genesung arbeiten, jeder in seinem Bereich, in seiner Reichweite, in seinen Möglichkeiten.
Ein ganz wichtiger Schritt ist die Sensibilisierung und das Schaffen eines Bewusstseins. Den ersten Impuls für so etwas kann vielleicht schon eine Dokumentation wie diese ermöglichen, wenn man sich auf das gezeigte einlässt und es nicht einfach nebenbei "wegkonsumiert".

Das Portal Taste the Waste, das sich der Bekämpfung der Lebensmittelverschwendung zum Ziel gesetzt hat, bietet weiterführende Informationen und aktuelles zum Thema Müll und allem was dazu gehört.
Den Anschein, dass eine schlichte Doku wie diese schnell, viel bewirken kann, macht es wenn man diese Schlagzeile liest: Erste Erfolge: NRW sagt Lebensmittelverschwendung den Kampf an

Montag, 27. Dezember 2010

GEDANKENGUT XXXVIII

"Lebt langsam!"
Mein Vater, vor wenigen Minuten als Gute-Nacht-Spruch

UND NOCHMAL WEIHNACHT...

 So...Weihnachten ist nun nach drei Tagen der geballten "Familien-Power" vorbei. Ich bin satt und müde. Mein letzter Weihnachtsgruß sollen diese zwei Fotos sein:
Erstens: Unser geschmückter Baum, an dem sich ein Lebkuchenherz (gebacken von meinem oft erwähnten und heiß geliebten Gartenmädchen) besonders hervor tut.
Und Zweitens: Eine Flasche Flens...äh...nein nicht ganz...es ist eine Mettwurst vom Flensburger Schlachter Jepsen mit Flens verfeinert und in netter Verkleidung.

Samstag, 25. Dezember 2010

WEIHNACHTSMENÜ

Nun mehr zum dritten Mal bin ich für das Weihnachtsessen am 25. Dezember zuständig. Vor letztes Jahr gab es Rehrücken, letztes Jahr ein Rückenstück vom Ibérico Schwein und dieses Jahr habe ich bei Dinses Culinarium (in Kooperation mit Genusshandwerker) eine Hohenloher Bauerngans bestellt. Zugesichert hat man mir am Telefon, als ich die Gans bestellt habe, dass sie am 23.12. kommen würde. Wegen der chaotischen Zustände auf den Straßen kam sie aber nicht. So musste ich/wir bis zum 24.12. bis Mittags bangen, ob wir überhaupt rechtzeitig die Gans bekommen - aber sie kam dann doch, zum Glück. Um alles heute Mittag zu 13 Uhr auf den Tisch zu bringen, habe ich bereits gestern Abend mit den Vorbereitungen angefangen und heute hieß es für mich um 7 Uhr, raus aus den Federn und ab in die Küche für die nächsten 6 Stunden. Abgesehen vom frühen Aufstehen könnte ich mir nichts Schöneres vorstellen, als so fürstlich für geliebte Menschen zu kochen.
Nun zum Essen selbst: Als Vorspeise gab es eine Schwarzwurzel-Vanille Suppe ( inspiriert vom Gartenmädchen)

Als Hauptspeise gab es, die Hohenloher Gans gefüllt mit einer Masse aus Maronen, Graubrot und Rosinen, eine Maronensoße, dazu Rotkohl mit Cranberries und Glühwein abgeschmeckt und Serviettenknödel, mit Pumpernickel, Lauch und Thymian aufgemotzt.
Und als Dessert gab es (erst abends, da alle Pappsatt waren von der Gans) eine Interpretation des Bratapfel, auf die ich besonders Stolz bin. Im Detail bedeutet das, eine Praline aus einem Teig mit Apfelstücken, Rosinen und Gewürzen, in dessen Mitte sich jeweils eine in Rum getränkte Marzipankugel befand, die vor dem Servieren paniert und in Fett ausgebacken wurde. Die gebackenen Pralinen wurden in kalter Vanillesoße serviert.
Ich hoffe, ihr hattet auch zwei kulinarische Feiertage und dass ihr ordentlich geschlemmt habt.

Freitag, 24. Dezember 2010

WEIHNACHTSGRUß

Es ist Weihnachten. Draußen auf den Straßen und drinnen in den gut geheizten Häusern. Ich finde es (nach wie vor) klasse, dass draußen so so viel Schnee liegt. Ich mag Schnee. Zu Winter gehört Schnee, zu Weihnachten noch viel mehr. Hier im nördlichsten Norddeutschland ist das eine absolute Rarität. Als Kind wäre ich im Dreieck, nein sogar im Sechseck gesprungen und hätte jede freie Minute bis zur Bescherung mit meinen Brüdern draußen am Rodelberg im Volkspark verbracht. Denn so einen phänomenalen Rodelberg, wage ich zu behaupten, gibt es in ganz Norddeutschland kein zweites Mal. Leider waren wir aber dieses Jahr nicht rodeln - es sprachen doch einige Gründe dagegen: Kein Schlitten, kein festes Schuhwerk, keine Schneeklamotten und irgendwie fühlt man sich alberner Weise doch zu "alt". Vielleicht beim nächsten Schnee. Trotzdem finde ich das Wetter klasse. Was ich aber nicht klasse finde: dass manche Menschen aufgrund des Wetters und der daraus resultierenden chaotischen Zustände Weihnachten nicht mit ihren Familien verbringen können oder gesundheitliche Schäden davongetragen. Aber zurück zum positiven, ab ins Warme, ins traute Heim.
Wir, meine Eltern, meine Brüder und ich, sind besinnlich beisammen, haben gerade ein wenig beschert und haben "Schnittchen" (wie es bei uns Tradition am heiligen Abend ist) gegessen. Es läuft ohnehin alles, wie es jedes Jahr zu Weihnachten läuft, alle Bräuche und Rituale, die sich bei uns bewährt haben, werden auch gepflegt. Das ist für mich an Weihnachten eine ganz ganz wichtige Sache. Es stiftet Identität und gibt mir Halt. Ich bin froh, dass die Dinge hier in meinem Zuhause und bei meiner Familie so sind, wie sie sind und dass ich mich darauf verlassen kann, dass sie auch so bleiben. Und ich möchte an Weihnachten nicht an all das Schlechte in der Welt denken. Nein, Weihnachten gehört mir und meiner Familie. Ich möchte lieber die Nächstenliebe, die sich viele nur für Weihnachten aufheben, die anderen 362 Tage im Jahr in Gedanken und Taten pflegen.
Jetzt muss ich mich verabschieden, denn "Kevin allein' zu Haus" fängt an (mein Lieblingsfilm).

In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein besinnliches, warmherziges Fest mit euren Liebsten.
Von Herzen Moustachio...

Mittwoch, 22. Dezember 2010

GEDANKENGUT XXXVII

"Ein wirklich gute Idee erkennt man daran, dass ihre Verwirklichung von vornherein ausgeschlossen erscheint." 
Albert Einstein

Dienstag, 21. Dezember 2010

M-Ü-L-L: VIER BUCHSTABEN / VIELE FRAGEN / WENIGE ANTWORTEN / TEIL 1

Es ist Wahnsinn. Ein Thema, das seit Wochen durch meinen Kopf spukt und in mir sehr "vielfältige" Emotionen hervorbringt, ist "Müll". Ich bin inzwischen an den Punkt gekommen, an dem ich mir immer öfter die Frage stelle:"Was ist Müll?" Was mir klar geworden ist: Müll ist ein künstliches Konstrukt des Menschen, das in unserer gegenwärtigen Gesellschaft auf eine geradezu groteskte Art und Weise auf die Spitze getrieben wird. Die Natur kennt keinen Müll. Die Natur recyclt, zu 100%, die Natur kennt kein Wegwerfen oder Downcycling. Diese Dinge haben wir erfunden. Es ist vollkommen idiotisch Müll zu produzieren. Es ist Verschwendung in seiner sinnbefreitesten Form. Es wird ein "Ding" vollkommen egal welcher Natur es ist, quasi als tot oder sinnleer angesehn und dann einfach "weg"geworfen. Wo ist dieses "weg"? Fakt ist es gibt kein "weg". Dieses Konstrukt des Abfalleimers, dessen Boden quasi ein schwarzes Loch ist, das alles einfach verschluckt, wenn man es darin versenkt, entspricht nicht der Realität. Das weiß jedes Kind. Aber trotzdem gehen wir so mit unserem Müll um und machen uns kaum Gedanken darum. Aus den Augen aus dem Sinn. Ob Coffee-to-Go-Becher, Plastiktüte oder sonstige Dinge deren Schicksal schon vor dem Gebrauch festgelegt ist - das schnelle Ende im Mülleimer. All diese Dinge sind scheinbar so billig, dass wir glauben, wir könnten es uns leisten, sie so sorglos zu behandeln. Das Problem ist auch hier wieder, dass wir selbst die Kosten nicht unmittelbar spüren und zahlen müssen. Denn für uns gilt tatsächlich, aus den Augen aus dem Sinn. Aber nicht für die Umwelt und auch nicht für diejenigen die unmittelbar von unserem Müll betroffen sind.
Auch für mich ist es noch größtenteils ein Mysterium, wohin es, den von mir eigens produzierten "Müll", verschlägt. Was ich bereits weiß ist: 1. Plastik wird uns alle überleben. 2.Es kann meist nur zu einem geringen Anteil recyclt werden, wenn es überhaupt recyclt wird. 3. Der Rest schwimmt die nächsten paar hundert Jahre durch unsere Ozeane und zerstört unsere Ökosysteme.(dazu nochmal die Fotostrecke Midway von Chris Jordan) 4. Die lokale Mülldeponie hat ausgedient. 5. Große Mengen unseres Mülls werden in die dritte Welt verschifft und dort abgeladen, entschieden hat das der "freie Markt".
Zum Thema Müll schreibt auch Simplicita von konsum-los:
"Vielleicht gerade, weil es so sehr im Verborgenen liegt. Es findet kaum Gehör, ist nicht so trend-tauglich wie FairTrade und alles andere als sexy. Müll steht bei vielen Menschen ganz oben auf der Verdrängung Hitliste der unangenehmen Themen. Er ist die die Kehrseite unseres Ressourcenverbrauchs, geschickt getarnt in Säcken und Tonnen. Das was wir diesem Planeten täglich an Bürde hinterlassen. Weißt du wohin dein Müll gebracht wird, nachdem die Tonne entleert ist? " - in dem selben Post ist auch ein toller Clip von der Umweltaktivistin Julia Butterfly verlinkt, die sehr schön unser Verhältnis zum Müll, zur Natur etc. darstellt.

Dass in den Massenmedien lieber über Reißerthemen berichtet wird oder diese erst künstlich geschaffen und aufgebauscht werden, ist ja nichts Neues und so überrascht es auch nicht, dass wohl keiner von uns von der "Europäischen Woche der Müllvermeidung" gehört hat. Stattdessen werden wir mit Horrormeldungen übers "ach so ungewöhnliche" Wetter gequält, wie Peter im KonSumpf vor ein paar Tagen aufgegriffen hat. Das sind die Themen, die die Welt bewegen.

Samstag, 18. Dezember 2010

GEDANKENGUT XXXVI

"Es ist schwieriger eine vorgefasste Meinung zu zertrümmern als ein Atom."
Albert Einstein

Mittwoch, 15. Dezember 2010

MEHL ≠ MEHL

Gestern habe ich, mit meinem großen Bruder gemeinsam, einen schon länger geplanten Test durchgeführt. Und zwar haben wir drei unterschiedliche Mehle auf ihre Pizzateig-Tauglichkeit getestet. Dazu haben wir einfach drei Teigportionen angefertigt, die sich jeweils nur durch die Art des Mehls unterschieden haben. Das erste Mehl war ein herkömmliches Type 550 Weizenmehl (Demeter vom Bauck Hof), das zweite Mehl war ein italienisches Typo 00 Mehl, das dritte Mehl war ein Manitoba-Mehl aus kanadischem Weizen.
Bei allen drei Mehlen handelt es sich um extrem "weiße" Mehle, d.h. Mehle mit einem sehr geringen Vitamin- und Mineralstoffgehalt, dafür aber einem umso höheren Klebereiweißgehalt (Gluten). Das deutsche Mehl hat den geringsten Eiweißgehalt und das kanadische den höchsten.
Auf dem Bild könnt ihr die drei Mehltüten und die dazugehörigen langegzogenen bzw. gerissenen Teige sehen.
Wie man auf dem Bild sehen kann, sind die Teige aus dem deutschen und dem kanadischen Mehl gerissen - sie sind also weniger elastisch als das Tipo 00 Mehl.
Für alle Hungrigen unter euch, gibt es dann natürlich auch noch ein Foto der drei fertigen Pizzas ( belegt nur mit einer selbstgekochten würzigen Tomatensoße, frischem Basilikum und Mozzarella - eine klassische Pizza Margherita), die alle drei gleichzeitig bei 250°C Umluft für gute 10-15 Minuten gebacken wurden. Leider schafft mein Ofen nicht mehr Temperatur, was das Erlebnis einer "richtigen" italiensischen Pizza leider enorm schmäler. Optimal wären um die 500°C, dann würden auch schon einige Dutzend Sekunden zum Backen reichen.

Zum Testergebnis:
Beim Pizzateig ist das entscheidende Kriterium der Klebereiweißgehalt. Umso höher, desto elastischer ist der Teig. Was in der Praxis bedeutet, dass sich der Teig besonders dünn und fein ausrollen lässt, was für eine original italienische Pizza unerlässlich ist. Genau das gelang mit dem Tipo 00 Mehl am besten. Der Teig war besonders geschmeidig und ließ sich besser handhaben, als die anderen beiden Teige. Man konnte den (wenn auch nicht großen) Unterschied sehen und fühlen. Wie auch auf dem Bild weiter oben zu sehen war der Teig reisfester und elastischer, besaß also ein kräftigeres Glutengerüst, als die anderen beiden Teige.
Geschmacklich, im Sinne von Aroma, konnten wir keinerlei Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Teigen feststellen. Einzig die Struktur war eben geringfügig "besser". Am auffälligsten waren aber die Vorteile in der Verarbeitung. Diese Vorteile sind beim Tipo 00 Mehl darauf zurückzuführen, dass zusätzlich zum ohnehin schon hohen Klebereiweißanteil des Mehls, das Mehl besonders fein vermahlen ist - schon fast staubig. Das kann man auch beim noch trockenen, unverarbeiteten Mehl deutlich erfühlen. Durch diese Feinheit nimmt das Mehl etwas mehr Wasser auf und bildet eine etwas feinere Struktur.
Außerdem soll es ,dank der spezifischen Eigenschaften des Tipo 00 Mehls, bei den richtigen Temperaturen (siehe oben) zur charakteristischen Blasenbildung des Teigs kommen.
Soweit so gut. Aber eigentlich müsste, laut Annahme, das Manitoba Mehl die beschiebenen Eigenschaften am ausgeprägtesten aufweisen. Dies war bei unserem Versuch aber nicht der Fall. Weil ich skepttisch war, habe ich heute nochmal zwei herkömmliche Weißbrote gebacken. Einmal mit dem Tipo 00 und einmal mit dem Manitoba Mehl. Beide mit exakt der gleichen Rezeptur und gleichzeitig im Ofen. Bei der Verarbeitung ist wieder das Tipo 00 Mehl positiv aufgefallen. Beim fertigen Brot waren hingegen keine signifikaten Unterschiede festzustellen, weder in Geschmack, noch in Struktur.

MIDWAY: MESSAGE FROM THE GYRE VON CHRIS JORDAN

"These photographs of albatross chicks were made in September, 2009, on Midway Atoll, a tiny stretch of sand and coral near the middle of the North Pacific. The nesting babies are fed bellies-full of plastic by their parents, who soar out over the vast polluted ocean collecting what looks to them like food to bring back to their young. On this diet of human trash, every year tens of thousands of albatross chicks die on Midway from starvation, toxicity, and choking.
To document this phenomenon as faithfully as possible, not a single piece of plastic in any of these photographs was moved, placed, manipulated, arranged, or altered in any way. These images depict the actual stomach contents of baby birds in one of the world's most remote marine sanctuaries, more than 2000 miles from the nearest continent."
Die gesamte Fotostrecke und weitere findet ihr auf www.chrisjordan.com

Montag, 13. Dezember 2010

GEDANKENGUT XXXV

"Unsere tiefste Angst ist nicht, dass wir unzulänglich sind. Unsere tiefste Angst ist, dass wir grenzenlos machtvoll sind. Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit das uns erschreckt. Wir fragen uns, wer bin ich denn, um brilliant, wunderschön, talentiert und fantastisch zu sein? Aber wer bist du,' um dies nicht zu sein? Das ist nicht nur in einigen von uns; es ist in jedem. Dadurch, dass wir unser Licht scheinen lassen, geben wir anderen Menschen unbewusst die Erlaubnis, das Gleiche zu tun. Dadurch, dass wir uns befreien von unser eigenen Angst, befreit unsere Gegenwart automatisch andere."
Marianne Williamson

PROBLEMA

Eigentlich wollte ich den letzten Donnerstag Nachmitag, damit verbringen, Kekse zu backen und Glühwein zu machen für meine kleine vorweihnachtliche Feier am Freitag. Dann ist mir doch wieder etwas dazwischen gekommen. Und zwar der Film Problema.
Der Film dokumentiert das wahnwitzige Projekt des "Table of Free Voices" das am 9. September 2006 treffender Weise auf dem Bebelplatz, dem Ort der "Nazibücherverbrennung", stattgefunden hat. Bei dem "Table of Free Voices" handelte es sich um einmalige Zusammenkunft von 112 bedeutenden Persönlichkeiten aus Kunst, Philosophie, Umweltschutz und Politik aus über 50 Nationen., denen jeweils 100 Fragen gestellt wurden, die zuvor im Internet ausgewählt wurden. Am Ende des Tages hatten 112 Kameras 11,200 Antworten auf 100 weltbewegende Fragen bzw. über 1000 Stunden Filmmaterial aufgenommen.
Gehostet wurde der "Table of Free Voices" von der Menschenrechtsaktivistin Hafsat Abiola und dem Schauspieler Willem Dafoe.
Ralf Schmerberg, dem Regisseur hinter dem Film, ist mit der Dokumentation dieses außergewöhnlichen Ereignisses ein filmisches Meisterwerk gelungen. Im Film werden 17 der 100 Fragen gestellt und zu jeder einige ganz besondere Antworten gezeigt. Zwischen den Fragen flackern immerwieder Bilder von Leben, Tod, der Natur, ihrer Zerstörung, von Kunst und vielen anderen Dingen unserer Welt über den Bildschirm, welche den Sogeffekt des Films noch verstärken. Dieses Zusammenspiel der Fragen, Antworten, der Menschen und der Bilder entwickelt im Laufe des Films eine derartige Dynamik, die es vermag den Zuschauer emotional mitzureißen, niederzuschmettern und wieder aufzubauen. Für mich persönlich war der Film genauso eine Achterbahn der Gefühle und hat mich 1,5 ungemein intensive Stunden erleben lassen.
Der gesamte Film ist vollkommen legal und umsonst und ohne jegliche Angabe von persönlichen Daten im Internet verfügbar, als Download sowie als Stream, da es sich um ein "Not-for-Profit"-Film handelt.


Wenn ihr wissen wollt, wie die 83 Fragen lauten, die nicht im Film gestellt und besprochen wurden, dann besucht einfach die Website Dropping Knowledge. Dropping Knowledge ist ein Portal, auf dem ihr ganz einfach Fragen stellen könnt - euch selbst und euren Mitmenschen. So entsteht mit jeder neuen Frage ein neuer Dialog.
Auf der offiziellen Seite des Films erhaltet ihr außerdem noch weitere Informationen zum Projekt, zum Film, zu den 114 Teilnehmern und noch einiges mehr.

Mittwoch, 8. Dezember 2010

KONFORMIN

Früher träumte und trödelte er nur. Inzwischen weiß er, was wichtig ist.
Danke, Konformin.

OYA NR.4: TRANSITION TOWNS

Vor kurzem habe ich die Oya Nr.4 endlich bekommen (sie wurde noch an meine alte Adresse geschickt, wo ich sie beim Nachmieter abholen musste). Eine Wahnsinnsausgabe, die meinen Kopf jedesmal, wenn ich sie aufgeschlagen habe, zum Übersprudeln gebracht hat. Der erste Artikel der mich umgehauen hat, beschäftigt sich mit dem Thema der "Transition Towns"

"Transition Towns: Gehts es ohne Erdöl?
...Der Impuls für weitreichende Veränderungen unserer Lebensweise und des globalen Wirtschaftssystems kann nur von innerhalb der Gesellschaft kommen. Dieser Impuls muss alle Schichten und Milieus ergreifen. Kein drohender Zeigefinger, kein Abschieben der Verantwortung auf die Konsumentinnen und Konsumenten oder den Staat, auch kein Druck von oben durch Gesetze und Vorschriften wie im herkömmlichen Top-Down-Ansatz können den Wandel bringen. Die Energiewende muss von Gemeinden und Stadtteilen ausgehen, zu denen die Bürgerinnen und Bürger einen direkten bezug haben. Sie nehmen die Zukunft ihrer Versorgung mit Lebensmitteln, Energie, Transport, Kultur, Bildung, kurz: alle Bereiche der Daseinsvorsorge selbst in die Hand und stehen als fachkundige Sprecherinnen und Sprecher ihren Gemeinderäten zur Verfügung.
...Eine Stadt im Übergang entwerfen, Menschen aufklären über Peak Oil (Erdölfördermaximum), Klimawandel und die Dringlichkeit, diese Probleme lösen. Nichts leichter als das? Leider nein! Wieso ist die Dringlichkeit, diese Probleme zu lösen so schwierig zu kommunizieren?
...Was viele gute Ideen davon abhält, die Mehrheit der Menschen hinter sich zu vereinen, sind die Geschichten und Paradigmen, die uns umgeben, und die uns vor allem von den Medien vermitelt werden. Da heißt es, dass die Wirtschaft wachsen muss, sonst gibt es Arbeitslosigkeit und Armut. Das Paradigma des ewigen Wacgstums wird uns vom Ersten Atemzug eingeflößt.
...Meistens werden nur die Überzeugten im alternativen Spektrum aktiv, wie aus mittlerweile dreißig Jahren Abrüstungs- und Umweltbewegung bekannt.
...Wachstum von  Gerechtigkeit, Frieden, Bildung und Selbstermächtigung der Bürger statt Wachstum von Konzerngewinnen und Wirtschaftskennzahlen, die wenig über Lebensqualität und gerechte Verteilung von Wohlstand und Sicherheit aussagen."

Im Laufe der nächsten Tage werde ich euch noch ein paar weitere Artikel vorstellen, die meinen persönlichen Horizont meilenweit erweitert haben und mir kreative Denkanstöße geben konnten.

Für alle die jetzt schon mehr wollen, empfehle ich die Internetseite der Oya, sowie weiterführende Links zum Thema Transition Towns:
www.Transition-Initiativen.de
www.TransitionNetwork.org
www.TransitionCulture.org

Dienstag, 7. Dezember 2010

GEDANKENGUT XXXIV

"Bezweifle nie, dass eine kleine Gruppe aufmerksamer, engagierter Menschen die Welt verändern kann - tatsächlich ist es nie jemand anderes gewesen."
Margaret Mead, Anthropologin

Freitag, 3. Dezember 2010

EIN FILM ÜBER PLASTIK

Plastic Planet ist eine der vielen Dokumentationen, die ich mir in letzter Zeit angeschaut habe. Die Doku handelt, wie der Name es schon impliziert von Plastik und unserem Planeten.
Plastik ist heute omnipräsent. Umso absurder, dass wir keine blassen Schimmer von Plastik haben. Oder kann irgendjemand auf folgende Fragen eine angemessene Antwort geben? Wohl kaum...
Was ist Plastik?
Aus was besteht Plastik?
Wie entsteht Plastik?
Wer stellt Plastik her?
Wo kommt Plastik her und noch viel rätselhafter wo bleibt Plastik?
Welchen Einfluß hat Plastik auf unsere Gesundheit?
Selbst in dem Film bleiben einige der Fragen mehr oder weniger unbeantwortet.



Ich glaube, dass es an Zeit ist, dass wir mal so langsam beginnen, uns ein Bewusstsein für Plastik zu schaffen. Dass wir anfangen, uns mit dem ganzen "Plastikmüll" auseinanderzusetzen und das herrschende System zu hinterfragen. Beim bewussten und kritischen Umgang mit Plastik stehen wir noch viel mehr am Anfang, als in anderen Bereichen unserer gegenwärtigen Gesellschaft.
 Extrem empfehlenswert ist natürlich die Doku an sich, als komfortabler Einstieg in die Materie, aber mindestens genauso zu empfehlen um tiefer einzusteigen ist die gleichnamige Seite zum Film, die nur so strotzt vor weiterführenden Informationen.

Donnerstag, 2. Dezember 2010

ICH LIEBE...

...den Winter,
...den Schnee,
...die Kälte,
...das Chaos,
...die Stille,
...die Menschen.

Mittwoch, 1. Dezember 2010

A MAN WHO GROWS A MO...

... apprieciates quality and surrounds himself with the finest of everything. He knows that one of the best quality is far better than a dozen of mediocre ones.

Montag, 29. November 2010

UMWELTSCHUTZ ODER REKLAMATIONSREDUZIERUNG

THE YES MEN FIX THE WORLD

In den letzten Wochen habe ich oft und viel über "The Yes Men" gelesen. Jetzt habe ich endlich die Zeit gefunden, mir mal den Film "The Yes Men Fix the World" anzuschauen.

Die Yes Men betreiben sogenanntes Adbusting, Culture Jamming oder Kommunikationsguerilla. Das Prinzip ist schnell erklärt: Die Aktivisten der Yes Men geben sich als Teil eines Unternehmens aus und verbreiten subversive Botschaften zu Ungunsten der Unternehmen aber zugunsten der Allgemeinheit. Im Film werden einige der größten "Streiche" der Yes Men auf sehr unterhaltsame Weise dokumentiert. Das Absurde ist, dass die Inhalte der gefakten Statements der Yes Men eigentlich plausibel und richtig erscheinen - die Yes men also quasi das sagen und tun, was die Unternehmen eigentlich tun sollten. So müssen die "Angeschmierten" anschließend dementieren, dass sie doch ihren meist menschenverachtenden Kurs beibehalten werden und marktkonform bleiben.
Folgende Sätze die die Yes Men einigen Ökonomen entlockt haben, treffen sehr schön den satirischen Humor, der in dem Film mitschwingt:
"Global warming is silly. It's not a serious issue.(...)Warmer is healthier and warmer is more pleasant. There are benefits to global warming: Cold related deaths will actually decrease, considerably."

Der Film ist vollkommen legal downzuloaden unter folgender Adresse (einfach rechts auf der Seite downloaden) http://vodo.net/theyesmen

Freitag, 26. November 2010

A MAN WHO GROWS A MO...

...is selfless and believes looking out for your fellow gentlemen is something you do, not something you must do. He is only content when all are content.

Mittwoch, 24. November 2010

"Die Gemeinwohl-Ökonomie ist eine wirtschaftliche Systemalternative zu kapitalistischer Markt- und zentraler Planwirtschaft. Tendenziell ist sie eine Form der Marktwirtschaft, in der jedoch die Motiv- und Zielkoordinaten des (privaten) unternehmerischen Strebens „umgepolt“ werden – von Gewinnstreben und Konkurrenz auf Gemeinwohlstreben und Kooperation.

In der Gemeinwohl-Ökonomie wird nachhaltiges, solidarökonomisches und demokratisches Unternehmenshandeln begünstigt statt - wie es heute der Fall ist - systematisch benachteiligt. Zudem wird die Marktkonkurrenz als einer der Treiber von Wachstum und Kosteneinsparungen zulasten von Mensch und Umwelt ersetzt durch eine “Kooperative Marktplanung.”

In dem gleichnamigen Buch  wird die Gemeinwohl Ökonomie im Detail besprochen. Ich werde das Buch wahrscheinlich in den nächsten Monaten mal lesen und anschließend berichten.

In folgendem Interview stellt Christian Felber das Konzept der Gemeinwohl Ökonomie kurz vor.



Aufmerksam geworden bin ich auf das Thema bei korrekte Klamotten bzw. im Konsumpf.

Montag, 22. November 2010

A MAN WHO GROWS A MO...

... is dedicated and true to the cause of fine moustachery. Aware of his responsibility to honour the moustache.

Freitag, 19. November 2010

GEDANKENGUT XXXIII

"Du musst nicht positiv denken, sondern positiv handeln."
B.M.A. Giurini, mein Freund und Nachbar

Donnerstag, 18. November 2010

A MAN WHO GROWS A MO...

.. leads a valiant life. Whether it be a solo adventure into unknown territories or a simple BBQ with friends, he extracts and revels in all that life has to offer.

Mittwoch, 17. November 2010

DARWINS ALPTRAUM

Mwanza, Tansania.
Ein russisches Flugzeug fliegt eine sandige Landebahn an. Der Funk ist wie fast immer kaputt. Man weiß sich aber zu helfen. Die meisten Flugzeuge landen und starten sicher. Die anderen nicht. In Sichtweite sind mehrere Flugzeugwracks zu erkennen. Aber trotzdem fliegen die riesigen Frachtflugzeuge die kleine Landebahn regelmäßig an. Der Nilbarsch (bei uns ironischerweise eher bekannt als Viktoriaseebarsch) ist der offensichtliche Grund. Der Fisch der in den 1960ern im Viktoriasee, dem zweit größten See der Welt, ausgesetzt wurde und das gesamte Ökosystem aus dem Gleichgewicht geworfen hat. Zwar hat die exportorientierte Fischereiindustrie dank des Nilbarsches einen Aufschwung erfahren, profitiert haben davon aber ausschließlich die westlichen Importeure sowie wenige große Industrieunternehmen. Die Fischer hingegen leiden in zweierlei Form unter der Dominanz des Nilbarschs. Erstens wurde von dem Nilbarsch ein Großteil der hiesigen Buntbarscharten ausgerottet, von welchen die Einheimischen abhängig waren. Und zweitens wurden sie in eine Abhängigkeit von Europa und Indusrie gezwungen, aus der es kaum ein Entkommen gibt. Der gefangene Barsch geht direkt in die großen Fabriken, wo die Menschen für einen Hungerlohn den Fisch weiterverarbeiten. Bei uns will man natürlich nur das Filet auf dem Teller haben. Was übrig bleibt, sind die Karkassen, welche noch vor Ort "entsorgt" werden. Entsorgt heißt in diesem Fall, dass Frauen und Kinder die Karkassen sammeln und an der Luft verwesen lassen, um sie anschließend zu kochen oder zu frittieren. Das bei der Verwesung frei werdende Ammoniak macht die dort arbeitenden Menschen sehr krank. Die fertigen Filets hingegen werden in spezielle Plastikbehälter gepackt, gefrostet und dann in den russischen Flugzeugen verstaut. Dann fliegen die Flugzeuge wieder nach Europa und versorgen unser eins mit Fischfilet. Was zurückgelassen wird, ist ein zerstörtes Ökosystem, ein auf Abhängigkeit basierendes, nicht nachhaltiges Wirtschaftssystem und Menschen, die jeglicher Lebensgrundlage beraubt wurden.
Das Ausmaß der Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung und Misere mit der die Menschen zu kämpfen haben, wird erst deutlich, wenn man in den Straßen und Gassen genauer hinschaut - Prostitution, von der auch zahllose Kinder betroffen sind, der allgegenwärtige Hunger und seine grausamen Folgen und Drogen, so schmelzen die Kinder in Mwanza die Plastikkunststoffe, in denen der Fisch verpackt ist, um Klebstoff zum Schnüffeln herzustellen, um sich zu betäuben und ihr Leben irgendwie ertragen zu können.
Und als sei das beschriebene Maß an Ausbeutung noch nicht genug, wird im Laufe der Dokumentation noch ein weiterer, noch viel dramatischerer Abgrund aufgetan.
Mich hat der Film absolut schockiert. Es wird wenig gesprochen und die Informationen, die geliefert werden, halten sich auch sehr in Grenzen. Was dominiert, ist die Macht der Bilder. Wenn man sieht, was für ein Leben die Menschen in Tansania ertragen müssen, bedarf es nicht vieler erklärender Worte. Mwanza ist ein Beispiel dafür auf welchem menschenunwürdigen Fundament unsere westliche, konsum- und profitorientierte Gesellschaft basiert. Der Film lässt einen alleine mit der bitteren Realität und beruhigt auch nicht mit tröstenden, hoffnungsvollen Worten als Happy End à la Hollywood, im Gegenteil. Denn für die einfachen Menschen in Tansania und vielen anderen Teilen der sogennanten dritten Welt ist ein Happy End leider noch nicht in Sicht.
Die Dokumentation ist in mehreren Teilen bei YouTube zu finden und natürlich in jeder gut sortierten Videothek zu finden .

Montag, 15. November 2010

DIE VANILLE IST DA!

Ja, endlich gibt es wieder frische Vanille. Da meine Vorräte dem Ende geneigt haben, war es an der Zeit, neuen Stoff zu ordern. Diesmal habe ich anlässlich der Vorweihnachtszeit gleich für mein gesamtes backendes Umfeld mitbestellt. So habe ich vor 2 Tagen 250g Bourbon-Vanille (Länge 21-22cm) geliefert bekommen. Schon als ich das Treppenhaus betrat und mich meinem Briefkasten näherte, konnte ich riechen, was sich in selbigen verbirgt. Inzwischen riecht auch meine ganze Wohnung nach Vanille und das obwohl ich die Tüte mit den 50 Schoten noch nicht einmal geöffnet habe.

Freitag ist dann der erste Termin wo "vorgeweihnachtet" wird und die Vanille ihren ersten Einsatz hat und auch die erste Patenschaft einiger Vanilleschoten von dem Gartenmädchen übernommen wird.
Danke Madavanilla!

A MAN WHO GROWS A MO...

...is a natural born leader. He steps up, shines and leads with confidence and style.

Samstag, 13. November 2010

VORWINTERLICHES KONSUMFEST

Am Sonntag, dem 7.11.2010 war es in Kiel ein weiteres Mal an der Zeit, unserem allmächtigen Götzen, dem Konsum zu huldigen. Man erkläre einfach einen stinknormalen Sonntag zum Verkaufsoffenen-Sonntag. Eigentlich ein Tag wie jeder andere(außer dass der heilige Sonntag normalerweise ein (relativ) konsumfreier Tag der Besinnnung und Erholung ist). Es gibt die gleichen Dinge, in den gleichen Geschäften, zu den gleichen Preisen. Nichtsdestotrotz strömten die Massen zu Hunderten in die Konsumtempel und erhofften sich dank des Konsums, die Befriedigung ihrer endlosen materiellen Gelüste.
Falls auch ihr beim nächsten sonntäglichen Konsumfest in eurer Region dabei sein wollt, findet ihr alle nötigen Informationen auf einer dieser tollen Websites:

http://www.verkaufsoffenesonntage.com/
http://www.sonntagsverkauf.net/
http://www.verkaufsoffenesonntage.info/

LISTEN UP, MO BROS !

Donnerstag, 11. November 2010

GEDANKENGUT XXXII

"Die materialistischen Eigentumsanhäufungen von heute sind der Sondermüll von Morgen."
gefunden auf "konsum-los", einem Blogprojekt einer jungen Studentin die genau wie ich einen Hang zum Reflektieren und Infragestellen hat

Montag, 8. November 2010

THEMA AMERIKA

Vor einigen Tagen habe ich mir die Dokumentation "Sicko" von dem bekannten amerikanischen Filmregisseur und Autor Michael Moore angeschaut. In dem Film beleuchtet Michael Moore auf gewohnt satirische Art das amerikanische Gesundheitssytem.
Für jeden von uns Deutschen, Europäern oder allgemein Bürger der westlichen Welt ist es eine Selbstverständlichkeit, dass wir staatlich krankenversichert sind (außer wir haben uns natürlich privat versichert). Wenn wir krank sind oder ein Leiden haben, gehen wir zum Arzt oder ins Krankenhaus. Bezahlen müssen wir im "Normalfall" nichts (außer die inzwischen vierteljährlich anfallende Praxisgebühr). So oder so ähnlich ist es überall in der westlichen Welt. Nur in einem Land ist es nicht so. Und zwar in einem kleinen Land, von nicht allzu großer Bedeutung - in den USA.
In den USA gibt es keine staatliche Krankenversicherung. Jeder muss sich selbst privat versichern - bzw. er kann sich auch einfach gar nicht versichern. In den USA sind über 50 Millionen Menschen ohne Krankenversicherung. Entweder weil sie es sich nicht leisten können und somit darauf "verzichten" oder weil sie es sich gerne leisten würden, aber keine Versicherung bereit ist sie zu versichern. Ja, wenn sie "krank" sind (oder eine von unzähligen Vorerkrankungen aufweisen), werden sie von Vornherein Schwierigikeiten haben, eine Versicherung zu finden. Wenn es der Fall sein sollte, dass keine Versicherung sie versichern will, dann müssen sie sämtliche Kosten für ihre Gesundheit aus eigener Tasche bezahlen. Und das ist quasi eine Sache der Unmöglichkeit. So kann es zum Beispiel sein, dass man mit 79 Jahren noch Vollzeit arbeitet, um sich seine Medikamente leisten zu können, oder man sich entscheiden muss, welchen Finger man nach einem Unfall wieder angenäht haben möchte, da man sich nur einen leisten kann (12.000 Dollar für den einen oder 60.000 Dollar für den anderen).
Zählt man nun zu den "Glücklichen", denen es möglich war eine Versicherung abzuschließen, steht man vor einem neuen Problem. Nun müssen die Behandlungen und Medikamente, die man benötigt, von der Versicherung bewilligt werden. Jede Bewilligung bedeutet für die Versicherung natürlich Kosten. Das oberste Ziel der Versicherungsunternehmen ist aber Kostenminimierung und Profitmaximierung. Also setzt man bei den Versicherungen alles daran, eine gewisse Ablehnungsquote einzuhalten. Die bei den Versicherungen angestellten medizinischen Gutachter werden dazu angewiesen, eine festgesetzte Ablehnungsquote einzuhalten. Es geht sogar soweit, dass die Gutachter mit der höchsten Ablehnungsquote mit Prämien belohnt werden. Sie werden also finanziell oder sogar karrieretechnisch dafür belohnt, dass sie Kranken, gar Todkranken Menschen ihre Behandlung oder Medizin verweigern und so schutzlos ihrem Leiden ausliefern.
Was für uns geradezu absurd und unmenschlich erscheint, ist in dem "Land of the Free" fest verankert und scheinbar auch kaum zu ändern. So ist auch jüngst Barack Obama traurigerweise kläglich an der Opposition und den Lobbyisten gescheitert. Er wollte eine Krankenversicherungspflicht einführen, nach der eben jeder US-Bürger verpflichtet ist, sich zu versichern. Opposition und Lobbyisten haben sich aber quergestellt und Obama ausgebremst. Weiteres zum Thema Obama könnt ihr euch in einer kurzen (28 Minuten) Reportage anschauen, die ich vor ein paar Tagen auf dem Konsumpf-Blog gesehen habe (danke dafür Peter :) ).
Am fassungslosesten hat mich bei beiden Reportagen die Reaktion der Gegner auf die Verstaatlichung des Gesundheitssystem gemacht: Sozialismus ist deren Schlagwort. Mehr Staat = Sozialismus! Das Gesundheitssystem sei nur der Anfang und ehe man sich versehe, regieren wieder Hitler und Stalin. Die Angst vor dem Sozialismus, das Feindbild des "kontrollierenden Staates" und das krampfhafte Festhalten an der "absoluten Freiheit" haben in den USA eine geraddzu groteske Form angenommen, welche eine Verbesserung der sozialen Zustände in den USA, mithilfe der Mittel des Staates unmöglich macht. Ja, es scheint zum jetztigen Zeitpunkt fast, als könnte es schon bald vorbei sein mit der Allmacht der USA. Das von den USA selbst ausgelobte Allheilmittel, die Liberalisierung, entpuppt sich gerade als tödliches Gift. Ganz so wie schon Paracelsus sagte: All Ding' sind Gift und nichts ohn' Gift; allein die Dosis macht, das ein Ding kein Gift ist.



Freitag, 5. November 2010

NACHTRAG: LIVE MY FOOD

Erfeulicherweis habe ich von "Lena" von Live my Food erfahren, dass es die Seite erst seit zwei Monaten gibt. Was wohl erklärt, warum die deutsche Community noch nicht allzu groß ist.
Ich hoffe sehr, dass die Seite noch ordentlich gute Publicity bekommt und ich dann bald viele Gäste aus aller Welt hier bei mir empfangen kann.

Donnerstag, 4. November 2010

GEDANKENGUT XXXI


„Ohne Schnurrbart gibt es keine Liebe.“
Guy de Maupassant

Mittwoch, 3. November 2010

LIVE MY FOOD - DAS KULINARISCH-SOZIALE NETZWERK

Ich habe kürzlich ein tolles Konzept im Internet entdeckt. Und zwar "Live my Food". Es handelt sich quasi um "Couchsurfing", nur dass der Schwerpunkt auf dem kulinarischen Aspekt liegt.

"Live my Food" ist ein kulinarisches soziales Netzwerk, das Menschen aus aller Welt im Rahmen der Einheimischen Küche zusammenbringt. Es ermöglicht allen, die es wünschen, sich um einen gedeckten Tisch mit Unbekannten zu treffen, sei es während einer Reise ins Ausland oder in seinem eigenen Land."
Ich habe mich heute mal als "Gastgeber" registriert und mein Profil angelegt. Ich bin mal gespannt, ob tatsächlich jemand Kontakt aufnehmen wird. Mein Gefühl sagt mir allerdings, dass die Seite irgendwie noch nicht so ganz in Schwung gekommen ist (zumindest hier in Deutschland). Ich bin bisher zum Beispiel der einzige registrierte Kieler und in Hamburg sind auch gerade mal zwei "Foodies" registriert. Komisch eigentlich, da "Live My Food" bereits in der "essen&trinken" und der "Effilee" präsentiert wurde.
Naja ich find das Konzept klasse und stelle mir das grandios vor wenn die Community richtig groß wäre - Ich habe Lust essen zu gehen. Ich gehe aber nicht ins Restaurant, sondern gehe auf "Live my Food" und klicke mich durch die dutzenden Gastgeber in meiner Stadt und suche mir den aus, der am ehesten meinen aktuellen Präferenzen entspricht. Und ein paar Tage später sitze ich bei fremden Menschen aus meiner (oder einer anderen) Stadt am Tisch und lasse mich bekochen. Was für eine romantische, gesellige, für mich schon fast märchenhafte Vorstellung. In solch einer Stadt bzw. Welt würde ich sehr gerne leben.
Wenn es euch genauso geht, dann besucht "Live My Food" und registriert euch einfach mal und vielleicht sitzt ihr ja schon bald in meinem "Atelier" und genießt ein raffiniertes Mahl.

Montag, 1. November 2010

SOZIALPHILOSOPH ANDRÉ GORZ ÜBER UNSERE GESELLSCHAFT, WACHSTUM UND KONSUM

Sieben Minuten anregende Worte!

Freitag, 29. Oktober 2010

45 MINUTEN ZUM THEMA GENTECHNIK

Ein 45-minütiger Film der sicherlich für jeden interessant ist. Es geht um das, in den Medien bereits sehr präsente, Thema der Gentechnik. Der Film liefert einen sehr guten Überblick über den Stand der Dinge und hilft  ein grundsätzliches Verständnis für die Zusammenhänge zu bekommen, um überhaupt erst zu verstehen, was sich hinter dem breitgetretenen Begriff der Gentechnik, des Genmais/-sojas, den GVO's und all diesen Begriffen eigentlich verbirgt.
45 gut investierte Minuten.

Hier der Link (falls der Stream nicht funktioniert, wie es bei mir der Fall war, einfach etwas weiter unten über den Windows Media Player die gewünschte Qualität öffnen)

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/visite/ernaehrung/minuten179.html

Dienstag, 26. Oktober 2010

GEDANKENGUT XXX


„Lieber gar kein Huhn, als irgendein Huhn.“
Eckart Witzigmann

Sonntag, 24. Oktober 2010

AUßERDEM ZUM THEMA WASSER

The Story of Bottled Water:

FLOW - WASSER IST LEBEN

Eine Dokumentation...
Über Wasser…
Über den unsichtbaren Dreck im Wasser…
Über die Privatisierung der Wasserversorgung…
Über das leidvolle Leben ohne sauberes Wasser…
Über den Zusammenhang zwischen Wasser und globalen Erkrankungen…
Über die Absurdität von Flaschenwasser…
Über Wasser das teurer ist als Erdöl…

Für alle Internet-affinen Leser: Bei YouTube gibt es "Flow" in 9 Teile aufgesplittet. Teil 1 hab ich hier mal eben verlinkt:

Freitag, 15. Oktober 2010

GEDANKENGUT XXIX

"Köstliche Dinge brauchen keine Geschmacksverstärker oder Aromen. Keine künstlichen und keine natürlichen und keine naturidentischen. Sondern überhaupt keine. NIE."

Donnerstag, 14. Oktober 2010

DAS KOCHHAUS - DAS BEGEHBARE KOCHBUCH

Mein großer Bruder hat mich heute per Telefon auf die Seite "www.Kochhaus.de" aufmerksam gemacht.

Bei "Kochhaus" handelt es sich um eine innovatives Lebensmitteleinzelhandels-Konzept aus Berlin. Angeboten werden quasi Zutatenpakete, zugehörig zu einem bestimmten vom Kochhaus entworfenen Rezept. Aus ca. 20 ständig wechselnden Vor-, Haupt- und Nachspeisen kann täglich gewählt werden. Zu dem Warensortiment erhält man dann eine Step-by-Step-Anleitung zum Kochen des Rezepts. Die Rezepte reichen von einfach bis anspruchsvoll, sind aber immer kreativ und erfrischend komponiert.
Die benötigten Produkte sind zu großem Teil regional, saisonal und bio.
Neben den Lebensmitteln für die Rezepte werden außerdem eine Auswahl an passenden Getränken sowie Küchenutensilien angeboten. Außerdem gibt es eine kleine Showküche, in der gelegentlich Rezepte live gekocht und das Ergebnis präsentiert wird.
Ich finde das Konzept sehr frisch und zeitgemäß. Ein toller, neuer Ansatz der zeigt, dass der tägliche Einkauf viel mehr sein kann, als der triste Trott durch die kahlen, trostlosen Gänge eines Discounters. Ein Besuch im Kochaus garantiert also nicht nur feinste Lebensmittel und ideenreiche Rezepte, sondern auch eine große Menge Spaß und Lebensfreude.

DER BEGINN DER SENSIBILISIERUNG

Mein Tag hat heute damit begonnen dass ich mir die Dokumentation "Food Inc." angeschaut habe.
Warum ich das hier erwähne?
Weil ich will, dass sich jeder der diesen Post liest, sich den Film ebenfalls anschaut! Und wer das tut, der wird merken, dass der Film nicht spurlos an ihm vorüberziehen wird. Der Film rüttelt und schüttelt an seinem Zuschauer. Er ruft Emotionen hervor. Mich hat der Film (und viele Dokumentationen zu dem Thema, die ich schon zuvor gesehen habe) aufmerksam gemacht und stark sensibilisiert. Ich habe ein Bewusstsein entwickelt - ich denke nach, ich frage nach - alle Entscheidungen, die ich treffe, treffe ich basierend auf Wissen und Informationen. Und ich fühle mich dabei stark. Stark im Sinne von gut und stark im Sinne von mächtig. Viele haben das Wissen und die Informationen nicht, die nötig sind, um "stark" zu sein und deswegen kann man es ihnen auch nicht übel nehmen, dass sie die "falschen" Entscheidungen treffen. ABER eine Dokumentation wie Food Inc. liefert komprimierte Informationen, die leicht zu konsumieren sind - nämlich indem man einfach knapp 1,5 Std aufmerksam zuhört und zuschaut. Und es gibt noch viel mehr Dokumentationen wie diese, die einem geballtes Wissen vermitteln und so einen optimalen Anfang bilden, um für die behandelten Themen zu sensibilisieren. Der Prozess der Sensibilisierung setzt sich dann, wenn er einmal in Gang gesetzt ist, automatisch fort.
Ich habe diesen Prozess erst vor rund 2 Jahren begonnen. Seitdem sehe ich mich als mündigen Konsumenten, der die Macht hat, Entscheidungen zu treffen. Und nur ich selbst bin es, der diese Entscheidungen trifft - und das kann ich weil ich ein Bewusstsein habe.

Food Inc. könnt ihrkaufen, ausleihen oder auch einfach bei YouTube aufgesplittet in mehrere Parts anschauen (insofern ihr der Englischen Sprache mächtig seit).
Andernfalls gibt es auch noch eine handvoll weiterer Dokumentationen, die ähnliche Inhalte haben. Die Beste, die ich bisher gesehen habe (die auch auf Deutsch ist), ist "We Feed the World". Leiht sich euch aus, kauft sie oder streamt sie einfach übers Internet, bevor ihr sie gar nicht schaut! Nehmt euch die Zeit! Es lohnt sich !!!

Montag, 11. Oktober 2010

KULINARISCHER MONTAG


Die stolze Beute des Tages

Der am Vorabend geerntete, makellose Pilz

Das perfekte Mise-en-place

Feigen-Risotto mit Salzauer Limonenseitlingen

Der ominöse schwarze Knoblauch

Tahiti-Vanille-Eis auf Melonen-Mangospiegel, dazu schwarzer Knoblauch

AM WOCHENENDE IN DER KIELER INNENSTADT

Vom 7.-10. Oktober, also dieses Wochenende, waren Bauernmarkt und Geschmackstage in der Kieler Innenstadt. Ich war da und habe mir das Spektakel mal angeschaut. Von der Fußgängerzone und den dortigen Ständen war ich größtenteils enttäuscht. Wenig Informationsmaterial, schlecht geschulte und vor allem wenig kommunikative, teils sogar unhöfliche Verkäufer (man strafte uns mit bösem Blick und scharfer Zunge, weil wir nicht bereit waren für ein 200g Stück Käse 8€ zu bezahlen). Außerdem lockte scheinbar die Fußgängerzone ganz besonders viele Menschen an, die nicht an der eigentlichen Sache, nämlich den Erzeugern und ihren Lebensmitteln, interessiert waren, sondern bloß möglichst günstig satt werden wollten.
Im Sophienhof gefiel es mir viel besser. Dort war Feinheimisch mit namenhaften Mitgliedern vertreten (Der Holzofenbäcker, Landpilze Salzau, Rieckens Landmilch, Ziegenhof Rehder, Kaddys Friut Farm uvm.). Bei sämtlichen Ständen war das Personal sehr freundlich und kompetent. Leider hat das Ganze für mich wenig neuen Input geboten. Aber es hat mich sehr gefreut zu sehen, dass sich unsere besten lokalen Erzeuger so breiter Masse vorstellen konnten und so publik machen konnten, dass es über den Einheits-Supermarkt-Junk noch vieles mehr gibt, es schmeckt, nicht viel kostet und vor allem Spaß und Genuss mit sich bringt.
Mein persönliches Highlight war der Stand von Kaddys Fruit Farm. Dort wurde ich so herzlich beraten und habe mich quasi auf Wunsch des Standbetreibers durch das gesamte Sortiment probiert. Das Tolle war aber nicht das Probieren, sondern das Fachsimpeln über die unterschiedlichen Produkte. Denn mir stand jemand gegenüber der seine Produkte kannte, liebte und etwas zu ihnen zu sagen hatte. Ich habe mir nach dem ausgiebigen Informationsaustausch ein Glas Kirsche-Thymian Marmelade mitgenommen. Eine wundervolle Komposition!

GEDANKENGUT XXVIII

"Wir sind an den absurden Punkt gelangt, an dem die Kinder Geflügelkroketten essen, aber noch nie ein lebendes Huhn gesehen haben, und gar nicht wissen, wie es überhaupt aussieht.
Somit wurde die Verbindung des Menschen mit der Erde durch Nahrung unterbrochen, die bis zur Nachkriegszeit bestanden hatte. Wer auf dem Land lebte, konnte immer noch sehen , woher die eigene Nahrung stammte, auch diejenigen, die seit weniger als zwei Generationen in die Stadt gezogen waren. Die gastronomischen Kenntnisse wurden fast automatisch von Generation zu Generation übertragen. Heutzutage gibt es diese so genannte Nabelschnur von überlieferten Kenntnissen nicht mehr und wie noch nie zuvor werden Herstellung und Konsum als voneinander entfernt erfahren, wobei auch eine tiefe, gegenseitige Kluft von Kenntnissen besteht. Dieser Mangel an Kenntnissen bringt viele von uns dazu, uns mit Fast-Food zu ernähren, ohne sich dabei eine Frage zu stellen.
Und dennoch sagt uns der Menschenverstand, dass ein Gastronom und auch derjenige, der sich nicht so nennen möchte, wissen möchte was er isst: Herkunft, ausgeführte Behandlungen und einbezogene Menschen. Das Interesse an der landwirtschaftlichen Welt, an ihren Entwicklungen und Veränderungen müsste zu den Prioritäten aller gehören, sie sich ernähren."
Carlo Petrini in "Gut, Sauber & Fair"

Donnerstag, 7. Oktober 2010

GEDANKENGUT XXVII

"Welch eine Freude, hungrig zu sein, wenn du dir sicher sein kannst, dass dir jemand eine wirklich hervorragende Mahlzeit zubereitet."
Linvard Bo Lapp

Samstag, 2. Oktober 2010

WÄRE ALLES ANDERE NICHT FALSCH

Zu sagen, was wir tun und zu tun, was wir sagen, sollte zu einem gesellschaftlichen Leitmotiv werden.

KULINARISCHER NACHTRAG

Es gab: Käsekuchen à la Moustachio Tarte Tatin (mit wild-gepflücktem rotfleischigem Apfel, Sorte wird noch beim Pomologen bestimmt - Nachtrag folgt in den nächsten Tagen) Nahöstlicher Linsensalat Galette mit Mangold, Champignons und Feta

Donnerstag, 30. September 2010

BIER


Auf dem wurstsack-blog bin ich auf das "Bier" aufmerksam geworden und ich finde den Ansatz der zwei Wahlberliner sehr erfrischend.

Es geht bei dem Projekt um Folgendes:
"Ziel dieses Projekts ist es, ein Zeichen gegen die visuelle Umweltverschmutzung zu setzen, der die Menschen im urbanen Lebensumfeld permanent ausgesetzt sind.
Unsere Städte sind heute voll von Werbebotschaften. Da sich die meisten Massenprodukte anhand ihres Inhalts kaum noch unterscheiden, werden künstliche Markenwelten geschaffen, die die Produkte zu etwas Besonderem machen sollen.
Doch es wird immer schwieriger, überhaupt noch zu den reizüberfluteten Konsumenten durchzudringen. Die Antwort der Marketing-Fachleute auf dieses Problem? Noch mehr Reklame.
Unser Gegenvorschlag: wir verzichten auf all die abgegriffenen Super-Glitzer-Goldrand-Versprechungen und konzentrieren uns auf das Wesentliche, den Inhalt.
Aus diesem Grund haben unsere Produkte weder einen Namen noch ein Logo. Die Gestaltung ist so schlicht wie irgend möglich. Sie versprechen nicht mehr, als sie definitiv auch halten können: BIER, WEINSCHORLE.
Geschmack braucht keinen Namen."

ZUM THEMA PLASTIK

Für alle die nicht regelmäßig den Konsumpf-Blog besuchen, möchte ich den heutigen Beitrag über Plastiktüten kurz in Form der geposteten Clips aufgreifen und zum Nachdenken und Handeln anregen.

Oceans Exclusive - Use Less Plastic

Trailer Park Movies | MySpace Video

Also Tod den Plastiktüten und ein dreifaches Hoch auf Leinenstoffbeutel und Einkaufskörbe!

Sonntag, 26. September 2010

GEDANKENGUT XXVI

"Die Art und Weise, wie sich die meisten Menschen in den westlichen Industrieländern gegenwärtig ernähren, ist weder ökologisch nachhaltig, noch entwicklungspolitisch fair, noch ethisch verantwortlich, noch trägt sie zu einer Verbesserung der Gesundheit, gesellschaftlichem Miteinander und Wohlbefinden bei. Eine Veränderung der Ernährungsgewohnheiten könnte somit trotz steigender Lebensmittelpreise zu größerer Zufriedenheit führen. Im besten fall könnte eine Stärkung der immateriellen Komponenten von Essen und Trinken wie gemeinsame Mahlzeiten, Kreativität beim Kochen, gesundheitsfördernde und ethische Ernährungsweisen sowie eine allgemein höhere Wertschätzung von Lebensmitteln soagr materielle Wohlstandsverluste in anderen Lebensbereichen verringern."
Aus dem Thesenpapier Lebens-Mittel vom Denkwerk Zukunft
(www.denkwerkzukunft.de)

Sonntag, 19. September 2010

REVOLUTION

"Ich denke allerdings auch, dass so eine Revolution herzlich wenig bringt, vor allem, wenn man gar nicht so genau weiß, gegen wen man sich eigentlich auflehnt und was man anschließend für ein System errichten möchte. Merkel & Westerwelle abzusetzen (was spätestens nach den ausgekungelten Atomplänen im Sinne der demokratischen Kultur zwingend nötig wäre!) und durch andere Politiker zu ersetzen z.B. würde letztlich auch nicht wirklich weiter helfen, solange ein Geflecht aus Medienkonglomeraten, Lobbyisten und Großkonzernen das Ruder in der Hand hält. Und solange die Menschen auf billigen Konsum getrimmt sind und egoistisch dem eigenen Genuss frönend ihr Konsumentenleben leben, werden wohl auch andere Regierungen, wie auch immer sie ins Amt kommen, nicht viel voranbringen. Ein Bewusstseinswandel, ein Umdenken im eigenen persönlichen Rahmen, wäre meines Erachtens auf breiter Basis vonnöten (quasi eine Revolution in den Köpfen), damit ein echter Wandel im Land und im System möglich ist und nicht nur einfach eine neue Riege von Machtmenschen, egal welcher Couleur, das Steuer übernimmt. Alte linke Vorstellungen von einem Aufstand der „arbeitenden Klasse“ sind wenig erfolgversprechend und auch wenig verlockend, zumal wenn die meisten Menschen gar keine wirkliche Veränderung wollen… Ich möchte jedenfalls keine „Diktatur des Proletariats“, sondern eher eine freie Gesellschaft, in der die Arbeit einen geringeren Stellenwert hat als heutzutage und in der nicht alle Lebensbereiche einer Durchökonomisierung zugeführt werden. Ob das durch eine Revolution erreichbar ist, tja… Schaun mer mal."
Gefunden abermals im Konsumpf - zum ganzen Beitrag (inkl. einer Dokumentation zum Thema "Revolution") geht es hier: http://konsumpf.de/?p=8803

Donnerstag, 16. September 2010

GEDANKENGUT XXV

"Der Mensch von heute hat nur ein einziges wirklich neues Laster erfunden, die Geschwindigkeit."
Aldous Huxley

EIN GRUND ZU FEIERN

Morgen ist einer der schönsten Tage im Jahr. Denn morgen, am 17. September, hat mein geliebtes Gartenmädchen Geburtstag. Und das will angemessen gefeiert werden!
Aus diesem Grund hat das Gartenmädchen zum kulinarischen und literarischen Abend ihre Familie und engsten Freunde eingeladen. Wenn es morgen beginnt zu dämmern, werden wir in meinem neuen "Atelier" unter Kerzenschein gemeinsam ein vegetarisches 7-Gang-Menü genießen und Texte zu bedeutenden Themen wie Liebe, Kochen, Freundschaft etc. lesen. Wir werden gemeinsam essen, trinken, lesen, lachen und das Gartenmädchen dutzende Male hochleben lassen.
Die Planung ist abgeschlossen. Die letzten Einkäufe sind erledigt. Aber die Vorbereitung ist in vollem Gange. Bis morgen Abend wird noch fleißig geschnibbelt, gekocht und gebacken.
Ich erhebe im Namen des Gartenmädchens das erste Glas Weißwein des Tages und stoße (im Moment noch alleine) auf ein perfektes Mise-en-place für die morgige Feierei an!

Montag, 13. September 2010

GEDANKENGUT XXIV

"Unsere gegenwärtige Esskultur beruht auf soviel Leid, soviel Missbrauch der Erde und der Menschen, die unsere Nahrung erzeugen, dass sie einfach nicht nachhaltig ist. Es wird eine Wende geben, und sie wird entweder durch eine Krise herbeigeführt werden oder durch unseren Willen, etwas zu verändern."
Slow Food Magazin Nr.2/2009

WEISE WORTE VON WAM KAT

ES WIRD WIEDER GEBLOGGT

Am Abend, als ich dachte die kreative Pause wäre beendet (siehe letzter Post), hat sie tatsächlich erst so wirklich begonnen. Denn der Moustachio ist in eine neue Häuslichkeit umgezogen. Nun da der Umzugswahn ein Ende gefunden hat und ich seit einigen Tagen auch wieder Internet habe, kann ich endlich wieder in Ruhe bloggen. ENDLICH!

Mittwoch, 18. August 2010

ZWEITER BESUCH IM LAMMERS

Heute Abend war ich zum zweiten Mal im Lammers. Leider war der Besuch in kulinarischer Hinsicht eher ernüchternd.
Es gab:
1. Mit Ziegenkäse gratinierte Artischockenherzen und Tomaten mit Orientlinsen - Erfrischende Kombination von Mediterranem und Orientalischem. Leider waren die Artischockenherzen keine Frischen. Schade. Sonst sehr gelungen. Das Zusammenspiel von Linsen und Gratiniertem war mein Höhepunkt des Abends.
2. Lammspieße auf Kichererbsenpüree mit Tomaten und Knoblauchöl - Die Lammstückchen waren leider etwas zu lang gebraten und nicht mehr rosa. Das Püree war würzig und durchaus gelungen, es mangelte ihm allerdings an einem geschmacklichen Gegenspieler. So war es ein Berg Püree mit ein wenig Lamm. Und so "allein" konnte das Püree dann leider doch nicht bestehen, sondern wirkte sehr schnell schmucklos. Die Tomaten waren leider völlig witzlose, vermutlich nicht selbstgemachte, getrocknete Tomaten.
3. Provencalisches Gemüse - Aubergine, Zuchini und Tomaten gratiniert mit Mozzarella. Dazu Rosmarinkartoffeln. An sich eine schlichte Geschichte die durchaus für viel Spannung sorgen kann. Leider heute Abend nicht. Kein Witz, kein Pepp, nicht einmal Salz. Wirklich sehr unkreativ und ideenarm umgesetzt.
4. Creme brulée - Leider war die Creme geronnen und sorgte so für ein etwas befremdliches, unangenehmes Mundgefühl. Die Karamellkruste war genau wie es sich gehört. Leider ohne frische Vanille. Also eine Creme brulée wie man sie leider heute fast an jeder Straßenecke bekommt. So wie die meisten sie kennen und auch mögen. Ich aber nicht. Ich weiß, dass es noch eine Menge Platz nach oben gibt und dass der auch mit ein wenig mehr Anspruch an die eigene Küche leicht zu erreichen ist.
Ansonsten war der Besuch aber eine große Freude, denn ich war in hervorragender Gesellschaft von zwei jungen Damen. Der Service und die Atmosphäre waren auch wie gewohnt sehr angenehm.
Also steht es 1:1 in kulinarischer Hinsicht. Mit einem Unentschieden werde ich mich allerdings definitv nicht zufrieden geben!

Sonntag, 15. August 2010

GEDANKENGUT XXIII

"Der Gewinn an Effizienz geht einher mit einem Verlust an Vielfalt."

Freitag, 13. August 2010

EIN ÜBERRASCHENDER ABEND VOR DER MATTSCHEIBE MT CHIPS UND SPRUDEL

Gestern Abend habe ich mit meinem Mitbewohner/Bruder den Abend vor dem Fernseher verbracht. Wir haben uns "Zeiten ändern dich" angeschaut. Der Film ist inspiriert durch das Leben des popülaren Rüpel-Rappers Bushido. Der Film war tatsächlich gar nicht so schlecht, wie man hätte erwarten können. Außerdem hat eine ganze Reihe an deutschen Top-Schauspielern kleine und große Rollen besetzt (Hannelore Elstner, Moritz Bleibträu, Uwe Ochsenknecht, Martin Semmelrogge etc.). Der Film hat sogar meine Erwartungen, die allerdings auch sehr negativ und gering waren, übertroffen. Ich war am Ende durchaus gut unterhalten, hatte einige Male geschmunzelt und gelegentlich mit dem Kopf zum Beat mitgenickt. Um den Film soll es aber gar nicht primär gehen.
Berichten möchte ich eigentlich von Chips und Sprudel.
Das Sprudelwässerchen war ein "now - white bitter". Beim Kauf hatte ich eine süße, leicht bittere Kräuterlimo erwartet und gespannt zugegriffen. Als ich die Brause dann eisgekühlt im Mund umhersprudeln ließ, dominierte vor allem eine etwas penetrante Süße. Bitter fand man nur, wenn man suchte. Der Knaller war aber das eigentliche Aroma. Beim ersten Schluck traute ich meinen Sinnen nicht so recht. Beim zweiten und dritten Schluck bestätigte sich allerdings meine erste Ahnung. Zur Kontrolle ließ ich meinen Bruder auch noch schmecken. Die Kräuterbrause schmeckt wirklich im Vordergrund nach Thymian. Durch die starke Süße unterstützt, drängt sich einem vor allem Thymian auf. Im ersten Moment verstörend, aber dann sehr erheiternd. Mir war das ganze aber trotzdem zu süß (und ich trinke gerne eiskalte süß-saure Brausen).
Weiterer Filmbegleiter waren Kartoffelchips. Im Erdkorn-Markt haben mich die schwedischen Lantchips angelacht. Die feste Papiertüte war am Abend schnell aufgerissen und die ersten Chips im Mund. Knusper, Knusper-Knäuschen- was knuspert in mein'm Mäulchen? Dritte Überraschung des Abends. Die Chips sind hervorragend. Bisher hatte ich keine besonders einschneidend positiven Erfahrungen mit Bio-Chips gemacht. Die, die ich bisher probiert hatte, waren eher durchschnittlich und nichtssagend. An die Lantchips bin ich mit ungefähr dieser Erwartungshaltung auch herangetreten. ABER: Die Chips waren klasse. Scheiben nicht zu dick aber trotzdem ein wirklich kräftiger Biss, nicht so wie Konsorten wie die dünnen Crunchips die einfach im Mund zerbröseln wenn man sie mit der Zunge streift. Nein die Lantchips haben eine fantastische Konsistenz, sie spielen durchaus in einer Liga mit Kettle's oder Tyrell's Chips (und diese beiden Marken sind meiner Erfahrung nach die besten Kartoffelchips die man im herkömmlichen handel bekommen kann). Die Paprikawürze der Lantchips ist relativ schlicht aber durchaus passend. Außerdem im Erdkorn-Markt erhältlich waren die Lantchips mit Salz gewürzt. Dieses etwas umfangarme Angebot an Geschmacksrichtungen sehe ich als klaren Minuspunkt.. Kettle's und Tyrell's gibt es mit ganz hervorragenden und auch etwas unkonventionellen Würzen. Das kann das schwedische Bio-Äquivalent leider nicht bieten. Aber ich bin trotzdem erfreut; ich habe meine ersten guten Bio-Chips gefunden und werde sie sicherlich mal wieder vertilgen, wenn ich einen knusprigen Filmbegleiter suche.
Also alles in allem ein gelungener Abend. Film überaschend unterhaltsam. Sprudel überraschend geschmeckt. Chips überraschend lecker. Ich mag Überraschungen!

Donnerstag, 12. August 2010

EIS UND BEINSCHEIBE

Nach einer kurzen kreativen Pause melde ich mich heute in neuer, alter Frische zurück. Zuerst möchte ich einen kleinen kulinarischen Nachtrag verfassen. Vor, ich glaube, gut zwei Wochen war ich tagsüber auf dem Markt auf dem Exer. Dort habe ich, als ich am Biostand das Gemüse sah, Lust auf einen deftigen Eintopf bekommen. Also waren einige Karotten, Kartoffeln, Zwiebeln, Lauch, Sellerie und Petersilie schnell gekauft. Natürlich alles in feinster regionaler Bioqualität! Fleisch. Fleisch brauche ich noch. Ab zum Stand von Muhs (auf dem Exer der Schlachter meines Vertrauens). Die Entscheidung fiel dann schnell auf eine dicke, fette Beinscheibe (die ich leider nicht fotografiert habe). Da Beinscheibe stark von Bindegewebe durchzogen ist und erst nach langem Schmoren wirklich genießbar wird, ist Beinscheibe sehr günstig. Ich habe für mein Stück (das sicherlich 200-300g wog) keine zwei Euro bezahlt.
Da ich nun alles Nötige im Gepäck hatte, gings ab auf meinen Drahtesel und schnurstracks nach Hause.
Zuhause angekommen wurden die einzelnen Zutaten einmal über mein Hirnholz-Schneidebrett gejagt und für die Medien einmal hübsch in Schüsseln drapiert. Auf dem Foto dazugesellt hat sich ein geradezu glamouröses Flensburger Pilsener. Welch eine Schönheit!
Anschließend wurde es heiß! Das Fleisch würde kräftig angebraten, so dass sich eine Menge Röstaromen und eine kleine dunkelbraune Kruste unten im Topf bilden konnten. Alles mit Bier abgelöscht. Kleingeschnittene Petersilienstengel dazu (warum sollte man sowas feines wegschmeißen?) und mit Wasser aufgefüllt und ein wenig Fond-Konzentrat dazu (da ich selten dazu komme, mir selbst einen schönen Fond zuzubereiten und nicht den nötigen Platz habe größere Mengen einzufrieren, greife ich gern auf das Bio-Fond-Konzentrat von Oscar zurück - für alle Interessierten hier die Adresse: http://oscar.dk)
Einmal aufgekocht. Hitze reduziert und erstmal mit Freunden ab an den Strand. Gute fünf Stunden später als ich wieder Zuhause war, kam dann das Gemüse und das restliche Bier in den Topf und das Ganze wurde nochmal gute 20 Minuten kräftig angefeuert.
So jetzt zum Eis: Also die Mirabellen habe ich ja von meinem Herzblatt, dem Gartenmädchen, einige Tage zuvor bekommen. Inzwischen hatte ich mir auch genau überlegt, was mit ihnen passieren soll. Ein Mirabelleneis mit Tonkabohne.
Die Tonkabohne hatte ich einige Tage zuvor in der Apotheke bestellt, da mein Vorrat erschöpft war. Für alle die Tonkabohnen nicht kennen: Sie kommt aus Südamerika, hat einen unvergleichlichen Geschmack (dazu später mehr), hat einen sehr hohen Cumaringehalt (welches verschiedene gesundheitsschädliche Wirkungen hat), man sagt der Bohne außerdem eine hypnotische, halluzinogene sowie erotisierende Wirkung nach. Aufgrund des hohen Cumaringehalts war die Tonkabohne als Lebensmittel lange komplett verboten. Inzwischen ist das Verbot eingeschränkt (Cumarin-Höchstwerte von 2 mg/kg dürfen nicht überschritten werden). Die günstigste und verlässlichste Bezugsquelle für Tonkabohnen bleibt aber trotzdem die Apotheke.
Zurück zum Eis. Für das Eis habe ich ein Kompott aus den Mirabellen, Weißwein und Honig gekocht.
Die Tonkabohnen habe ich in einer Mischung aus Milch und Sahne klein gehäckselt und kurz aufgekocht und die Bohnenreste anschließend abgesiebt (da sonst zuviele Bitterstoffe ins Eis gelangen). Dann habe ich eine klassische englische Eiscreme gemacht, zu der ich zusätzlich am Ende das Mirabellenkompott gegeben habe. Am Ende noch einmal alles durch ein Sieb gedrückt und ab in den Froster. Und dann hieß es: Rühren, rühren und immer schön weiter rühren...alle 20 Minuten - Tür auf - rühren - Tür zu - und 20 Minuten warten - und wieder von vorne. Das Spiel hab ich dann gute 6 Stunden gespielt. Ja was für ein unglaublicher Luxus eine richtig gute Eismaschine doch wäre...
Irgendwann war das Eis dann halbwegs so, wie ich es haben wollte. Und zwar gerade zum rechten Zeitpunkt als die werten Gäste eintrafen. Die üblichen Verdächtigen: das Gartenmädchen und der ,bereits in vorigen Posts erwähnte, Kollege.
Beide waren begeistert von dem Eintopf. Kräftig, deftig, fleischig. Nicht unbedingt das optimale Sommergericht - aber man muss auch mal unkonventionell sein. Die nötige Portion Sommergefühle folgte ja schließlich in einem cremigen Hellrosa. Eiszeit!
Das Eis hat geschmacklich meine eigenen Erwartungen übertroffen. Mirabelle - eine kräftige Säure, gepaart aus Mirabelle und Weißwein - Süße - subtil aber sehr bestimmendes Parfüm der Tonkabohne - langer Nachhall der Bohne. Meine Angst die Säure könnte dominieren hat sich glücklicherweise nicht bestätigt. Meine Begeisterung gilt allerdings eindeutig der Tonkabohne. Ich hatte nicht erwartet, dass sie eine so innige Freundschaft, ja gar Liebe, mit der Mirabelle eingehen würde. Tonkabohne neigt dazu alles andere gnadenlos zu überdecken und so penetrant zu stinken, als wäre man mitten in einer Parfumerie (genau das ist mir die ersten Male, als ich mit Tonkabohne gearbeitet habe, auch passiert). Aber nicht diesmal. Die Mirabelle und die Tonkabohne sind zu einem Geschmack fusioniert, den zwar immernoch die Bohne, mit ihren vanilligen, blumigen, honigartigen Noten, klar dominiert, aber in dieser verführerischen Beziehung herrscht Harmonie, obwohl die Rollen klar verteilt sind. Sehr schön. So mag ich es!