Samstag, 31. Juli 2010

EIN PERVERSES PAAR: FERNSEHEN UND KÖCHE

Heute habe ich mal wieder einen Post im konSumpf gelesen, den ich hier gerne aufgreifen möchte. Als ich den Post gelesen und den zugehörigen Film gesehen habe, wurde ich geradezu übermannt von Wut und Trauer.
Das Thema sind Fernsehköche, werbende Fernsehköche. Eine abartige, aber von unserer Gesellschaft hochgeschätzte Spezies. Hier zuerst der Clip als Einführung ins Thema:

Als Koch, Gastronom, Ökotrophologe und Kulinarier schmerzt es mir sehr zu sehen, was heute in den Medien und in den Supermärkten passiert. Egal welchen Sender man im Fernsehen einschaltet, überall wird "gekocht" - bzw. es wird so getan, als würde man kochen. Alles ist aufregend, spannend, unterhaltsam,kurzweilig und geht ruckzuck. Am Ende wird auf jede erdenkliche Art und Weise bewertet und benotet und der Kochprozess und die Lebensmittel werden zu Gegenständen eines banalen Wettbewerbs degradiert. In anderen Formaten kommen die erhabenen "Profis" und "Tester" und hauen mal so richtig auf den Tisch und zeigen wie es denn richtig geht. Alles für den mental halbtoten Zuschauer in einem realitätsfernen Schwarz-Weiß dargestellt - vorher: alles schlecht, nachher: alles gut. Fertig. Das ist die Realität des Fernsehens.
Es ist einfach erschreckend, wie unreflektiert und plakativ Lebensmittel und Kochen im Fernsehen dargestellt werden. Und als wenn das noch nicht reichen würde, allen voran stehen die "Fernsehköche" und preisen ihre zweifelhaften, halbgaren Botschaften. Was mich persönlich so erschüttert, ist dass die meisten unserer geliebten Fernsehköche tatsächlich herausragend gute Köche sind, und teilweise sogar mit Michelin-Sternen und einer Vielzahl von Gault-Millau Kochmützen ausgezeichnet sind, es ihnen aber trotzdem nicht ansatzweise gelingt, eine gesunde Botschaft zu vermitteln. Den aller wenigsten gelingt es ihre erzieherische Aufgabe zu wahrzunehmen und dem Zuschauer bzw. Konsumenten dringend nötiges Wissen über die Qualität von Lebensmitteln und Zusammenhänge des Kochens zu vermitteln. Man beschränkt sich lieber auf flache, kurzweilige Unterhaltung ohne wirklichen Informationsgehalt. Leider geben sich die meisten Zuschauer dieser Sendungen damit auch zufireden. Die Einschaltquoten lügen nicht.
Es ist für mich unverständlich, warum die Köche sich so unter Wert (ich spreche von dem ideelen Wert, denn der Geldwert wird wohl ganz passabel sein) verkaufen und den Menschen ein völlig verzerrtes und unreflektiertes Bild von der Welt des Kochens vermitteln. Über das nötige Wissen und die Kompetenz etwas nachhaltiges und fundiertes über die Welt der Lebensmittel zu vermitteln, besäßen die meisten von ihnen. Aber warum - ja warum vermitteln sie es dann nicht? Wollen die Sender flache unterhaltsame Formate, weil sie erfahrungsgemäß die nötigen Einschaltquoten bringen? Das mag sein. Aber warum prostituieren sich Köche auf eine so billige Art und Weise und liefern den Sender, was sie haben wollen? Für mehr Geld? Für mehr Ruhm? Nach was giert es diesen Menschen? Und wie in Gottes Namen können sie sich noch in ihren Restaurants blicken lassen und ihrer Kochbrigade in die Augen schauen und von ihnen Respekt und den selbigen gegenüber den Lebensmitteln fordern?
Für mich ist all das absolut unverständlich. Denn für mich heißt Koch sein, auch Idealist sein. Man hat Ideale und Ansprüche, an sich selbst, an die Lebensmittel und an die Umwelt. Wer diese für ein paar Minuten vergänglichen Ruhms im Fernsehen verkauft, der sollte seine Kochmütze abgeben und nie wieder aufsetzen.
(Dass Köche die für fadenscheinige Produkte ihr Gesicht geben und dafür schmutziges Geld nehmen, eine noch weitaus perversere Spezies darstellen und ihre plakativen Botschaften von Frische und Geschmack ad absurdum führen, versteht sich von selbst und verdient eigentlich nicht mal böse Worte)
Missstände wie diese lassen mich wirklich aus der Haut fahren und erschüttern mein Glauben an das Gute.

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