Freitag, 2. Juli 2010

GEDANKENGUT X

"Der Erfolg von Produkten wie zum Beispiel dem Hamburger ist nicht nur darin begründet, dass er androgyn nach vielem gleichzeitig schmeckt: Die Geschmacksrichtungen süß, sauer und scharf nivellieren sich in ihm, heben sich gegenseitig auf, und man kommt gar nicht mehr auf die Idee, dass man gerade Fleisch zu sich nimmt. Das Resultat ist nämlich ein Neutrum mit der Konsistenz von Mullbinde plus roter Farbe. Das liebt der Zeitgeist, und die Tendenz zur Zurichtung und Bearbeitung des Rohstoffs Fleisch macht auch vor Feinschmeckerrestaurants nicht Halt. Auch Fische dürfen keine Gräten mehr haben, alles ist filiert und mundgerecht zerteilt, nichts erinnert mehr daran, dass wir Menschen, indem wir essen, eben auch permanent zerstören. Unser Leben basiert auf dem Tod anderer Lebewesen, die Pflanzenwelt eingeschlossen."
Vincent Klink im Journal Culinaire Heft 01

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