Montag, 8. November 2010

THEMA AMERIKA

Vor einigen Tagen habe ich mir die Dokumentation "Sicko" von dem bekannten amerikanischen Filmregisseur und Autor Michael Moore angeschaut. In dem Film beleuchtet Michael Moore auf gewohnt satirische Art das amerikanische Gesundheitssytem.
Für jeden von uns Deutschen, Europäern oder allgemein Bürger der westlichen Welt ist es eine Selbstverständlichkeit, dass wir staatlich krankenversichert sind (außer wir haben uns natürlich privat versichert). Wenn wir krank sind oder ein Leiden haben, gehen wir zum Arzt oder ins Krankenhaus. Bezahlen müssen wir im "Normalfall" nichts (außer die inzwischen vierteljährlich anfallende Praxisgebühr). So oder so ähnlich ist es überall in der westlichen Welt. Nur in einem Land ist es nicht so. Und zwar in einem kleinen Land, von nicht allzu großer Bedeutung - in den USA.
In den USA gibt es keine staatliche Krankenversicherung. Jeder muss sich selbst privat versichern - bzw. er kann sich auch einfach gar nicht versichern. In den USA sind über 50 Millionen Menschen ohne Krankenversicherung. Entweder weil sie es sich nicht leisten können und somit darauf "verzichten" oder weil sie es sich gerne leisten würden, aber keine Versicherung bereit ist sie zu versichern. Ja, wenn sie "krank" sind (oder eine von unzähligen Vorerkrankungen aufweisen), werden sie von Vornherein Schwierigikeiten haben, eine Versicherung zu finden. Wenn es der Fall sein sollte, dass keine Versicherung sie versichern will, dann müssen sie sämtliche Kosten für ihre Gesundheit aus eigener Tasche bezahlen. Und das ist quasi eine Sache der Unmöglichkeit. So kann es zum Beispiel sein, dass man mit 79 Jahren noch Vollzeit arbeitet, um sich seine Medikamente leisten zu können, oder man sich entscheiden muss, welchen Finger man nach einem Unfall wieder angenäht haben möchte, da man sich nur einen leisten kann (12.000 Dollar für den einen oder 60.000 Dollar für den anderen).
Zählt man nun zu den "Glücklichen", denen es möglich war eine Versicherung abzuschließen, steht man vor einem neuen Problem. Nun müssen die Behandlungen und Medikamente, die man benötigt, von der Versicherung bewilligt werden. Jede Bewilligung bedeutet für die Versicherung natürlich Kosten. Das oberste Ziel der Versicherungsunternehmen ist aber Kostenminimierung und Profitmaximierung. Also setzt man bei den Versicherungen alles daran, eine gewisse Ablehnungsquote einzuhalten. Die bei den Versicherungen angestellten medizinischen Gutachter werden dazu angewiesen, eine festgesetzte Ablehnungsquote einzuhalten. Es geht sogar soweit, dass die Gutachter mit der höchsten Ablehnungsquote mit Prämien belohnt werden. Sie werden also finanziell oder sogar karrieretechnisch dafür belohnt, dass sie Kranken, gar Todkranken Menschen ihre Behandlung oder Medizin verweigern und so schutzlos ihrem Leiden ausliefern.
Was für uns geradezu absurd und unmenschlich erscheint, ist in dem "Land of the Free" fest verankert und scheinbar auch kaum zu ändern. So ist auch jüngst Barack Obama traurigerweise kläglich an der Opposition und den Lobbyisten gescheitert. Er wollte eine Krankenversicherungspflicht einführen, nach der eben jeder US-Bürger verpflichtet ist, sich zu versichern. Opposition und Lobbyisten haben sich aber quergestellt und Obama ausgebremst. Weiteres zum Thema Obama könnt ihr euch in einer kurzen (28 Minuten) Reportage anschauen, die ich vor ein paar Tagen auf dem Konsumpf-Blog gesehen habe (danke dafür Peter :) ).
Am fassungslosesten hat mich bei beiden Reportagen die Reaktion der Gegner auf die Verstaatlichung des Gesundheitssystem gemacht: Sozialismus ist deren Schlagwort. Mehr Staat = Sozialismus! Das Gesundheitssystem sei nur der Anfang und ehe man sich versehe, regieren wieder Hitler und Stalin. Die Angst vor dem Sozialismus, das Feindbild des "kontrollierenden Staates" und das krampfhafte Festhalten an der "absoluten Freiheit" haben in den USA eine geraddzu groteske Form angenommen, welche eine Verbesserung der sozialen Zustände in den USA, mithilfe der Mittel des Staates unmöglich macht. Ja, es scheint zum jetztigen Zeitpunkt fast, als könnte es schon bald vorbei sein mit der Allmacht der USA. Das von den USA selbst ausgelobte Allheilmittel, die Liberalisierung, entpuppt sich gerade als tödliches Gift. Ganz so wie schon Paracelsus sagte: All Ding' sind Gift und nichts ohn' Gift; allein die Dosis macht, das ein Ding kein Gift ist.



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