Samstag, 22. Januar 2011

BIO FÜR ALLE!

Via kaufkrampf habe ich eine kurze Reportage gefunden, die sich mit der Frage befasst, ob und wenn ja wie "Bio" für die Massen möglich ist. Die 29 minütige Reportage könnt ihr euch hier anschauen.
Angeregt durch den Beitrag möchte ich den Begriff  "Bio" einmal genauer beleuchten und diskutieren? Fakt ist dass ökologische Landwirtschaft in den letzten Jahren stark an Bedeutung und an Relevanz gewonnen hat. Der westliche Lebensstil, wie er von den Massen in den letzten Jahrzehnten geführt wurde, beginnt heute an seine Grenzen zu stoßen, am offensichtlichsten zeigt sich dies im Bereich des Finanzwesens sowie sämtlichen Bereichen, die die Umwelt betreffen. Dadurch rücken Fragen über Nachhaltigkeit immer weiter in den Vordergrund und beginnen auch die Gesellschaftsmitte zu erfassen. Musterbeispiel hierfür ist ist die "Bio-Landwirtschaft".  Zurzeit nutzen 3.803 Unternehmen das deutsche Bio-Siegel auf 61.744 Produkten (laut der offiziellen Internetpräsenz des Bio-Siegels), Tendenz nach wie vor steigend. Die Wachstumszahlen im Biobereich liegen teilweise im zweistelligen Bereich. Es stellt sich also die Frage, ob ökologische Landwirtschaft massentauglich ist.
Die Reportage antwortet auf diese Frage mit einem kritischen "Ja, aber..." (genau wie ich). Bio hat nicht nur Vorteile (größter Nachteil von Bio ist die Einbuße an Produktivität) und es ist auch keineswegs das Allheilmittel aller unserer Probleme, wenn wir in Zukunft auf alles ein Bio-Siegel kleben und uns damit zufrieden stellen; damit ist wenig geholfen. Jedem sollte klar sein, dass das deutsche Bio-Siegel, sowie das EU-Bio-Siegel zwar bestimmte Sachen vorschreiben und der konventionellen Landwirtschaft vorzuziehen sind, aber dass auch sie große Spielräume für im großen Maßstab produzierende Unternehmen zulassen. Es drängen sich Fragen auf wie: Sind intensiv bewirtschaftete Monokulturen noch Bio? Ist ein in einem Dürregebiet (wie in weiten Teilen Spaniens) aufgebautes Riesen-Gewächshaus, das unter enormem Wasser- und Energieverbrauch Bio-Gemüse für den deutschen Markt produziert noch Bio? Sind Mohrrüben aus Neuseeland, die hier in Deutschland verkauft werden noch Bio? Ist ökologisch produziertes Palmöl aus Südamerika noch Bio, wenn für dessen Anbau über Jahrtausende unberührter Regenwald abgeholzt wird?Ist Aquakultur Bio, wenn für die Zucht von 1kg Fisch 13kg Futterfisch verfüttert werden?
Laut Bio-Label, lassen sich alle Fragen mit einem klaren "Ja!" beantworten, denn die angesprochenen Aspekte finden in den herkömmlichen Labels leider keinerlei Beachtung. Was ich (und auch die Reportage) damit veranschaulichen möchte ist, dass die staatlichen Bio-Siegel nur den Anfang und die absoluten Mindestanforderungen an eine ökologische und vor allem nachhaltige Landwirtsaft darstellen. Für mich beginnt Bio beim Siegel (wobei das Siegel einen ersten Anhaltspunkt bietet). Man muss aber (leider) bei jedem Kauf etwas genauer hinschauen und sich schlichtweg informieren. Wer produziert? In welchem Umfang wird produziert? Wo wird produziert? Wann wird produziert? Unter welchen Bedingungen wird produziert (Thema faire Löhne: Leider ist es, wie ich von einer guten Freundin weiß, nicht nur im Ausland Gang und Gebe dass in der Landwirtschaft Menschen ausgebeutet werden, sondern auch hierzulande selbst in der Bio-(sogar demeter) Landwirtschaft oft nur Hungerlöhne gezahlt werden) etc.
Zwangsläufig fordert echter "Bio-Konsum", dass man sich mit der Materie auseinandersetzt. Das mag auf den ersten Blick schwierig und nervig erscheinen - ist es aber keineswegs, wenn man erst einmal angefangen hat. Denn man wird schnell mit ganz tollen Lebensmitteln und menschlichen Kontakten belohnt.
Jeder der mir nicht so ganz glauben mag, dass es sich lohnt, der soll einfach mal beim nächsten Einkauf einen großen Bogen um den Supermarkt machen, auf den nächstgelegenen Wochenmarkt gehen, sich ein wenig umschauen und mit dem ein oder anderen Standbetreiber schnacken.
Ich bin mir sicher, dass Bio für alle möglich ist. Aber erst dann wenn wir bereit sind auch den "Preis" dafür zu bezahlen!

Kommentare:

  1. Hallo,
    so richtig ich die Sache finde, die Du hier erläuterst, aber dann müsste auch dafür gesorgt werden, dass es a) überall Wochenmärkte gibt und b) das Bio-Angebot entsprechend ist. Vieles würde ich schon machen und einiges mache ich ja jetzt auch schon, z. B. nur saisonale Sachen kaufen. Bei mir gibt es im Winter keine Erdbeeren.
    Da ich alleine lebe, kann ich auch nur eine kleine Vorratswirtschaft betreiben. Ich bin aber nicht bereit für einen Bio-Blumenkohl, der sowieso schon mehr kostet, auch noch 4,20 Fahrgeld zu bezahlen. Das würde auch auf die Dauer meinen Finanzhaushalt sprengen.

    Liebe Grüße
    Jutta

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  2. @ Jutta
    natürlich hast du recht mit dem was du sagst. im moment überwiegt natürlich noch der konsum der all die dinge (wie regionalität, saisonalität, bio, fair trade etc.) nicht berücksichtigt. deswegen (und aus vielen anderen gründen) bietet der markt diese dinge natürlich auch nur da wo sich es menschen mehr oder weniger zum lebensinhalt gemacht haben, dafür sorge zu tragen, dass konsumenten genau diese dinge zugänglich gemacht werden.
    und natürlich sollte sich immer alles im rahmen befinden ( in bezug auf dein beispiel mit dem blumenkohl). aber ich denke, das schon viel damit getan ist, wenn man sich einfach etwas mehr mit dem täglichen einkauf und den produkten auseinandersetzt - dann schließt sich der blumenkohl genau wie die erdbeeren quasi von ganz alleine aus :)
    damit liebste grüße aus kiel :)
    mousatchio

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  3. Die Ausdehnung der ökologische Landwirtschaft kann, wie in Schweden, jedoch auch dazu führen, dass mehr ökologisch produziert wird als abzusetzen ist, zumal hier Unterstützungen von staatlicher Seite und Preispolitik von Unernehmern in Konflikt geraten können.
    http://www.nordeuropa-aktuell.eu/2011/01/31/die-industrie-bremst-die-oekologische-landwirtschaft-in-schweden/

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  4. ja ganz sicherlich (wie ich auch in meinem post verdeutlichen wollte) ist wenig damit geholfen einfach zu sagen wie machen ab jetzt 100% (oder noch "mehr") bio und damit sind alle probleme der landwirtschaft und noch alle andern gelöst. so einfach ist die welt leider nicht. aber ich bin mir sicher dass bio eine gute richtung vorgibt und wie eben gesagt erst den anfang vorgibt.
    danke für den link zu dem artikel.

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