Mittwoch, 26. Januar 2011

DOKU: ESSEN IM 21. JAHRHUNDERT / MEINE GEDANKEN

Heute habe ich in dem Sumpf des Fernsehen malwieder eine echte Perle geborgen. Auf Phoenix lief heute von 20:15 - 21:45 die Dokumentation "Essen im 21. Jahrhundert: Mit Hightech auf den Tisch" bzw. Hightech-Forschung der Konzerne gegen Besinnung auf Tradition.
Für mich hielt die Doku erst einmal viele altbekannte Informationen aus meinem Fachgebiet den Ernährungswissenschaften bereit, aber daneben auch einige interessante neue Informationen und Einblicke in den aktuellen und zukünftigen Stand der Dinge. Leider ist die Dokumentation zu diesem Zeitpunkt online nirgends zu finden. Allerdings wird sie morgen noch einmal um 7:15 und um 18:30 wiederholt. Die Doku lief auch schon während der ARD Themenwoche "Essen ist Leben" und auf anderen Sendern, also bleibt zu hoffen, dass sie vielleicht in naher Zukunft in irgendeiner Mediathek auch online verfügbar ist.
Zur Doku:
Es geht um den aktuellen Stand der Forschung im Bereich der Lebensmittel (im weitesten Sinne) sowie um die daraus resultierenden Zukunftperspektiven, alles gut verständlich und nicht zu dröge verpackt. In der Doku werden sehr viele unterschiedliche Bereiche auf sehr neutrale Weise beleuchtet und dem Zuschauer nahe gebracht (z.B. wie Geschmack funktioniert, was ein Chromatograph ist oder warum Ratten dick werden). Am Ende jedes Themas werden die interviewten Personen gerfagt, was sie persönlich denn am liebsten essen.
Ich möchte hier weniger eine Inhaltsangabe oder Ähnliches präsentieren, sondern möchte über einzelne Dinge sprechen, die mir persönlich während der Doku mehr oder weniger bitter aufgestoßen sind.
Da ich selbst vom Fach bin (Student der Ökotrophologie und Koch), war es für mich besonders "interessant" zu sehen, welche Türen mir mein Studium so eröffnet. Die Vielzahl an vorkommenden Berufsfelder in der Doku spiegelt nahezu genau die Fachbereiche meines Studiums wieder - Marketing, Marktforschung, Sensorik, Lebensmitteltechnik, Ernährungsforschung, Landwirtschaft, Aquakultur etc. Für mich war es dann an einigen Punkten umso amüsanter zu hören, wie einige Sprecher von Unternehmen quasi eins zu eins Folien aus PowerPointPräsentation runtergebetet haben, die ich in den ersten Semestern meines Studiums bereits behandelt habe - denn das macht mir dann "Mut", dass das strikte Auswendiglernen (was in meinem Studiengang Alltag ist) einen Sinn gibt und es fast scheint, als müsste man tatsächlich auch nach dem Studium nicht anfangen viel alleine zu denken. Spitze! Oder etwa nicht...
Auch der Koch in mir blieb nicht ungerührt. Ich war wirklich betoffen zu sehen, wohin es den ein oder anderen Sternekoch verschlägt (als wäre das Mainstream-Fernsehen nicht schon schlimm genug). Einer von ihnen arbeitet z.B. bei der Deutschen See (einem der größten Lebensmittelhersteller und Händler im Bereich der Meeresfrüchte) in der Produktentwicklung - sprich er entwirft neue Fertigprodukte für den bestehenden Markt. Es schmerzt, wenn ein ehemaliger Sternekoch mit einer absoluten Überzeugung davon spricht, dass alles "convenienter" wird und schon bald nahezu alle Produkte "ready-to-eat" sein werden und es z.B. im Bereich Fisch kaum noch Frischware geben wird.
Ein anderer ehemaliger Sternekoch  kreiert bei Symrise (einem der weltweit größten Aromahersteller) ebenfalls neue Produkte. Seine Kreativität wird genutzt, um "neue" Geschmäcker auf dem Markt zu etablieren. So bereitet der Koch in der Doku zwei unterschiedliche Tomatensuppen zu und kostet diese anschließend zusammen mit einem "Flavoristen". Achtung: jetzt wird es wirklich absurd! Anschließend versucht der Flavorist, mithilfe von Chromatographieverfahren und dem sogenannten "Sniffing" (dem Erschnüffeln von bestimmten chemischen Substanzen) die Suppe, in ihre grundliegenden Aromakomponenten zu zerlegen und versucht dann wiederum, anschließend eine "Basissuppe" künstlich mit den bestimmten Aromen zu beimpfen. Wenn das Essen der Zukunft so entsteht, wünsche ich schon jetzt einen Guten Appetit!

Zu diesem Zeitpunkt der Dokumentation wusste ich nicht, ob lachen oder weinen soll über die überwiegende Zahl der vorgestellten Trends und Entwicklungen, in denen das Lebensmittel und alles was daran hängt, auf ein Objekt des Marktes degradiert und massiv seinem Wert beraubt wird. Es geht nicht mehr primär um Genuss, Identität, Kultur, Nachhaltigkeit etc. sondern malwieder um Marktanteile, Wachstum, Gewinne, Innovationen etc. Die System beherrscht alles...auch unsere Lebensmittel?
Doch dann am Ende der Dokumentation gab es doch noch ein "Happy-End" für mich - ein kleiner aber feiner Hoffnungsschimmer für den Studenten, den Koch, den Genießer, den Lebensmittelhandwerker, ja den Menschen in mir. Der "Trend" Slow Food wurde erwähnt und in eine Reihe mit den "Großen" gestellt. Für alle, denen Slow Food kein Begriff ist: Slow Food ist ein Verein, der sich im weitesten Sinne dafür einsetzt, dass wir unseren Lebensmitteln ganzheitlich wieder ihren Wert zurück geben und uns wieder besinnen, und zwar auf das was wirklichen Wert hat (wer mehr wissen möchte, sollte einfach mal auf die offizielle Internetpräsenz von SlowFood gehen und sich ein ausführlicheres Bild verschaffen).
Nach diesem Ende der Dokumentation konnte ich nun doch im Positiven diesen Beitrag schreiben und jetzt auch in Ruhe schlafen.

Kommentare:

  1. Danke für diesen Bericht! Ich denke, wir sollten uns auf breiter Basis wieder viel mehr ansehen, was wir unserem Körper zumuten. Wenn man einmal eine Tomatensuppe aus selbstgezogenen Früchten gekocht hat, wollen solche Fertigsuppen einfach nicht mehr schmecken. Egal, was auf der Packung steht, von wegen natürlich etc. Egal, wie man das organisiert, aber Slow Food müsste dann konsequenterweise wieder bedeuten, dass man das meiste, was man verzehrt, aus der Umgebung bezieht und das bedeutet auch manchmal einfacher zu essen.
    Mich stört das nicht besonders, denn wenn die Zutaten natürlichen Ursprungs sind, schmeckt auch das EInfache einfach lecker.

    Liebe Grüße
    Elisabeth

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  2. ich stimme dir ausnahmslos zu elisabeth...

    ... und möchte nocheinmal meine freude darüber ausdrücken das du regelmäßig meinen blog besuchst und dir auch die mühe machst zu kommentieren :)

    leiben gruß vom moustachio

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