Dienstag, 1. März 2011

ABGRÜNDE DER NAHRUNGSMITTELINDUSTRIE

Vor ein paar Tagen habe ich auf ZEIT ONLINE einen sehr lesenswerten Artikel über die Lebensmittelindustrie gefunden, der kurz und knapp darstellt, wie es in selbiger zugeht.
Die Lebensmittelindustrie ist ein hartes Pflaster. Es wird mit allen Mitteln um die Gunst sogenannten Konsumenten gebuhlt. Doch der gemeine Konsument ist relativ einfach gestrickt - Hauptsache billig. Zu diesem Schluss kommt man zumindest, wenn man sich die Umsatzzahlen von Frosta anschaut, nachdem sie ihr Reinheitsgebot (keine Aroma-, Farb-, Konservierungsstoffe, Fisch aaus nachhaltigem Fang etc.) eingeführt haben. Die Preise stiegen - der Umsatz ging massiv zurück und der Verantwortliche wurde entlassen.
„Zwar fordern viele Verbraucher gesunde, wohlschmeckende Nahrungsmittel, sie sind aber nicht immer bereit, dafür einen adäquaten Preis zu zahlen“, sagt Andreas Faahs, als Frosta-Geschäftsführer für die Tiefkühlkost zuständig."

Eine andere gängige Strategie ist die Innovation. Im Supermarkt allerdings selten zu haben. Dafür gibt es eine schier endlose Anzahl an scheinbar neuen Produkten, Kopien und Imitationen, die sich eigentlich nicht von ihren Substituten unterscheiden und dem Verbraucher nur irgendwelche schleierhaften Zusatznutzen (gerade besonders im Trend, bei den Haaren herbeigezogene Gesundheits- und Fitnessversprechen à la Active O2) suggerieren. Kein Wunder, dass 65 Prozent der "neuen" Produkte bereits nach einem Jahr wieder aus dem Regal verschwunden sind.

Um dem Konsumenten das bißchen Geld aus den Täschchen zu ziehen, was er bereit ist für Lebensmittel zu zahlen ("Vom Geld der Konsumenten bekommen Lebensmittelproduzenten immer weniger ab. Nur noch 12 Prozent ihres Budgets geben die Deutschen heute für Nahrungsmittel aus, Ende der siebziger Jahre waren es noch fast 20 Prozent."), wird mit allen Mitteln gekämpft und das Lebensmittelrecht bis aufs Letzte ausgereizt. "Schutz vor Täuschung und Irreführung", einer der Leitsätze des deutschen, wie europäischen Lebensmittelrechts wird da zu einer Farce. Es wird gelogen und betrogen (alles natürlich völlig legal), wo man nur kann. Ob wissenschaftlich nicht belegte Gesundheitsversprechen, widersprüchliche und irreführende Ursprungsbezeichungen oder täuschende Bewerbung von Industriemassenware ("Die Werbung lügt, wenn sie glückliche Kühe suggeriert, die von bärtigen Latzhosenträgern gehütet werden. Keine Kuh wird mehr von Hand gemolken. Kein Almbauer rollt am Morgen den Käse ins Tal, und auch der Maître Chocolatier von Lindt bindet den Schokoladenhasen nicht persönlich die Glockenschleife um. Der Koch ist das Fließband."); alles ist möglich. Mit der Realität haben diese Werbebotschaft und Versprechungen wenig zu tun. Die Supermarkt-Ware kommt aus sterilen, vollautomatisierten Fabrikanlagen, in denen teure Abeitskräfte soweit wie möglich weg rationalisiert wurden.
Frisch gepflückte Champignons in rustikalen Holzkörbchen - eine Illusion. Champignons sind Zuchtpilze, die auf einem Substart aus Mist und Stroh zu Millionen in stockfinsteren Fabriken wachsen. Den Wald gibt es, wenn dann vor den Toren der abgezäunten Fabrik.

Leider sind die Konsumenten so sehr auf den Einheitsfraß aus den Supermarktregalen konditioniert, dass sie, so langsam aber sicher, den guten Geschmack verlieren und so beginnen sich auch in der Gastronomie-Landschaft mit den angesprochenen Produkten zufrieden zu geben oder diese sogar nachfragen und Frisches von echtem Geschmack ablehnen. Jeder Gastronom, der den fragwürdigen Gelüsten dieser Gäste klein bei gibt und künftig zum Dosen- und Pulverkoch wird, begeht ein Verbrechen an seinem Handwerk. Es ist die Verantwortung jedes Gastronomen dem Gast zu vermitteln, was wirklich wertvolle Nahrungsmittel sind und ihn auf höchst sinnliche und anregende Weise zu erziehen. Diese Verantwortung ist heute mehr den je von uns Gastronomen gefragt, um den Wert unserer Nahrung zu bewahren und davor zu schützen vollkommen kommerzialiest zu werden.


Hier könnt ihr euch den ganzen Artikel einmal anschauen.

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