Dienstag, 31. Mai 2011

KAFFEE UND KUCHEN @ HAMBURG

Am Samstag habe ich einen kleinen Ausflug nach Hamburg gemacht. Ich musste dringend malwieder raus aus Kiel, um genauer zu sein, raus aus der gastronomischen Wüste. Ok, es gibt ein/zwei kleine Oasen in Kiel, die mich nicht vollkommen verdursten lassen, aber trotzdem bleibt Kiel eine Wüste.
Also hab ich mich Samstag früh ab in den Zug gesetzt und bin nach Hamburg getuckert. Einen großen Plan habe ich mir nicht gemacht.
Begonnen hat der Ausflug im Eppendorfer Weg 67 bei Black Delight, einer kleinen Kaffeerösterei. Neben selbst geröstetem Kaffee und Espresso, gab es LatteArt auf Cappucino, feines Gebäck, Kekse, Tamper, Sandwiches und allerlei andere Kleinigkeiten.
Für mich gab es einen Amerikano und ein klitze-kleines Küchlein gefüllt mit einer Himbeere und für Zuhause habe ich mir eine 250g Dose Blend No.3 mitgenommen (ein Review dazu folgt selbstverständlich in den nächsten Tagen). Black Delight hat mir sehr gut gefallen! Klein und fein.
Im Anschluss ging es dann einfach den Eppendorfer Weg runter und hin und wieder in ein kleines Feinkostgeschäft rein. An jeder zweiten Ecke glänzte (mal mehr mal weniger) ein Restaurant oder Café. Leider ließen Magen, Hunger, Zeit und Geldbeutel es nicht zu, auch nur ansatzweise alle gustatorisch zu besichtigen.
Das neue diffus angepeilte Ziel war dann das Schulterblatt (Schanzenviertel). Nun ja, ich denke den meisten ist bekannt, dass das Schanzenviertel im Konflikt zwischen "alternativ" und "populär/trendy" steht. Genau das konnte man auch an diesem Samstag hautnah erleben. Im Schulterblatt trifft "hippes Ökobistro", besucht von Lifestyle-Dandys und LOHAS-Muttis, inkl. Baby im passenden "Mägde und Knechte"- Strampler, auf die gegenüberliegende Rote Flora, besetzt von alteingesessenen, mit Pilsette ausgestatteten Alternativen. Krasser könnte der Kontrast nicht sein. Man spürt die schleichende Gentrifizierung geradezu. Ich habe mich ziemlich unwohl gefühlt und war unangenehm berührt, durch die vielen Menschen, die sich mit all dem schmücken wollten, wofür die Schanze steht. Die Atmosphäre im Schulterblatt war einerseits lebendig und authentisch, aber zugleich auch irgendwie künstlich und affektiert. Von all dem blieb dann leider auch, das von mir und meinem Bruder angesteuerte, "Herr Max" nicht ganz verschont. Egal.
Das "Herr Max" ist eine kleine Wahnsinns-Patiserrie. Es gibt Kuchen - unfassbaren Kuchen. Kanadischer Käsekuchen, Rhabarber-Baiser-Torte, Schokomousse-Torte, kleine Kirsch-Rosmarin-Tartes, um nur ein paar wenige zu nennen. Für mich gab es ein Kaffeeheißgetränk und ein Stück Basilikum-Erdbeer-Torte.
Der Herr Max versteht was von seinem Handwerk. Die Torte war geschmacklich, wie handwerklich makellos - einfach toll. So macht es wirklich Spaß.
Einzige Nörgelei meinerseits: ich hätte Zitrone oder Orange anstelle der Erdbeere spannender gefunden, da ich die Kombination Erdbeer-Basilikum schon ein wenig abgedroschen finde (was sicherlich der gemeinen LOHAS-Besucherschaft nicht so geht). So reicht es dann "nur" für eine 1 ohne *.
Neben Kuchen und Torte gibt es bei Herr Max zur Zeit auch (selbstverständlich) selbstgemachtes Eis und allerlei Kleinigkeiten (Marmeladen, Kekse etc.).
Der ganze Laden ist sehr hübsch und ästethisch gestaltet. Einen Einblick könnt ihr auf der Homepage genießen. Wäre der kleine Laden nicht so maßlos überrannt, hätte ich mich aber weitaus wohler gefühlt und wäre vielleicht ein paar Minuten länger geblieben.
Oh und last but NOT least sei erwähnt: Die Damen am Tortenheber und an der Kaffeemaschine sind durch ausgesprochene Schönheit und ansteckende Ausstrahlung äußerst positiv aufgefallen.

Montag, 30. Mai 2011

WEIßE ERDBEEREN A.K.A. PINEBERRIES

Ja, tatsächlich. Diese Erdbeeren sind reif. Es handelt sich um eine "alte, neue" Sorte, die ihren Ursprung wohl in Südamerika hat. Gezüchtet wird sie von Holländern im Gewächshaus und seit einiger Zeit in Großbritannien vertrieben. Hierzulande gibt es sie nicht. Wer sie probieren will, muss über den Kanal oder sich übers Internet Samen bestellen.
Um die möglicherweise entstandene Euphorie zu bremsen: es handelt sich, soweit ich es beurteilen kann, wohl doch mehr um einen gekonnten Marketing-Gag, als um eine geschmackliche Bereicherung. Denn laut mehreren Internetquellen soll das Früchtchen doch weniger, wie behauptet, nach Ananas schmecken und nicht unbedingt durch einen angenehmen oder außergewöhnlichen Geschmack bestechen.
Trotzdem: schön anzuschauen sind die kleinen weißen Dinger ja...
Mehr Infos gibt es hier.

Es lebe die Artenvielfalt... und das Marketing!

Dienstag, 24. Mai 2011

SÜßER SPARGEL

Gestern habe ich endlich die Zeit und den Anlass gefunden, ein kleines kulinarisches Projekt in die Tat umzusetzen, das mir schon einige Zeit durch den Kopf spukt - um genau zu sein, seit die Spargelsaison begonnen hat.
Nachdem ich bereits letztes Jahr den weißen Spargel mit Erfolg verzaubert habe, wollte ich mich diese Saison ein weiteres Mal der Herausforderung stellen. Denn spannend und wirklich herausfordernd finde ich es, Zutaten aus ihren bekannten Sphären zu lösen und anschließend mit naivem Blick neu zu interpretieren.
Im letzten Jahr hieß das, den Spargel seiner Butter, seinen Kartoffeln und seinem Salz zu berauben, um ihn mit weißer Schokolade und Vanille zu schmücken und in Form einer Eiscreme wieder zu erwecken. Das Ergebnis war eine cremige Prüfung für Gaumen und Verstand - nach erster sinnlicher Irritation über die ungewohnte Paarung war aber schnell klar: geiles Eis!

Spargel funktioniert ganz hervorragend in Süßspeisen! Diese neu gewonnene Erkenntnis galt es gestern dann erneut anzuwenden. Die neue Paarung war Spargel und Zitrone - manifestiert als "klassischer" Käsekuchen. Wer mich kennt, weiß (bei aller Bescheidenheit), dass ich einen herausragenden Käsekuchen mache. Das ursprüngliche Rezept, in dem die Zitrone ohnehin schon eine entscheidende Rolle spielt, galt es nur noch leicht abzuwandeln, sprich etwas weniger Quark und Butter, dafür den pürierten und durchs Sieb gedrückten Spargel in die Masse gerührt und den Zitronengeschmack an das Ganze angepasst.
Um dem Ganzen aber noch den letzten Kick zu geben, gab es noch ein grandioses Erdnusseis dazu(nach einem Rezept von David Everitt-Matthias).
Da ich gestern Abend wieder zum wöchentlichen Kino ("No country for old men"  - Wahnsinnsfilm und Javier Bardem ist ein Schauspiel-Gott) geladen hatte, habe die Gelegenheit genutzt und sieben gnadenlose Kritiker mit meinen kulinarischen Auswüchsen konfrontiert. Ein Stück Kuchen und eine Nocke Eis für jeden...Stille...Schweigen.........
Soviel sei gesagt: Trotz der wagemutigen Neuinterpretation waren alle mindestens verzückt und ich unglaublich glücklich, dass mir der Drahtseilakt mit dem Spargel erneut gelungen ist und ich meine Gäste gustatorisch beglücken konnte und durfte - ein gastgeberischer und kulinarischer Erfolg!

Samstag, 21. Mai 2011

Freitag, 20. Mai 2011

DIE MISPEL / ZU UNRECHT VERKANNT

Kaum einer kennt sie. Ich kenne sie, und zwar als Mispel. Eigentlich falsch. Die japanische Wollmispel gehört nämlich gar nicht zur Gattung der Mispeln. Loquat, Nispero, Nespoli...sie hat viele Namen. Bei uns gibt es sie, wenn man sie denn tatsächlich mal bekommen sollte, fälschlicherweise meist als "Mispel".
Egal - für mich zählt nur: es gibt sie und ich hab sie...endlich! Dank meiner Hartnäckigkeit hat der Gemüsestand meines Vertrauens (trotz Unwissenheit um die Frucht) eine feiste 2,5kg-Kiste Mispeln bestellt.
Von einem sehr guten Freund, der an dem Stand arbeitet, wurde ich heute morgen via Telefon über die fantastische Bestellung in Kenntnis gesetzt und konnte so ruckzuck 1,5kg Mispeln zu einem 1a-Preis erstehen.
Mispeln sind gelb/orange, wenn sie reif sind. Tatsächlich mehr ein positives als negatives Reifemerkmal sind die braunen Flecken und Stellen, die die Haut schmücken.
Reife Mispeln sind fest und geben auf Druck leicht nach. Charakteristisch ist der "Katzenpo" an der Unterseite.
Schneidet man die Mispel auf, zeigen sich in ihrer Mitte zwei bis fünf große, harte braune Kerne, umschlossen von einer weißen Haut. Die Kerne einfach rauspuhlen (angeblich sollen auch die Kerne genießbar sein, was allerdings in den nächsten Tagen noch empirisch belegt werden muss).
Jetzt steht dem Genuß nur noch die Schale bzw. Haut im Wege. Diese lässt sich aber ganz sauber und mühelos vom Fruchtfleisch abziehen.
Nun zum Wesentlichem, dem Geschmack: Das Fruchtfleisch hat eine unbeschreiblich samtige, weiche Konsistenz. Zerdrückt oder zerkaut man das Fruchtfleisch wird der Mundraum von einer spannenden Saftigkeit erfüllt, fast so als würde das Fruchtfleisch zerfließen. Das Aroma der Mispel ist sehr zart, eine fruchtig-spritzige Säure wird umschwärmt von einer unaufdringlichen Süße. Konsistenz und Aroma verschmilzen zu einer Erfrischung, die ich so von keiner anderen Frucht kenne. Der Geschmack erinnert entfernt an Apfel, Orange und Aprikose.
Was bleibt ist die Vorfreude auf den Sommer...

Samstag, 14. Mai 2011

RHABARBER-HIBISKUS-CRUMBLE

Rhabarber mariniert mit Hibiskus, Vanille-Zucker, Crème de Cassis und Limoncello.
Crumble gecrumblt und vorgebacken.
Marinierter Rhabarber und Crumble vercrumblt und gebacken.
Mit zermörsterten Hibiskusblüten bestreut.
 

Montag, 9. Mai 2011

GEDANKENGUT LIII

"Aus großem Genuß folgt große Verantwortung."
Moustachio

Freitag, 6. Mai 2011

FETTGULASCH

1,6 kg Querrippe vom Limousin-Rind...
...gewürfelt...
...extrem durchzogen von schmackhaften Fettadern (-nicht Äderchen)...
...angeröstet...
...zu einem kräftig-deftigen Gulasch abgeschmeckt...
...und das Ergebnis nach 2 Tagen geschmeidigen Schmorens...
...und im kalten Zustand mit 1cm dickem Fettdeckel...
...YUMMY !

P.S. das Fleisch habe ich am Mittwoch bei der Hofschlachterei Muhs auf dem Wochenmarkt gekauft (Exerzierplatz)

KOOPERATION UND KAFFEE

Schon wieder ein Espressoexkurs? Ja, schon wieder. Espresso bleibt nach wie vor ein großes Thema in meinem Alltag. Daher auch die hohe Dichte an "Espresso-Posts". Aber nicht, dass hier der Eindruck entsteht, der feine Herr Moustachio schlürft den ganzen Tag nur Espresso und denkt nicht mehr nach/mit. Auch beim Espresso gibt es einige Dinge, die neben dem Geschmack zählen und die es zu beherzigen gibt!
Zu diesem Zwecke (neben dem Genuß) sei der" Ecuador Valle de Intag Single Origin" von Axel Datschun in Kooperation mit Quijote Kaffe vorgestellt.
Mein Standard-Espresso ist nach wie vor der LapuLapu. Aber ich bin selbstverständlich regelmäßig für neue Geschmackswelten zu haben. Nach dem Probierpaket von Parrottacaffé habe ich kürzlich noch zwei andere Espressi von Axel probiert. Leider habe ich es versäumt Notizen zu machen und das Ganze zu dokumentieren und mein gustatorisches Gedächtnis gibt nicht mehr genug Informationen für ganze Posts her. Aber beim "Valle de Intag" den ich bis letztes Wochenende in meiner Mühle hatte, sind noch genügend Eindrücke abgespeichert und visuelle Dokumente sind, wie man sieht, auch vorhanden.
Auf dem Foto wirkt die Bohne heller, als sie schmeckt (und geröstet ist). Nuss, Schokolade, Erde, Kraft aber unglaublich geschmeidig und mit einer unerwarteten Subtilität. Über die Säure herrschte Uneinigkeit. Meine Meinung: wenig Säure. Andere Meinungen: viel Säure.
video
Klarkeit dafür bei der Konsistenz: Ölig, cremig, hochviskos  - quasi keine wässrige Phase. Aber nicht so plump, wie beim Gran Crema - viel feiner und zarter. Spannender Espresso. Aber der Standard bleibt LapuLapu: weil vielschichtiger und spritziger.
Wer Lust hat noch mehr über den "Valle de Intag" zu sehen/lesen, sollte einfach mal beim Loppokaffeeexpress reinschaun.
Soviel zum sinnlichen Genuß.

Jeder trinkt Kaffee-Getränke, aber kaum einer macht sich bewusst, was oft hinter der dunklen Bohne steckt - Ausbeutung, Kinderarbeit, Sklaverei, Korruption, Umweltschäden - konventioneller Kaffee ist quasi die Karikatur eines undurchsichtigen, zerstörerischen und menschenfeindlichen Kapitalismus. Trotzdem in aller Munde. Wer diesen unhaltbaren Status Quo als in Stein gemeißelt akzeptiert, ist ein Ignorant.
Es gibt Gegenkonzepte basierend auf Vertrauen, Nähe, Begegnung und Ehrlichkeit. Und dazu sind nicht immer funkelnde Label nötig, mit denen man sich heute gerne schmückt. Es geht auch ohne.

Genau so macht es die kooperative Kafferösterei Quijote Kaffee. Direkt gehandelter und natürlich (quasi "Bio") angebauter Kaffee von ausgewählten, basisdemokratisch organisierten Kooperativen in Spitzenqualität, zu vollkommen adäquaten und vor allem fairen (!) Preisen.  Keine Label, Kein "SchiSchi". Stattdessen lückenlose Transparenz und Offenheit im Stile von OpenSource. Quijote Kaffee bietet eine 100% Rückverfolgbarkeit vom Ursprung bis zur gerösteten Bohne. Das gesamte Know-How (wie z.B. Blendzusammenstellungen und Röstparameter) steht frei zur Verfügung. Kaufverträge der einzelnen Kooperativen sind online einsehbar. Wem das nicht reicht, kann auch zusammen mit Quijote Kaffee auf Reisen gehen und den Ursprung der Bohnen selbst und hautnah entdecken.

Das eigentliche Handwerk von Quijote Kaffe ist die Kaffeeröstung. Geröstet wird handwerklich und in kleinem Maßstab. Neben dem "Standard"-Sortiment definiert sich Quijote Kaffee vor allem durch Kooperation mit anderen namenhaften Röstern. Wobei das Ziel dieser Kooperationen der Austausch in der Szene und die daraus resultierende Förderung der Kultur der Spitzenkaffees ist - in die Tat umgesetzt, heißt das ganze dann "X-Roasting".

Landwirtschaft, Handel, Handwerk, Genußkultur unbeschwert und mit viel Leidenschaft vereint. Das ist für mich der Charakter der dunklen Bohne!

Wenn ihr wissen wollt, ob die Lobeshymne gerechtfertigt ist, empfehle ich euch einfach mal Quijote Kaffees Internetpräsenz zu besuchen oder bei der Black Pirate Coffee Crew (ein weiteres beachtenswertes Projekt) das Probierpaket von Quijote-Kaffee zu bestellen.