Freitag, 20. Mai 2011

DIE MISPEL / ZU UNRECHT VERKANNT

Kaum einer kennt sie. Ich kenne sie, und zwar als Mispel. Eigentlich falsch. Die japanische Wollmispel gehört nämlich gar nicht zur Gattung der Mispeln. Loquat, Nispero, Nespoli...sie hat viele Namen. Bei uns gibt es sie, wenn man sie denn tatsächlich mal bekommen sollte, fälschlicherweise meist als "Mispel".
Egal - für mich zählt nur: es gibt sie und ich hab sie...endlich! Dank meiner Hartnäckigkeit hat der Gemüsestand meines Vertrauens (trotz Unwissenheit um die Frucht) eine feiste 2,5kg-Kiste Mispeln bestellt.
Von einem sehr guten Freund, der an dem Stand arbeitet, wurde ich heute morgen via Telefon über die fantastische Bestellung in Kenntnis gesetzt und konnte so ruckzuck 1,5kg Mispeln zu einem 1a-Preis erstehen.
Mispeln sind gelb/orange, wenn sie reif sind. Tatsächlich mehr ein positives als negatives Reifemerkmal sind die braunen Flecken und Stellen, die die Haut schmücken.
Reife Mispeln sind fest und geben auf Druck leicht nach. Charakteristisch ist der "Katzenpo" an der Unterseite.
Schneidet man die Mispel auf, zeigen sich in ihrer Mitte zwei bis fünf große, harte braune Kerne, umschlossen von einer weißen Haut. Die Kerne einfach rauspuhlen (angeblich sollen auch die Kerne genießbar sein, was allerdings in den nächsten Tagen noch empirisch belegt werden muss).
Jetzt steht dem Genuß nur noch die Schale bzw. Haut im Wege. Diese lässt sich aber ganz sauber und mühelos vom Fruchtfleisch abziehen.
Nun zum Wesentlichem, dem Geschmack: Das Fruchtfleisch hat eine unbeschreiblich samtige, weiche Konsistenz. Zerdrückt oder zerkaut man das Fruchtfleisch wird der Mundraum von einer spannenden Saftigkeit erfüllt, fast so als würde das Fruchtfleisch zerfließen. Das Aroma der Mispel ist sehr zart, eine fruchtig-spritzige Säure wird umschwärmt von einer unaufdringlichen Süße. Konsistenz und Aroma verschmilzen zu einer Erfrischung, die ich so von keiner anderen Frucht kenne. Der Geschmack erinnert entfernt an Apfel, Orange und Aprikose.
Was bleibt ist die Vorfreude auf den Sommer...

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