Donnerstag, 13. Oktober 2011

GEDANKENGUT LVII

"Eines der größten Probleme unserer Zeit ist gerade die Unfähigkeit zwischen Preis und Wert zu unterscheiden, vor allem wenn es um Lebensmittel geht. Wir verlangen nämlich, dass das Essen wenig kostet, immer weniger und das übermäßig viel davon produziert wird. Wir machen einen Aufstand, wenn Zucchini ein paar Cent pro Kilo teurer werden, nehmen aber einfach hin, dass die Handytarife steigen oder dass eine Designerunterhose ein Vermögen kosten kann. Das führt dazu, dass wir schlecht essen: Wenn das Essen keinen Wert hat, hat es auch keine Qualität mehr, verliert jede Bedeutung und jeden Bezug zu den Menschen und deren Verhältnis zur Natur. Lebensmittel kann man dann leichtsinnig verschwenden., ohne Reue. Die Leistung derjenigen, die gearbeitet haben, um sie zu produzieren spielt keine Rolle mehr, ebenso wenig wie das ökologische Gleichgewicht der Region, in der sie hergestellt wurden und nicht zuletzt die Tatsache, dass sie anderen Menschen den Hunger stillen würden. (...) Wenn wir uns empören, weil so viel verschwendet wird,  dann müssten wir uns auch über die Art und Weise empören, wie unsere Lebensmittel behandelt werden, vom Feld bis zum Supermarktregal. Ich glaube, nichts zeigt besser als die Lebensmittelverschwendung, welches Niveau des Wahnsinns dieses System, das leider in den letzten Jahrzehnten immer globaler geworden ist, erreicht hat. Diese Verschwendung steht für all die Probleme, die mit dieser grenzenlosen Kommerzialisierung und Entwertung verbunden sind."
Carlo Petrini im aktuellen SlowFood-Magazin (05/2011) zum Thema Lebensmittelverschwendung

Kommentare:

  1. Word!
    Viele gute Gedanken auf den Punkt gebracht. Die Kombi Preis/Wert ist in unserer Gesellschaft tatsächlich sehr eng miteinander verflochten. Das pervertierte Gegenbeispiel dazu lieferte der Nestlé Kopf Peter Brabeck-Letmathe im Film "Feed the World": Trinkwasser müsse, damit wir seinen Wert schätzen lernen, einen Preis erhalten (hier).

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  2. Ja, der Carlo bringt es immer wieder ziemlich gut auf den Punkt.
    Und auch der Brabeck hat in We feed the World den perversen Mechanismus der Konzerne schamlos auf den Punkt gebracht!

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