Donnerstag, 15. Dezember 2011

THE SPRIT OF WEIHNACHTEN

Nach meinem etwas kurz ausgefallenen Nikolausgruß möchte ich doch nochmal ein wenig besinnliche Stimmung verbreiten. Denn meinen heutigen Abend habe ich genutzt, um den alljährlichen Glühwein zu "kochen". Ich sag mal: Besser spät als nie. Dieses Jahr habe ich von 3,5 Litern auf 5 Liter aufgestockt, weil die Resonanz im letzten Jahr durchaus positiv ausgefallen ist und ich so mehr verschenken bzw. selber trinken kann.
Bevor ich zur Zubereitung komme, kann ich es mir leider wieder einml nicht verkneifen, kurz etwas zum Status Quo in Sachen gemeiner Glühwein zu sagen. Wie so oft ist das, was meist als Glühwein zur kalten Jahreszeit ausgelobt wird, nicht unbedingt das, was dem Namen gerecht wird. Denn leider ist es häufig ein industrielles Produkt, das fertig gekauft wird und bei dem eher auf Quantität statt Qualität Wert gelegt wird. Das gilt dann leider für die Gewürzmischung wie auch den Wein an sich. Genauso bei dem "selbstgemachten" Glühwein, den man in vielen Gastwirtschaften oder auf dem hiesigen Weihnachtsmarkt kaufen kann. Hier ist meist nur der Maßstab ein anderer und Gewürz und Wein werden eben selbst gemischt und im schlimmsten Fall aufgekocht. Geschmacklich kommen diese Glühweine dann auch leider recht plump und überwürzt daher und werden gern zu heiß gemacht und ausgeschenkt. Nun ja, aber ich will nicht meckern, sondern es selber machen und zwar so wie ich es mag und für richtig halte. Und zwar folgendermaßen in diesem Jahr.
Zunächst gilt es die Gewürze sorgfältig auszuwählen und eine Grunddosis festzulegen, bei der beachtet werden sollte, welche Gewürze welche Rolle spielen und wie sie aufeinander abgestimmt sein sollen. Ich habe mich entschieden für Anis, Cardamom, Orange (Schale wie Saft) und Piment im Vordergrund. Dazu kommen noch Tonkabohne, Vanille, Zimt, Pfeffer und Hibiskus. Und eher dezent eingesetzt habe ich Macisblüte, Wacholder, Ingwer, Zitronenschale und Fenchel. Die trockenen Gewürze habe ich zunächst grob im Mörser zerstoßen und im Anschluss die "feuchten" dazu gegeben und mit zerstoßen.
Den Anfang sollte bei einem guten Glühwein ein dunkler Karamell machen. Also habe ich zunächst etwas Zucker karamellisiert und bei dunkler Bräunung mit dem Saft der Orangen abgelöscht. Nachdem der Zucker sich gelöst hat, habe ich den Wein (einen schlichten Portugiesen, der aber durchaus auch als Wein an sich äußerst trinkbar ist) in den Topf gegeben (leider nur 4,5 Liter, da mein größter Topf nicht mehr fasst). Der Rest musste ich dann so "vernichten".
Im Anschluss habe ich die ganze Gewürzmischung in den Topf gegeben und den Ansatz langsam auf Temperatur gebracht. Ich denke mit rund 70°C und geschlossenem Topfdeckel, ist der Wein heiß genug, damit sich die Aromen aus den Gewürzen langsam lösen können und natürlich der schöne Alkohol aus dem Wein nicht verdampft. Tjoa - im Grunde genommen war das schon fast die ganze "Arbeit".
Denn jetzt heißt es nur noch einige Zeit (1-2 Stunden mindestens, gerne länger) warten und ziehen lassen. Nach der ersten Stunde lohnt es sich den Ansatz zu probieren, um einen Eindruck zu bekommen, wie die Gewürze tatsächlich mteinander spielen und gegebenfalls nochmal in die ein oder andere Richtung nach zu justieren (Ich habe nochmal mit Anis, Cardamom und Hibiskus nachgewürzt).
Abfüllen werde ich das Tröpfchen erst morgen früh vor der Arbeit, damit der Wein noch in Ruhe über Nacht Aromen ziehen kann.
P.S. wie dem aufmerksamen Kulinarier aufgefallen sein mag, fehlt in meiner Gewürzmischung die Nelke. Die habe ich nämlich zunächst vergessen und habe sie erst nachträglich zugegeben, als ich zufällig meinen Auflauf für morgen vorbereitet habe und die göttliche Eingebung bekommen habe, den Auflauf mit Thmiyan und Nelke zu würzen. Eine unfassbar geile Komibination.
P.P.S. Morgen berichte ich dann vom Geschmack des Weins und des Auflaufs.

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