Sonntag, 9. Dezember 2012

ERSTER BERLINER RINGBRUNCH

Die Bahn wird ja in Berlin gerne und viel für allerhand Zwecke missbraucht. Der eine will etwas verkaufen, der andere will für musikalische Darbietungen jeglicher Art entlohnt werden und der nächste bittet einfach nur freundlich, einen ganzen Zugwagon ansprechend, um eine kleine Spende. Alles schön und gut, aber wollen wir unseren (halbwegs) öffentlichen Raum nur so genutzt sehen? Warum bringen wir nicht ein wenig Leben in die tristen Wagons? Und das ohne dem lieben Mammon zu huldigen. Genau das haben wir heute versucht und erreicht! Wir haben den ersten Berliner Ringbrunch veranstaltet. Ringbrunch? Das heißt ganz einfach treffen am Ostkreuz, zusteigen in die Ringbahn, Buffet aufbauen, Tabletts in die Hand und feine, selbstgemachte Leckereien an die Leute verteilen.
Nicht des Geldes halber, sondern einfach des Genusses halber!
Einige waren skeptisch, andere neugierig, wieder andere konnten gar nicht genug bekommen und haben sich komplett satt gefuttert. Da wir (ca. 20 junge Foodies) reichlich gekocht und gebacken haben, war das auch kein Problem, sondern nur gern gesehen. Die Begeisterung stand allen Probierenden ins Gesicht geschrieben.
Ob jung...
...oder alt; allen schmeckt es!

Das kleine improvisierte Buffet.


Die Ringbrunch-Truppe
Auch für uns war es eine tolle Pilot-Aktion und wir werden zweifelsohne schon sehr bald zum zweiten Ringbrunch antreten und das bahnfahrende Volk mit regionalem, saisonalem, selbstgemachtem Essen beschenken.

(Mein Beitrag zum Ringbrunch waren übrigens einerseits überbackene Rosmarin-Rosinen-Brötchen mit Rosenkohl und karamellisierten Haselnüssen und andererseits schön blättrige Mürbeteig-Creme-Schnecken gefüllt mit Birne, Vanille und Kardamom.)

Samstag, 8. Dezember 2012

TEASER / RINGBRUNCH



Donnerstag, 22. November 2012

AKTION EI CARE

Da direkt um die Ecke gelegen, bin ich am Samstag mal über den Heldenmarkt, die Messe für nachhaltigen Konsum, gelaufen. Über den Heldenmarkt selbst möchte ich aber gar nicht berichten. Sondern lediglich über das Regionalprojekt Zweinutzungshuhn - Ei Care, das auf dem Markt mit einem winzigen, unauffällgen Stand vertreten war.
Bei dem Projekt geht es darum, eine Hühnerhaltung zu realisieren und zu etablieren, die nicht, wie es vom Markt gefordert wird, auf extreme Legeleistung bzw. Mastleistung mithilfe von "High-End"-Hybridrassen fixiert ist, sondern versucht eben Eierproduktion und Fleischproduktion unter einen Hut zu bringen. Das heißt männliche sowie weibliche Küken der selben Rasse werden gemeinsam aufgezogen.
Für dieses kühne Vorhaben wird eine blaufüßige, französische Hühnerrasse, mit dem Namen "Les Bleus" (unter Feinschmeckern auch bekannt als Bresse-Huhn) genutzt. Die Hühner werden in kleinen Herden, selbstverständlich ökologisch, im Berliner Umland gehalten und sollen kleineren landwirtschaftlichen Betrieben eine Möglichkeit geben, sich gegenüber konventioneller Eier- und Hühnerproduktion abzugrenzen. Ich hatte leider noch nicht die Gelegenheit, das Fleisch zu probieren (die Eier nehme ich beim nächsten Einkauf auf jeden Fall mal mit), aber es soll einen deutlich prägnanteren Geschmack haben und durch eine dunklere Fleischfarbe überzeugen, als konventionelles (geschmacklich neutrales) Hühnerfleisch.
Die Eier und das Fleisch sind in ausgewählten Bio-Märkten in Berlin und Brandenburg zu haben. Preislich liegen die Produkte etwas über dem "Bio-Standard", was nachvollziehbar und sicherlich vollkommen berechtigt ist. Wer rückverfolgen will, woher seine Eier oder sein Fleisch stammen, der erfährt dies auf Bio-mit-Gesicht. Alle Stufen von der Futtermittelerzeugung, über die Haltung, bis zur Schlachtung sind regional organisiert und vollkommen transparent.
Das Projekt wurde initiiert von Naturland und wird unterstützt von Terra Naturkost.
Danke an Paulina für das tolle Gespräch und die Informationen.
(Für Freunde der bewegten Bilder)

Freitag, 16. November 2012

ZUHAUSE ANGEKOMMEN . . . IN BERLIN / TRES CABEZAS

Seit gut einer Woche wohne ich jetzt in Berlin und seit gestern Abend kann ich sagen: Ich bin angekommen! Der Stress des Umzugs hat sich gelegt, Zimmer und Küche sind eingerichtet und ich beginne mich in meinem neuen Kiez so langsam zu orientieren. Bei meinem alltäglichen Kiezerkundungs-Spaziergang habe ich gestern am frühen Abend das Tres Cabezas ausfindig gemacht, wo es geilsten Kaffee und aufgemotzte Maschinen gibt. Nach bisher eher mittelmäßigen Espressi von Blaue Bohnen in der eigenen Mühle und einem geschmacklich unterdurchschnittlichen aber preislich überdurchschnittlichen (freche 2,20€) Espresso im Barcomi's, habe ich endlich eine unmittelbare Anlaufstation für sämtliche Espresso- und Kaffee-Themen direkt um die Ecke im eigenen Kiez gefunden. Denn jedesmal wenn ich ne Bohne brauche, extra nach Prenzlauer Berg oder Mitte fahren, ist ja nicht das Gelbe.
Zurück zu Tres Cabezas: Vor Ort habe ich einen Berlin Gold getrunken. Der war echt verdammt gut. So richtig 1A. Zarte Säure, wenig Frucht aber ordentlich Bums. Die junge Dame hinterm Tresen war etwas schroff, aber stets kompetent und zuvorkommend. Für Zuhause habe ich mir noch 250g von einem Single Origin aus Honduras mitgenommen. 5,90€  bei Fairtrade und Bio-Qualität sind echt ein feiner Preis - ach und der Espresso-Shot hat sage und schreibe einen lächerlichen Euro gekostet.
Der Honduras (geröstet am 11.11 - perfekt) überzeugt Zuhause durch feine Süße und etwas eigenwillige Säure, die (bei etwas zu starker Extraktion) einen Drang zur Dominanz besitzt.
Wie auch immer...will sagen: ich fühle mich hier pudelwohl und bin gekommen, um zu bleiben!

Sonntag, 28. Oktober 2012

SO MUSS APFEL - TOPAZ

Dass Topaz mit Abstand mein Lieblingsapfel ist, das steht schon seit einigen Jahren fest, aber vor ein paar Tagen wurde genau das abermals bestätigt. Der jahreszeitliche Sommer ist ja nun endlich vorbei und macht dem "kulinarischen Sommer" Platz. Denn jetzt ist die Zeit, zu der es die großartigsten Dinge gibt - Äpfel, Pflaumen, Kohl, Kohl, Kohl, Bohnen, Bete, Kohl, Kürbis, Schwarzwurzeln etc. und alles aus der direkten Umgebung. Heute soll es hier aber nur um den hiesigen Apfel gehen. Um genauer zu sein, um die Sorte Topaz. Den ganzen Sommer über esse ich Erdbeeren, Mispeln, Himbeeren, Kirschen etc., um die apfelfreie Zeit zu überstehen. Hin und wieder gibt es unter Umständen auch einen gelagerten Apfel, der aber meist nur eine Karikatur seiner Selbst ist und wieder zum Warten animiert.

Die Zeit der meist etwas eigenwilligen Frühäpfel ist jetzt überstanden und es gibt inzwischen wieder die richtigen, geilen Äpfel aus dem Umland. Für mich hat der "kulinarische Sommer" imposant mit dem Biss in einen Topaz vom Obsthof Mehrens begonnen. Äußerlich überzeugt der Apfel mit einem authentischen Chic: ehrliche Färbung, schorfige Zeichen der harten Witterung und teilweise relativ freie Formen, ganz im Stile des Obsthofs Mehrens einfach. Nicht ansatzweise so Hochglanz-Bio-Models wie beim Biohof Großholz. Understatement ist hier Phase - es kommt schließlich auf die inneren Werte an.
Im Moment des ersten Bisses oder Schnitts kann man sofort Spüren, wie prall und fest das Fleisch des Apfels ist. Es strotzt nur so vor Saft und droht fast zu zerbersten. Ich wage zu behaupten, es handelt sich um die Perfektion der Sorte Topaz.

Kräftige, schon fast moussiernde Säure, die die Süße elegant in den Schatten stellt, aber keineswegs dominert. Unter den Augen beginnt man säurebedingt ganz leicht zu Schwitzen. Wie sinnlich und sexy! Tolle klare Aromen die wirklich eindrucksvoll intensiv "apfelig" und "ananasig"sind. Das Fleisch zerkaut sich wunderbar und wird nicht mehlig oder faserig, sondern zerfließt einfach und zeigt sich geschmacklich äußerst zurückhaltend. Was bleibt, ist der herbe Geschmack der Schale, der subtil an den Duft von frischem, herbstlichem Laub und Waldpilzen erinnert, aber ebenso schnell verschwindet, wie er sich ausgebreitet hat.
So muss Apfel...

Dienstag, 9. Oktober 2012

RADISCHEN UND MOHN

Letztens als ich mir über mein Mittagessen der kommenden Tage Gedanken gemacht habe und ein Bund Radischen in der Hand hielt, musste ich, ich weiß nicht genau warum, an Mohn denken. Die Idee war verwegen, aber musste dringend erprobt werden. Das Setup sah wie folgt aus: einige Radischen, eine Tüte Blaumohn, Salz und Honig.
Für die ersten Versuche habe ich Scheiben (optimale Stärke war ca. 5mm) von den Radischen geschnitten und mit einer Schnittseite in Blaumohn getunkt. Bei den folgenden Scheiben habe ich die panierte Radischenscheibe noch mit Salz bestreut bzw. mit ein wenig Honig bestrichen. Zunächst zu der Kombination von Radischen und Mohn: Die erdigen Aromen ergänzen sich wunderbar und verschmilzen fließend miteinander. Der Biss des Radischen dominiert den ersten Moment, wird aber sofort durch die Körnung des Mohns verfremdet und abgelöst. Anfangs ist vor allem der Geschmack des Mohns präsent, bis die Struktur des Radischen aufgeschlossen ist und der Radischen-Saft sich im Mund verteilt und fließend die Führung übernimmt. Nachdem das Radischen aufgekaut ist, verflüchtigt sich sein Geschmack langsam und der Mohn übernimmt wieder, da immernoch reichlich Körner irgendwo im Mund versteckt sind und zerkaut werden.
Was für ein Akkord!
Das Tunen mit Salz und einer Winzigkeit Honig macht das Ganze noch runder und geschmacklich angenehmer, insofern Honig und Salz sich im Hintergrund bewegen und nicht von dem eigentlichen Akkord ablenken.
Um es nicht beim rudimentären Versuchsaufbau zu belassen, habe ich anschließend noch einen kleinen Salat mit den Zutaten gemacht. Hinzu kam noch ein Spritzer Essig (leider war es ein Spritzer zuviel). Auch in der Form eines Salat, die der des Versuchsaufbaus ja sehr ähnlich ist, funktioniert das Ganze prächtig. Allerdings muss der Salat, direkt nachdem er angemacht wurde, gegessen werden, da die Radischen (aufgrund von Osmose) sofort Flüssigkeit lassen und labberig werden.

Montag, 2. Juli 2012

LEBENSMITTELVERSCHWENDUNG / LEBENSMITTEL 2TER KLASSE

Als ich heute auf dem Wochenmarkt mein Gemüse kaufen wollte, wurde ich mal wieder mit dem ganzen Wahnsinn unserer Lebensmittelproduktion konfrontiert, aber ebenso ermutigt, dass es auch anders geht. Als ich am Stand vom Obsthof Mehrens Kohlrabi nachfragte, bot mir die Verkäuferin prompt statt des "einwandfreien" Kohlrabis einen gesprungenen zum halben Preis an. Verwundert über das Angebot, erklärte sie mir, dass wegen des vielen Regens in letzter Zeit viele Kohlrabis so aussähen. Im herkömmlichen Handel wären solche Unarten absolut unduldbar und das Gemüse würde noch auf dem Acker liegen gelassen und dort verrotten oder einer sonstigen niederen Bestimmung zukommen. Ich hingegen war höchst erfreut, dass dies hier nicht der Fall war, sondern ich die Möglichkeit bekam dieses Gemüse zu kaufen und wertzuschätzen. Halber Preis hin oder her.
Am selben Stand war ich dann noch Zeuge einer amüsanten Situation. Neben mir verlangte eine Mutter ein Bund Möhren, woraufhin der kleine Sohn voller Leid zu weinen anfing und schluchze: "Aber Mama ich mag doch keine Möhren!" Aus Solidarität zu dem kleinen Mann habe ich übrigens keine Möhren gekauft!
Also Obacht beim Gemüsekauf!

Sonntag, 24. Juni 2012

GEDANKENGUT LV

"Die Annahme, scheint's, ist diese: Es ist eine Espressomaschine, es ist eine Espressokaffeemischung, und was aus der Maschine kommt, ist konsequenterweise Espresso. Diese Kombination von Analogien und vermeintlichen Kausalitäten ist wohlfein, aber sie führt nicht zu genießbaren caffé. Und wer niemals einen korrekt zubereiteten Espresso gesehen, angeschaut, beobachtet, gerochen, geschwenkt, getrunken hat, fragt eben nicht nach ihm - ein Teufelskreis, denn woher soll der Kaffeetrinker an der Bar wissen, was er bekommen könnte und woher soll der Barmann wissen, dass der Kunde es gerne hätte, wenn er denn wüsste, was er gerne hätte? Dabei ist die einfache Exposition nicht hinreichend. Es bedarf häufiger Begegnungen mit dem Getränk, einer ganzen Reihe von sensorischen Erfahrungen und einer daraus erwachsenden Vertrautheit mit dem Wesen der Substanz. Es ist kein Lehrgang nötig, um die Materie "Espresso" einschätzen zu lernen, aber Kontinuität.
Doch Kontinuität ist teuer hierzulande. Nicht, dass hohe finanzielle Investitionen zum Erfolg führten, oft ist es sogar die billigste Tasse beim Schmuddelitaliener, die den Aficionado befriedigen kann, während hochpreisige Coffee Shops nicht selten und für den bald doppelten Preis kleine Tässchen mit flüssigen Beleidigungen hinstellen. Teuer ist die Erfahrung oder - die kulturell bedingte Gewohnheit. Beide sind soagr unbezahlbar. Es soll davon ausgegangen werden, dass sie vermittels scheinbar unterschiedlicher Voraussetzngen zum selben Ergebnis führen können: dem perfekten caffé. Dabei ist die Perfektion kein Endpunkt, an dem man sich ausruhen kann - sie ist eine Anstrengung. Ob aus einer Suche heraus oder aus einer angeblichen Selbstverständlichkeit, ganz egal: Kontinuität bedeutet auch hier ein Verweilen bei den Unterschieden, das heißt den Varianten - so fühlt sich Virtuosität an. Um sie zu erreichen, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein.
(...)
Weil nun in Deutschland die Espressozubereitung in den meisten Fällen stark an der Geschmackswahrnehmung des Filterkaffees orientiert ist, finden viele das Getränk vermeintlich "zu stark", "zu bitter", "zu sauer", in jedem Falle "zu" irgendwas. Ein Liebhaber der kleinen, süßen, schwarzen, von mönchskuttenfarbener Creme bedeckten Flüssigpraline wird wohl kaum verstehen, wozu jemand Milch auf den Espresso geben sollte. Und doch - Milch kann ein effizienter Puffer für den grausigen "zu"-Geschmack des hierzulande als Espresso verkauften Produkts sein. Sie haben recht - alle, die sagen, er sei "zu" was auch immer. Er ist es: einfach "zu" schlecht. Aber wer dem "richtigen" Espresso ein paar Male begegnet, der wird mit großer Wahrscheinlichkeit in Zukunft keinen Gedanken mehr an Milch verschwenden."
Auszug aus: Jonas Fansa - Caffé espresso: Poesie oder Technokratie? im Journal Culinarie No. 4

Montag, 18. Juni 2012

KKK - DIE FISCHBAR KIEL

Mannoman. Ich geb zu, das Bloggen kommt in letzter Zeit doch arg kurz. Arbeitnehmertum, vermehrt gutes Wetter und sonst so allerlei Schabernack fordern ihren Tribut. Und das obwohl mir eigentlich schon das ein oder andere Berichtenswerte auf der Kante liegt. Ganz ganz vorne an die Fischbar - Ich glaube inzwischen schon über einen Monat alt und nach wie vor einer der Geheimtipps im beschaulichen Kiel.
Das junge Zweiergespann, Daniel und Philipp, hat das Ding mit einem guten Jahr Planungsphase auf den Weg geschickt und die beiden hauen richtig auf die Kacke. Mit einem der geilsten Standorte, direkt neben dem 24/7 Camp, haben die beiden mit ein wenig Unterstützung eine derb geile Fischbude zusammengeklöppelt. 
Zu Essen gibt es, ohne mich auch nur im geringsten zu weit aus dem Fenster zu lehnen, die geilsten Fischbrötchen der Stadt, wenn nicht gar des Landes.
Links: Lachsbrötchen in alternativ Variante, Rechts: Fischfrikadelle im Brötchen
Aktuelles Standardprogramm (ohne das Lachsbrötchen)
Ich habe bisher den Goldrauch-Matjes, die Fischfrikadelle im Brötchen, das Lachsbrötchen (es ist tatsächlich DAS Lachsbrötchen: mit unglaublich geilem kaltgeräuchertem Zuchtlachs direkt aus Norwegen in einem unfassbaren Maisbrötchen, das Backerei Günther exklusiv hergerstellt, schmierig gemacht mit etwas Remo und Honig-Senf-Sauce) und den Backfisch mit bunten Pommes (gelbe, lila und rote Bio-Kartoffeln selbst geschnibbelt und direkt aus der Fritte) und der jetzt schon legendären Remoulade genossen. Kleiner Hinweis an dieser Stelle: wer den Backfisch mit Pommes möchte sollte früh aufstehen, da der Kram meist spätestens gegen Nachmittag schon ausverkauft ist.
Also am Besten um Punkt 10 auf der Matte stehen, wenn die Luke hochgeht. Geiles Soft-Eis gibt es übrigens auch solange der Vorrat reicht. Ich habe bisher nur Sanddorn-Buttermilch probiert und für gut befunden. Limette-Basilikum war leider aus.
Alle Produkte haben eine wahnwitzige Qualität - exklusiv von den besten, regionalen Produzenten bezogen und selbst konzipiert bzw. produziert. Zu Trinken gibt es bisher das hippe Standardprogramm, sprich Fritz, Veltins Fassbrause, Mischmasch etc. Die eigens entwickelten Limos (Blubb...) haben es leider nicht zum diesjährigen Saisonstart geschafft, aber werden zur nächsten Saison an Bord sein. Ne ehrliche Tasse Kaffee gibt es natürlich auch. Erfreulicherweise ohne Schnickschnack à la Coffee Shop. Wer will, bekommt etwas Zucker oder stinknormale Milch dazu. So muss sein. Auch beim Kaffee zeigt man Flagge und bezieht selbigen von Vicci Caffe, einer kleinen Kaffeerösterei aus Bad Bramstedt, die nachhaltig, direkt und fair ihren Rohkaffee bezieht und handwerklich röstet.
Das Geschirr kommt übrigens von Ahoi Marie aus Hamburg.
Wenn ihr kein Bock auf großen Trubel habt und die Fischbar mit dem vollen, "tatsächlichen" Programm erleben wollt, dann schaut einfach nach der Kieler Woche mal vorbei (während der Kieler Woche wird das Angebot verständlicherweise etwas angepasst).
Ich sag: Ahoi und Guten Hunger!
P.S. Passt gut auf euer Fischbrötchen auf, denn auch die umherkreisenden Möwen gieren nach Fischbrötchen und zeigen keine Scheu sich an herrenloser Ware zu bedienen!

Montag, 7. Mai 2012

GEDANKENGUT LIV

"In 50 Jahren werden wir die Torheit überwunden haben, ein ganzes Hünchen zu züchten, wenn wir doch eigentlich nur dessen Brust oder Keule verzehren wollen. Stattdessen werden wir die einzelnen Teile in einem geeigneten Medium heranwachsen lassen."
Winston Churchill - Fifty Years Hence (Anno 1932), gelesen in Le Schicken No. 5 zum Thema Gentechnik und In-vitro Fleisch

Sonntag, 29. April 2012

INNEREIEN TEIL 2: DAS MODEL UND DER FREAK

So, nach der eher unschönen Auseinandersetzung mit der lieben Niere soll es heute um den schönen Teil der Innereienverkostung gehen, und zwar um das Herz und die Zunge. Da ich auch diese beiden Stücke zuvor noch nicht gegessen habe, war ich natürlich sehr gespannt auf Zubereitung und Geschmack der Teile.
Zunächst zum Herzen: Das gute Stück brachte mit Leichtigkeit ein Kilogramm auf die Waage und war in meinen Augen wunderschön. Ein Muskel der seinesgleichen sucht. Kompakt und fast frei von Fett oder Sehnigem. Das reinste Muskelfleisch, an einigen Stellen gezeichnet von scharlachroten, verästelten Äderchen und im Inneren eine einzigartige Muskelstrutkur die das Herz förmlich lebendig und pulsierend wirken lässt. Vollkommen fasziniert von der vitalen Erscheinung des Herzens habe ich es in größter Sorgfalt geputzt und mit Freude in große Fleischwürfel zerschnitten.
Im rohen Zustand hat mich das Fleisch von seiner Muskelstruktur her an mageres Gulaschfleisch erinnert - fest aber keineswegs zäh. Erstaunlich war für mich die Tatsache, dass an dem Herz neben einigen verhärteten Fettpartien nahezu kein Verschnitt war. Das fertig geputzte Herzgulasch habe ich in Butter von allen Seiten angebräunt und zunächst beiseite gestellt.
Was das Herz an Schönheit bot, das bot die Zunge an Skurillität. Da ich leider nur wenige Fotos von der Zunge (insbesondere im ungekochten Zustand) geschossen habe, will ich nur in Kürze auf die fantastische Erscheinung eingehen. Verschiedenste Farben und Formen schmückten die Zunge, weich in die eine Streichrichtung, stoppelig rau in die andere, verziert von allerlei formen- und farbenfrohen Pappillen und Fransen. Man konnte quasi sehen und fühlen, wie die Kuh sich die Gräser auf der Zunge zergehen lässt und in ihrem Mund eine wahre Geschmacksexplosion genießt und sich nur die liebsten und feinsten Gräser der Bioweiden herausselektiert.
Die Zunge habe ich für gute zwei Stunden in einem leicht gewürzten Fond abgekocht. Als ich sie aus dem Fond herausgehoben habe, war die Zunge nicht mehr weich und elastisch sondern fest und sah aus wie einer meiner spitzzulaufenden Herrenschnürschuhe. Ein wahnwitziges Bild. 
Das anschließende "Hautabziehen" ist mir leider nicht sonderlich gut von der Hand gegangen, weswegen ich die Zunge kurzerhand mit einem frisch geschärften Messer quasi "filetiert" habe. Beim Aufschneiden und Zerteilen zeigte die Zunge auch ihre hässliche Seite, mit einigen kleinen, etwas eigenartigen, gelben, talgigen nicht sehr appetitlichen Partien am äußeren und unteren Teil des Muskel. Aus akuter Unwissenheit und Skepsis habe ich nur die Teile der Zunge weiterverarbeitet, die mir auch geheuer erschienen. 
Den einen Teil der Zunge habe ich meinem Bruder, dem ich ja aufgrund der Niere einiges schuldig war, fein zu Aufschnitt aufgeschnitten (vom Herzgulasch hat er auch einiges mitbekommen) und den anderen Teil habe ich zunächst grob gewürfelt.
Nach längerer Überlegeung habe ich mich dafür entschieden aus Herz und Zunge einen extrem stark reduzierten und leicht gebundenen Eintopf zu kochen, der als Füllung für seit langem geplante Fleischpasteten dienen sollte. Also habe ich am Abend noch den Mürbeteig vorbereitet und über Nacht in den Kühlschrank gestellt. Die Füllung habe ich auch am Abend noch angesetzt und auch über Nacht ziehen lassen und am nächsten Tag nochmal erhitzt. Bei der Füllung sollten Zunge und Herz klar im Vordergrund stehen. Also habe ich mich auf keine geschmacklichen Spielereien eingelassen und einfach einige Zwiebeln, Lauch und Karotten mitbeigegeben und das ganze recht klassisch abegschmeckt.
Da ich mir um die Formen zunächst keinerlei Gedanken gemacht habe, musste ich nach dem Ausrollen des Teiges feststellen, dass ich nicht wirklich optimale Pastatetn Formen besitze. Also mussten meine Souffléförmchen und ein Weckglas herhalten. Ruckzuck, Formen eingepinselt, ausgekleidet, vollgeklatscht mit Füllung, Deckel drauf, Eistreiche draufgespinselt und "Atemloch" reingeschnitzt.
Eine gute Dreiviertelstunde später standen die sexy Teile dann auf meinem Schneidebrett und lachten mich in ihrer vollen urtümlichen und deftigen Schönheit an. Ein wenig haben sie mich an die Häuser der Schlümpfe erinnert. Die fertigen Pasteten haben irgendwie den Charakter des Herzen, also das Urschöne und Lebendige, sowie den der Zunge, das Skurille, Groteske wiedergespiegelt.
Geschmacklich waren die Pasteten vor allem geile fleischige Küchlein, die heiß wie kalt eine wahre Offenbarung darstellten. Die ungewöhnlichen und von Mancheinem mit Abscheu betrachteten Zutaten haben keineswegs schreckenserregend geschmeckt. Das Herz quasi wie ein ordinäres Gulaschfleisch, mit nahezu der selben Strukur und die Zunge mit leichtem aber deutlich milderem Eigengeschmack und einer leicht abgewandelten Fleischstruktur.
Zusammenfassend kann ich zu meinem Abenteuer mit den unterschiedlichen Innereien nur sagen: Wer nichts wagt, der nichts gewinnt. Das aller Tollste an der ganzen Sache war für mich das äußerst plastische und intensive Erlebnis die Teile zu sehen, anzufassen, zu zerlegen, zu entdecken und zu fühlen. Der Geschmack war in diesem Fall nur die logische Konsequenz aber keineswegs der Grund.