Montag, 16. April 2012

INNEREIEN TEIL 1: DIE NIERE

So - ich bin soweit über meine Begegnung mit der schrecklichen Rinderniere zu berichten. Unter anderem auf selbige ist meine akute Blogunlust zurückzuführen - ok, und auf meine Faulheit.
Nun zurück in die Vergangenheit. Über einen guten Kontakt bin ich an ein Herz, eine Zunge und zwei Nier(ch)en von Highland-Cattle bzw. Auerochse/Heck-Rind rangekommen (beim Verteilen der Schmuckstücke wurden leider Stücke vom Cattle und Ochsen durcheinander gebracht und waren daher nicht mehr eindeutig zuzuordnen). 
Nun, da ja bekanntermaßen auch die besagten Teile beim Schlachten eines Tieres anfallen und heute eher ungeliebt sind, wurde mir der ganze Kram einfach mal zum Rumspielen mitgebracht. Der folgende Sonntag wurde ausgewählt für das große Spektakulum.
Über Herz und Zunge berichte ich in den kommenden Tagen. Hier und heute soll es einzig und alleine um die Nieren gehen.
Die Nieren habe ich äußerst vorsichtig "beschnitten", um nicht zuviel "geschmacksintensive" Partien zu erwischen. Im Anschluss wurde das Nierengeschnetzelte über einige Stunden mehrmals in reichlich Wasser gebadet.
Soviel zur Vorbereitung.
Schon beim Putzen stank die Niere unsäglich nach einer Mischung aus Kuhstall, frischem Mist und sehr intensiv nach Tier. Beim Putzen und Wässern dachte ich mir noch optimistisch: "Alles was ich jetzt rieche, kann ja nachher nicht mehr im Essen sein." Also blieb ich verhältnismäßig gelassen und eher vorfreudig gespannt und unbesorgt.
Die fertig gewässerten Nieren habe ich mit reichlich roten Zwiebeln bei starker Hitze angebraten. Abgelöscht wurde das ganze mit noch reichlicher Rotwein und letztendlich abgeschmeckt mit Thymian, frischer Birne, etwas Honig und Creme Fraiche.
Also ich muss sagen, dass sich das soweit aufm Papier ganz sexy anhört, wenn man denn positive Erwartungen an die Niere hat. Die hatte ich nach wie vor, auch wenn mein kleines Kochatelier derbst nach Bauernhof stank. 
Nach ein wenig Köcheln und dem letzten Abschmecken, war es an der Zeit für die Verkostung. Nun ja ich sag mal so: Die gesamte Verkostungsgesellschaft, die meinen Kochkünsten (zumindest bis zu diesem Tag) uneingeschränkt vertraut, war entsetzt und angewidert vom Geschmack des Gerichts, bzw. dem Geschmack der Nieren. Auch ich musste mir nach zwei kleinen Happen eingestehen, dass das Essen für unsereinen Gaumen ungenießbar war.
Die Niere schmeckte wie sie roch und zwar in potenzierter Form. Die Begegnung mit der Niere war eine harte Nummer für alle Beteiligten und hat mich schon stark gefordert und ich war ein wenig am Boden zerstört, dass es mir nicht ansatzweise gelungen ist, ein annehmbares Gericht daraus zu kredenzen. Nichtsdestotrotz war es eine spannende und abenteuerliche Erfahrung, die uns alle zeitweise Tränen lachen lassen hat. Was gute Gesellschaft alles wettmachen kann.

Kommentare:

  1. Herzblatt, zum Trost:
    Ich bin ja bekennende Freundin von Innereien, Herz, Zunge, Hoden, Hirn, Leber - alles super, wenn es gut zubereitet ist. Nur Niere - bah, die hab ich noch nirgendwo lecker gefunden!
    Ich harre gespannt auf die weiteren Folgen deiner Innereien-Serie!
    Innigste Grüße!!!!

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