Dienstag, 9. Oktober 2012

RADISCHEN UND MOHN

Letztens als ich mir über mein Mittagessen der kommenden Tage Gedanken gemacht habe und ein Bund Radischen in der Hand hielt, musste ich, ich weiß nicht genau warum, an Mohn denken. Die Idee war verwegen, aber musste dringend erprobt werden. Das Setup sah wie folgt aus: einige Radischen, eine Tüte Blaumohn, Salz und Honig.
Für die ersten Versuche habe ich Scheiben (optimale Stärke war ca. 5mm) von den Radischen geschnitten und mit einer Schnittseite in Blaumohn getunkt. Bei den folgenden Scheiben habe ich die panierte Radischenscheibe noch mit Salz bestreut bzw. mit ein wenig Honig bestrichen. Zunächst zu der Kombination von Radischen und Mohn: Die erdigen Aromen ergänzen sich wunderbar und verschmilzen fließend miteinander. Der Biss des Radischen dominiert den ersten Moment, wird aber sofort durch die Körnung des Mohns verfremdet und abgelöst. Anfangs ist vor allem der Geschmack des Mohns präsent, bis die Struktur des Radischen aufgeschlossen ist und der Radischen-Saft sich im Mund verteilt und fließend die Führung übernimmt. Nachdem das Radischen aufgekaut ist, verflüchtigt sich sein Geschmack langsam und der Mohn übernimmt wieder, da immernoch reichlich Körner irgendwo im Mund versteckt sind und zerkaut werden.
Was für ein Akkord!
Das Tunen mit Salz und einer Winzigkeit Honig macht das Ganze noch runder und geschmacklich angenehmer, insofern Honig und Salz sich im Hintergrund bewegen und nicht von dem eigentlichen Akkord ablenken.
Um es nicht beim rudimentären Versuchsaufbau zu belassen, habe ich anschließend noch einen kleinen Salat mit den Zutaten gemacht. Hinzu kam noch ein Spritzer Essig (leider war es ein Spritzer zuviel). Auch in der Form eines Salat, die der des Versuchsaufbaus ja sehr ähnlich ist, funktioniert das Ganze prächtig. Allerdings muss der Salat, direkt nachdem er angemacht wurde, gegessen werden, da die Radischen (aufgrund von Osmose) sofort Flüssigkeit lassen und labberig werden.

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