Montag, 28. Januar 2013

EIN WENIG FRÜHER FRÜHLING

Eigentlich ist ja Montag. Und Montage sind meistens nicht unbedingt gelobte Tage. Aber heute ist das anders. Denn heute ist es seit einer gefühlten Ewigkeit zum ersten Mal wieder "warm". Nach Unmengen Schnee und gefühlten -20°C eine willkommene Abwechslung für das Gemüt.
Ja, heute ist alles anders. Der Mantel bleibt heute auch draußen aufgeknöpft. Der Schnee schmilzt. Die Sonne scheint. Spazieren im Kiez ist das Highlight des Tages. Das Graubrot mit Butter riecht und schmeckt anders. Der Apfelsaft riecht anders. Der Espresso schmeckt besser. Das Schreiben geht einfach so von der Hand. Der Blick aus dem auf Kipp geöffneten Fenster macht Laune. Die Heizung ist zum ersten Mal seit Wochen wieder ausgestellt. Die Sehnsucht nach dem eigenen Schrebergarten manifestiert sich. Ideen aller Art sprudeln durch den Kopf...
Das ist klasse und das macht mir richtig Spaß. Ich bin bereit für meinen ersten Berliner Frühling! Das kann was werden.
Ich geh raus...

Mittwoch, 23. Januar 2013

BUCHBESPRECHUNG / DIE STADT KOCHT - DAS BERLIN-KOCHBUCH

 Ja, eine Momentaufnahme ist es. Eine Momentaufnahme der kulinarisch treibenden Größen in Berlin. Denn das Berlin-Kochbuch summiert all die Persönlichkeiten, die zum jetztigen Zeitpunkt den Ton in der gehobenen kulinarischen Szene angeben. Formell sieht das Ganze dann folgendermaßen aus: Zunächst wird eine bestimmte urbane Stilrichtung definiert (Der Kiez kocht, Hot & Urban, Berlin Classics, Sweet Dreams etc.). Diese bilden sozusagen die Kapitel des Buchs ab. Anschließend werden die Protagonisten (wirklich) kurz porträtiert, gefolgt von meist zwei Rezepten, inklusive Fotos. Soviel zur Form.

Nun zum Inhalt. Die Rezepte gehen von schlicht und für jedermann nachkochbar, bis äußerst arbeitsaufwendig und selbst für geübte Hobbyköche herausfordernd. Aber ich denke, das ist vollkommen ok. Was alle Rezepte gemein haben, ist die klare Linie in Sachen Qualität und Kreativität. Entweder man kocht eben die Rezepte oder Teile davon Zuhause nach oder man nimmt das Buch ganz einfach als kulinarischen Reiseführer und besucht eins der vorgestellten Restaurants.
Was das Buch besonders hervorhebt, ist die extraordinäre fotografische Umsetzung (und Food-Fotografie ist ein heikles Thema, das eigentlich einige eigenständige Blog-Posts verdienen würde). Die Fotos unterstreichen klar die Stimmung jedes Gerichts. So wird der Beelitzer Landgockel mit Zitrone und Uckermärker Papiotte Gemüse auf weißem zerknitterten Crepe ganz rustikal und scheinbar unordentlich angerichtet (genauso das Kotelett vom Havelländer Apfelschwein auf Kräuterfleckerl in Rauchsalz-Biersauce).

Die beiden Gerichte schreien geradezu nach solch einer Art des Anrichtens. Jeder Fotograf der anfangen würde, bei solchen Gerichten akurate Saucenpünktchen und symetrische Anordnungen zu inszenieren, hätte das Gericht vollkommen missinterpretiert oder würde schlichtweg versuchen einen gängigen Stil an falscher Stelle zu kopieren. Die Varianten von Butternusskürbis und Teltower Rübchen angerichtet auf der steinig-erdig wirkenden Platte - Genial. Eindrucksvoll akurat und von unfassbarer Präzision sind die beiden Teller von Sonja Frühsammer; "Wolfsbarsch, Rote Paprika, Artischockensauce, schwarze Olive" und "Latte Macchiato".

 Meine absolute Lieblingsfotografie (und eins meiner Lieblingsrezepte) ist aber zweifelsohne der Gewürzlachs mit Rote Bete und Meerretticheis. Beim Anblick des Bildes habe ich das Gefühl das Gericht augenblicklich zu verstehen und fast schmecken zu können. Lecker!

Wie unschwer zu lesen ist, macht das Buch einfach richtig Spaß und Hunger auf Berlin. Was das Buch in meinen Augen noch besser machen würde, wären etwas umfangreichere Poträts der Köche, sprich, mehr Text. Aber wer genau das sucht, kann sich ansonsten auch einfach die Le Schicken kaufen, in der die Texte und vor allem Interviews mit den Köchen überwiegen und nur am Rande Rezepte gezeigt oder erläutert werden.

Wer Berlin mag, wer Gastronomie mag, wer (Food-) Fotografie mag, wer gerne gut isst und kocht - der wird viel Gefallen an diesem feinen Buch finden.

Sonntag, 20. Januar 2013

DOKUMENTATION PIG BUSINESS: FOOD FROM FARMS NOT FACTORIES

Bei der Schnippeldisko wurde ich von der charismatischen Tracy Worcster angesprochen, ob ich mich kurz interviewen lassen würde zum Thema Fleischkonsum, im Speziellen Schweinefleisch. Tracy und ihr Team drehen in vielen verschiedenen Ländern der Welt für eine Kampagne die Aufklärungsarbeit leistet zum Thema Pig Business. So heißt auch die bereits erschienene Dokumentation; die eine Momentaufnahme der Industrialisierung der Massentierhaltung von Schweinen, insbesondere in Polen und die weitreichenden Auswirkungen für Umwelt, Gesellschaft und selbstverständlich die Tiere selbst zeigt. Die Dokumentation ist auf der Website frei zugänglich und in, sage und schreibe, 24 unterschiedlichen Sprachen untertitelt vefügbar.
Außerdem gibt es eine 13-minütige Kurzversion, sowie einen Trailer und einen "Celebrity Trailer".
Ich habe den heutigen Sonntag dazu genutzt, mir die Doku mal anzuschauen und bin teilweise selbst fast vom Glauben abgefallen. Auch mir war nicht in diesem Maße bewusst; auf welch perfide Weise multinationale Konzerne in strukturschwächere Länder wie Polen eindringen und einem Parasit gleich die Menschen und das Land seiner Ressourcen berauben. Besonders die Umweltverschmutzung nimmt bei der "Fabrikation" von Schweinefleisch in diesem Stil absolut groteske Formen an, ganz zu schweigen vom Tierschutz.
Der Goliath in Sachen Schweineproduktion ist Smithfield Foods, ein multinationaler Konzern, der sich selbst mit dem Slogan "Good Food. Responsibly" schmückt. Angesichts der im Film gezeigten Bilder ist das ganz bittere Ironie.
Den Höhepunkt der Doku stellt das Interview mit dem Umweltbeauftragten von Smithfield Foods dar, in dem dieser unter anderem vollkommen offen und ehrlich zugibt die Politik zu "beeinflussen".
"Gelder an die Politik sind nicht üblich, sondern so funktioniert die amerikanische Regierung. Im amerikanischen System kennt man seinen Regierungsvertreter, sorgt dafür, dass er nicht nur Sie und ihre Familie, sondern auch Ihr Unternehmen kennt, damit man bei der Entscheidungsfindung, weiß welche Auswirkungen die Entscheidungen auf die Firma, Gemeinschaft oder Person haben können. Ich glaube, es wäre... Wenn sie hier irgendeinen Politiker fragen würden, ob er von Smithfield Foods gekauft wurde, wäre seine Antwort nein."
Die Frage die sich mir im Laufe der Doku aufdrängt ist, wie lange die externen Kosten der Agrarindustrie und der Massentierhaltung (die inzwischen zweifelsohne in die Billionen gehen, wenn idiotischerweise in Geldwert bemessen) noch abgewälzt werden können und mehr noch wann und wer sie bezahlen wird. Denn genau wie unser lieber Atommüll, haben diese Kosten eine verdammt hohe Halbwertszeit. Eine unbequeme Sache.

Dienstag, 8. Januar 2013

WIR HABEN ES SATT!-DEMO // SCHNIPPELDIKSO

Vom 18. - 27. Januar findet hier in Berlin die Internationale Grüne Woche statt, auf der sich u.a. Wirtschaft und Politik aus den Bereichen Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau treffen und sich über die Entscheidungen von morgen beratschlagen und fleißig Lobbyarbeit für die Industrialiserung der Landwirtschaft leisten.
Zu diesem Anlass finden vom 17.-19. Januar die Grünen Tage der nachhaltigen Lebensmittelkultur statt, die zum Ziel haben, ein Zeichen zu setzen FÜR bäuerliche Landwirtschaft, eine nachhaltige Lebensmittelerzeugung und ein genussvolles Bewusstsein für Ernährung. Hört sich bis hierhin alles ein wenig dröch an...
Tatsächlich wird es aber ein spannendes Wochenende, an dem tolle Aktionen stattfinden, die Spaß bringen, lecker und ungemein kommunikativ sind und sich auf diese dynamische Weise mit den ernsthaften Inhalten auseinandersetzen.
Am Donnerstag um 19 Uhr findet zunächst in der Markthalle Neun ein Gespräch zum Thema "Landgrabbing in Rumänien statt". Am Freitag (von 12-19 Uhr) geht es dann so richtig los mit dem "Markt für nachhaltige Lebensmittelkultur", auf dem regionale Erzeuger und Initiativen aus dem Berliner Umland sich mit ihren Produkten präsentieren und zum gemeinsamen genießen einladen.
Ab 18Uhr dann das absolute Highlight - Die Schnippeldisko (organisiert vom Slow Food Youth Network) mit lässigen Beats (von der Green Music Initiative) und Unmengen von Gemüse (letztes Jahr war es über 1t). Zum Schnippeln ist jeder eingeladen, der des Sparschälers und des Gemüsemessers mächtig ist oder den dringenden Drang verspürt, sich zur Musik zu schütteln. Geschnippelt wird aber nicht für die Tonne, für die ein Großteil der zu schnippelnden Lebensmittel wegen mangelnder Konformität oder anderer "Fehler" bestimmt war. Sondern ganz im Gegenteil, für die große Demo am nächsten Tag.

Denn anlässlich der grünen Woche findet in Berlin u.a. der Internationale Agrarministergipfel statt, bei dem es um die zukünftige Gemeinsame EU-Agrarpoltik geht, die entscheidenden Einfluss haben wird auf die Entwicklungen im Bereich Landwirtschaft und Ernährung. Da die von Politik und Wirtschaft angestrebte Richtung hin zur globalen, auf einen "freien" Markt hin ausgerichteten Industrialisierung für Mensch und Umwelt fatale Folgen haben wird, stehen wir gemeinsam auf und möchten mit der Demonstration ein Zeichen setzen und uns Gehör verschaffen.
Angeführt wird die Demo von einem Traktoren-Zug, gefolgt von etlichen tausend EU-Bürger, die "Nein!" sagen zur Agrarindutrie. Demo-Koch Wam Kat wird mit seiner Fläming Kitchen und dem Slow Food Youth Network das gemeinschaftlich geschnippelte Gemüse zu leckerer Suppe verarbeiten und unter das demonstrierende und nicht demonstrierende Volk bringen. Also Freunde von Speis und Trank - fühlt euch ermuntert und eingeladen an den Aktionen in der kommenden Woche zu partiziperen.