Mittwoch, 23. Januar 2013

BUCHBESPRECHUNG / DIE STADT KOCHT - DAS BERLIN-KOCHBUCH

 Ja, eine Momentaufnahme ist es. Eine Momentaufnahme der kulinarisch treibenden Größen in Berlin. Denn das Berlin-Kochbuch summiert all die Persönlichkeiten, die zum jetztigen Zeitpunkt den Ton in der gehobenen kulinarischen Szene angeben. Formell sieht das Ganze dann folgendermaßen aus: Zunächst wird eine bestimmte urbane Stilrichtung definiert (Der Kiez kocht, Hot & Urban, Berlin Classics, Sweet Dreams etc.). Diese bilden sozusagen die Kapitel des Buchs ab. Anschließend werden die Protagonisten (wirklich) kurz porträtiert, gefolgt von meist zwei Rezepten, inklusive Fotos. Soviel zur Form.

Nun zum Inhalt. Die Rezepte gehen von schlicht und für jedermann nachkochbar, bis äußerst arbeitsaufwendig und selbst für geübte Hobbyköche herausfordernd. Aber ich denke, das ist vollkommen ok. Was alle Rezepte gemein haben, ist die klare Linie in Sachen Qualität und Kreativität. Entweder man kocht eben die Rezepte oder Teile davon Zuhause nach oder man nimmt das Buch ganz einfach als kulinarischen Reiseführer und besucht eins der vorgestellten Restaurants.
Was das Buch besonders hervorhebt, ist die extraordinäre fotografische Umsetzung (und Food-Fotografie ist ein heikles Thema, das eigentlich einige eigenständige Blog-Posts verdienen würde). Die Fotos unterstreichen klar die Stimmung jedes Gerichts. So wird der Beelitzer Landgockel mit Zitrone und Uckermärker Papiotte Gemüse auf weißem zerknitterten Crepe ganz rustikal und scheinbar unordentlich angerichtet (genauso das Kotelett vom Havelländer Apfelschwein auf Kräuterfleckerl in Rauchsalz-Biersauce).

Die beiden Gerichte schreien geradezu nach solch einer Art des Anrichtens. Jeder Fotograf der anfangen würde, bei solchen Gerichten akurate Saucenpünktchen und symetrische Anordnungen zu inszenieren, hätte das Gericht vollkommen missinterpretiert oder würde schlichtweg versuchen einen gängigen Stil an falscher Stelle zu kopieren. Die Varianten von Butternusskürbis und Teltower Rübchen angerichtet auf der steinig-erdig wirkenden Platte - Genial. Eindrucksvoll akurat und von unfassbarer Präzision sind die beiden Teller von Sonja Frühsammer; "Wolfsbarsch, Rote Paprika, Artischockensauce, schwarze Olive" und "Latte Macchiato".

 Meine absolute Lieblingsfotografie (und eins meiner Lieblingsrezepte) ist aber zweifelsohne der Gewürzlachs mit Rote Bete und Meerretticheis. Beim Anblick des Bildes habe ich das Gefühl das Gericht augenblicklich zu verstehen und fast schmecken zu können. Lecker!

Wie unschwer zu lesen ist, macht das Buch einfach richtig Spaß und Hunger auf Berlin. Was das Buch in meinen Augen noch besser machen würde, wären etwas umfangreichere Poträts der Köche, sprich, mehr Text. Aber wer genau das sucht, kann sich ansonsten auch einfach die Le Schicken kaufen, in der die Texte und vor allem Interviews mit den Köchen überwiegen und nur am Rande Rezepte gezeigt oder erläutert werden.

Wer Berlin mag, wer Gastronomie mag, wer (Food-) Fotografie mag, wer gerne gut isst und kocht - der wird viel Gefallen an diesem feinen Buch finden.

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