Samstag, 30. März 2013

REMINISZENZ AN KIEL // LAPULAPU UND NO.52


Die Bohnen sind zwar schon längst aufgebraucht, aber nichtsdestotrotz will ich retrospektiv noch kurz Bericht erstatten. Seit ich im November Kiel verlassen habe, habe ich voll Vorfreude darauf gewartet, dass der Microlot-Kaffee den Kira und Axel aus Brasilien importiert haben im Hamburger Hafen angelandet wird und ab in den Röster bei Quijote Kaffee wandert. Ende Februar war es dann endlich soweit. Und wenige Tage später wartete bei einem meiner Nachbarn ein unscheinbares Paket auf mich. Neben 250g des Microlot No. 52 habe ich mir natürlich auch noch 250g des Lapulapu Blend mitschicken lassen.

Der No. 52 ist wirklich ein toller Kaffee. Da er so hell ("City") geröstet wurde, ist er als Espresso und gleichermaßen als Filterkaffee eine Wucht. Als Espresso zeigt der 52er sich mit kraftvoller, aber geschmeidiger Süße und gleichermaßen eher charakteristisch süßen Aromen. Die von vielen so verhasste Säure ist trotz der hellen Röstung sehr mild und hält sich vornehm zurück. Der eher leichte Körper zusammen mit dem besonderen Süße/Säure-Verhältnis macht den No. 52 zu einem wirklich spannenden und nicht alltäglichen Espresso. Als Filterkaffee ist der No. 52 fast mild wie ein süßer Fruchtsaft.

Trotz der Vorfreude und der geschmacklichen Freude die mir der No. 52 bereitet hat, war das, was mich wirklich sprachlos gemacht hat, wieder einmal der Lapulapu. Durch den Lapulapu habe ich quasi erst begonnen Espresso und Kaffee lieben zu lernen. Für mich sozusagen der Standard und Ausgangspunkt für alles was danach kam. Mit Kiel habe ich auch den Lapulapu zurückgelassen. Für circa vier Monate war er nur noch eine Erinnerung. Eine geschmackliche und sentimentale Erinnerung an mein Leben in Kiel.
Den Lapulapu hier in Berlin zu schmecken, stellte tatsächlich einen emotionalen und aufrüttelnden Moment dar. Dieser Geschmack ist für mich absolut unverkennbar und rein. Er spiegelt auf gewisse Weise die letzten drei bis vier Jahre in Kiel wieder. Plötzlich sitze ich wieder in der offenen Küchentür meines verrückten Ateliers und stütze meine Füße auf den rostigen Stahlträger und schlürfe friedlich meinen abgekühlten Espresso. Das ist geschmackliche Nostalgie oder gar Romantik.

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